Uwe Dziuballa, Besitzer des Restaurants "Shalom" in Chemnitz
Betreibt mit seinem Bruder das jüdische Restaurant "Schalom" in Chemnitz: Uwe Dziuballa Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Gespräch mit Uwe Dziuballa Chemnitzer "Schalom"-Chef wünscht sich weniger Hysterie

Uwe Dziuballas jüdisches Restaurant "Schalom" wurde im August nach den Demonstrationen in der Chemnitzer Innenstadt erneut von Neonazis attackiert. Der Gastronom sprach mit MDR KULTUR über seine Erlebnisse und das Bild, das die Medien von Chemnitz zeichnen.

Uwe Dziuballa, Besitzer des Restaurants "Shalom" in Chemnitz
Betreibt mit seinem Bruder das jüdische Restaurant "Schalom" in Chemnitz: Uwe Dziuballa Bildrechte: MDR/Simon Bernard

"Wir sind in Deutschland nicht nur zu Besuch" können die Gäste des "Schalom" in Chemnitz seit einiger Zeit auf der Speisekarte lesen. Die Betreiber des jüdischen Restaurants, Uwe Dziuballa und sein Bruder Lars Ariel, wollten nach den jüngsten Ereignissen noch einmal hervorheben, dass sie Deutsche jüdischen Glaubens sind, sagt Dziuballa im Gespräch mit MDR KULTUR, denn in der "medialen und gesellschatlichen Hysterie" sei permanent von einem Übergriff auf ein ausländisches Restaurant gesprochen worden.

Dabei wurde Uwe Dziuballa vor 53 Jahren in Karl-Marx-Stadt geboren. Er lebte eine Zeit lang in den USA, und sei dort beeindruckt gewesen von der Selbstverständlichkeit, mit der Juden in New York zur Gesellschaft gehören. So entschieden sein Bruder und er im Jahr 2000, ein koscheres Restaurant in ihrer Heimatstadt Chemnitz zu eröffnen. Die Stadt habe eine starke jüdische Geschichte und sie wollten, zumindest auf kulinarischer Ebene, daran anknüpfen - normales, jüdisches Leben ins Stadtbild bringen, sagt Uwe Dziuballa.

Anfeindungen im Restaurantalltag

Blick auf den Eingang des jüdischen Restaurants "Schalom" im Zentrum von Chemnitz.
Das jüdische Restaurant "Schalom" im Zentrum von Chemnitz. Bildrechte: dpa

Angst vor antisemitischen Übergriffen seien bei der Gründung des "Schalom" kein Thema gewesen. Doch schon zwei Wochen nach Eröffnung gab es erste Hakenkreuz-Schmierereien, so der Gastronom. In den kommenden Jahren sollten weitere Sachbeschädigungen, Anfeindungen am Telefon oder der Hitlergruß vor dem Restaurant folgen. Am ersten Standort des Lokals in der Carolastraße wurden den Gastronomen Schweineköpfe in den Vorgarten geworfen. Sie zogen an einen zentraleren Standort im Brühl, auch weil sie den Wunsch hatten, in der gesellschaftlichen Mitte der Stadt anzukommen, so Dziuballa. "Wir sind inzwischen ein gut angenommenes Restaurant, aber auch Kiezkneipe".

Am 27. August dieses Jahres wurde Uwe Dziuballa nach einer Demonstration in der Chemnitzer Innenstadt angegriffen. Dziuballa sagt, das Restaurant hatte einen Ruhetag, sei aber für einen Vortrag genutzt worden und so befand er sich am Abend mit zwei Mitveranstaltern noch im Restaurant. Als er vor die Tür trat, sah er sich einer Gruppe von etwa zehn Männern gegenüber, die Flaschen, Steine und ein Eisenrohr in seine Richtung warfen. Dziuballa sei von einem Stein an der Schulter getroffen worden, hörte die Rufe "Judensau" und "Verschwinde aus Deutschland". Dziuballa sagt weiter, dieses Erlebnis habe für ihn eine neue Qualität, auch wegen des Angriffs auf seine Person.

Ich bin jetzt 53 Jahre. Egal was ich bis dahin an Negativem erlebte, es hat noch nie jemand mit Steinen nach mir geschmissen.

Uwe Dziuballa

Eine neue Aufmerksamkeit

Lars Ariel (r) sitzt am 19.11.2012 in Chemnitz (Sachsen) zusammen mit seinem Bruder Uwe Dziuballa in seinem Restaurant ''Schalom'' hinter einer Menora.
Uwe Dziuballa mit seinem Bruder Lars Ariel. Bildrechte: dpa

Für den Gastronomiebetrieb habe sich seither nicht viel verändert, so Dziuballa. Aber prominente Gäste aus der Politik seien dagewesen, wie Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Beispiel. In den Gesprächen sei ihm eine "neue Offenheit" aufgefallen und er habe das Gefühl, ernster genommen zu werden, als früher. Dziuballa sagt: "Man merkt doch, dass vielen bewusst wird, bestimmte Probleme nicht einfach nur aussitzen zu können." Es gebe eine neue Form von Aufmerksamkeit. Doch sehe er sich mit Solidarität und Hass gleichermaßen konfrontiert, sagt Dziuballa, und überlege inzwischen, wann er sich mit der Kippa in die Stadt zeigt oder doch besser einen Hut darüber trage.

Angst habe ich nicht, aber ein Stück Gelassenheit ist verloren gegangen.

Uwe Dziuballa

"Von Hysterie geprägt"

Trotzdem sorgt sich Dziuballa um das Bild, das in den Medien von Chemnitz gezeichnet werde. Es sei "von Hysterie geprägt". Es sei ein Chemnitz , das dem Alltag nicht entspreche. "Ich würde mir mehr Gelassenheit wünschen, und dass bestimmte Dinge erstmal reifen, Gedanken und Meldungen nicht immer so schnell unkommentiert hinausgerufen werden." Positiv sei, dass die Stadtgesellschaft - auch die bis dahin "schweigende Masse" - sich viel positiver zu Chemnitz positioniere.

Für ihn als Betreiber des "Schalom" überwiegen die positiven gegenüber den negativen Erlebnissen. Das Lokal sei in der Chemnitzer Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Das Restaurant genieße einen internationalen Ruf, sagt Uwe Dziuballa. Es gebe Gäste, die eine Restaurantempfehlung in New York bis nach Chemnitz führe. "Sowas stellst du nicht wegen ein paar Dummköpfen ein." Dziuballa wolle weiterhin etwas bewirken, indem er mit seinem Restaurant eine der vielen Facetten der Stadt abbilde.

Den Alltag bewältigen, das ist mehr Kampf und mehr Revolution als eine Demonstration.

Uwe Dziuballa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 03. November 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2018, 15:47 Uhr