Die Autorin Inger-Maria Mahlke
Inger-Maria Mahlkes Mutter wurde auf Teneriffa geboren, dem Schauplatz ihres jüngsten Romans. Bildrechte: dpa

"Roman des Jahres" Deutscher Buchpreis 2018 für Inger-Maria Mahlke

Die Autorin Inger-Maria Mahlke
Inger-Maria Mahlkes Mutter wurde auf Teneriffa geboren, dem Schauplatz ihres jüngsten Romans. Bildrechte: dpa

Inger-Maria Mahlke ist die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2018. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend bekannt. Die Auszeichnung wird Mahlke für ihren Roman "Archipel" verliehen. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit den vielen schillernden Details, die das Buch zu einem "eindrücklichen Ereignis" machten. Der Familienroman spielt auf der Kanareninsel Teneriffa und spiegelt zugleich europäische Geschichte wider.

Für MDR KULTUR-Literaturkritiker Rainer Moritz ging der Preis an die richtige Kandidatin. Man könne meinen, Teneriffa sei eine abgelegene Insel. Aber durch die Verbindung zu Spanien sei sie eben wesentlich mehr. Diktator Franco stamme ja von dort.

Inger-Maria Mahlke hat ein großes Buch über das 20. Jahrhundert geschrieben.

Rainer Moritz

In ihrer Rede dankte Mahlke ihrer entlassenen Verlegerin Barbara Laugwitz beim Rowohlt-Verlag. Außerdem dankte sie all jenen, die "wissen, dass es einen Unterschied zwischen Büchern und Joghurt gibt". Bücher - so die Überzeugung der 40-jährigen Autorin - könnten anders als Joghurt immer noch "existenzielle Erfahrungen" für Leser ermöglichen.

Sechs Romane auf der Shortlist

Insgesamt standen in diesem Jahr sechs Romane auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Neben Mahlke waren auch
María Cecilia Barbetta mit "Nachtleuchten", Maxim Biller mit seinem Roman "Sechs Koffer", Nino Haratischwili für "Die Katze und der General", Susanne Röckels "Der Vogelgott" und Stephan Thome mit seinem Buch "Gott der Barbaren" nominiert.

Bildergalerie Deutscher Buchpreis 2018 : Das war die Shortlist

Maxim Biller, Inger-Maria Mahlke, María Cecilia Barbetta - unter anderem diese Namen standen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018. Hier finden Sie alle Romane mit Inhaltsangaben nochmal im Überblick.

María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
María Cecilia Barbetta: "Nachtleuchten" (S. Fischer) María Cecilia Barbetta erzählt von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Sie sind aus der ganzen Welt gekommen und haben sich in Buenos Aires eine Existenz aufgebaut. In dem Viertel Ballester kämpfen sie jeder auf seine Art für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft – Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der "Ewigen Schönheit", oder die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia". Doch politische Spannungen zerreißen das Land, Aberglaube und Gewalt schleichen sich in die Normalität. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erzählt die in Argentinien geborene María Cecilia Barbetta von der Liebe zum Leben in Zeiten des Umbruchs. Bildrechte: S. Fischer
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
María Cecilia Barbetta: "Nachtleuchten" (S. Fischer) María Cecilia Barbetta erzählt von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Sie sind aus der ganzen Welt gekommen und haben sich in Buenos Aires eine Existenz aufgebaut. In dem Viertel Ballester kämpfen sie jeder auf seine Art für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft – Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der "Ewigen Schönheit", oder die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia". Doch politische Spannungen zerreißen das Land, Aberglaube und Gewalt schleichen sich in die Normalität. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erzählt die in Argentinien geborene María Cecilia Barbetta von der Liebe zum Leben in Zeiten des Umbruchs. Bildrechte: S. Fischer
Maxim Biller - Sechs Koffer
Maxim Biller: "Sechs Koffer" (Kiepenheuer & Witsch) In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. "Sechs Koffer" ist die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich. Auch sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs. Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch
Inger-Maria Mahlke: Archipel
Inger-Maria Mahlke: "Archipel" (Rowohlt) "Archipel" führt rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege: Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González' – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur 'die Katze' war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin - und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt. Bildrechte: Rowohlt
 Nino Haratischwili: Die Katze und der General
Nino Haratischwili: "Die Katze und der General" (FVA) Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen »Der General« genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.
Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. "Die Katze und der General" ist ein Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Wie in einem Zauberwürfel drehen sich die Schicksale der Figuren ineinander, um eine verborgene Achse aus Liebe und Schuld. Sie alle sind Teil eines tödlichen Spiels, in dem sie mit der Wucht einer klassischen Tragödie aufeinanderprallen.
Bildrechte: Frankfurter Verlagsanstalt
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Susanne Röckel: "Der Vogelgott" (Jung und Jung) Die Mitglieder einer wissenschaftlich orientierten Familie werden durch eine zufällige Entdeckung auf einem Kirchenbild in den schwer durchschaubaren Mythos eines Vogelgottes hineingezogen – mit einem Sog, dem sie so wenig widerstehen konnen wie der Leser dieser Geschichte. Spätestens als sich herausstellt, dass dieser Mythos eben nicht nur ein Mythos ist. Es ist eine sagenhafte, aber elende Gegend dieser Erde, wo die Verehrer des Vogelgotts leben, die ihm allerdings weniger ergeben als vielmehr ausgeliefert zu sein scheinen.
In diesem unwiderstehlichen Roman entpuppt sich eine geheime Welt als die unsere, in der die Natur ihre Freundschaft aufkündigt und wir ihrer Aggression und Düsternis gegenüberstehen.
Bildrechte: Jung und Jung
Stephan Thome: Gott der Barbaren
Stephan Thome: "Gott der Barbaren" (Suhrkamp) China, Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine christliche Aufstandsbewegung überzieht das Kaiserreich mit Terror und Zerstörung. Ein junger deutscher Missionar, der bei der Modernisierung des riesigen Reiches helfen will, reist voller Idealismus nach Nanking, um sich ein Bild von der Rebellion zu machen. Dabei gerät er zwischen die Fronten eines Krieges, in dem er am Ende alles zu verlieren droht, was ihm wichtig ist. An den Brennpunkten des Konflikts – in Hongkong, Shanghai, Peking – begegnen wir einem Ensemble so zerrissener wie faszinierender Persönlichkeiten: darunter der britische Sonderbotschafter, der seine inneren Abgründe erst erkennt, als er ihnen nicht mehr entgehen kann, und ein zum Kriegsherrn berufener chinesischer Gelehrter, der so mächtig wird, dass selbst der Kaiser ihn fürchten muss. Bildrechte: Suhrkamp
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Wichtige Auszeichnung

Der Deutsche Buchpreis gilt als wichtigste Auszeichnung in der Branche und wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 vergeben. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 25.000 Euro verbunden. In diesem Jahr sichtete die siebenköpfige Jury insgesamt 199 Titel, die zwischen Oktober 2017 und dem 11. September 2018 erschienen sind. Im vergangenen Jahr gewann Robert Menasse für seinen Roman "Die Hauptstadt" den Preis.

Georgien als Ehrengast

Die Buchmesse feiert 2018 ihr 70. Jubiläum und findet bis zum 14. Oktober statt. Sie ist die größte internationale Fachmesse für gedruckte und digitale Inhalte. Erwartet werden über 7.300 Aussteller aus 102 Ländern. In diesem Jahr ist Georgien der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Das war die Shortlist

Maxim Biller - Sechs Koffer
Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch
Nino Haratischwili
Bildrechte: Yves Noir

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Nachrichten | 08. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 18:56 Uhr

Die Nominierten der Shortlist

Nino Haratischwili
Bildrechte: Yves Noir
Maxim Biller - Sechs Koffer
Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch