Preisverleihung Golden Globes: "Bohemian Rhapsody" und "Green Book" als beste Filme ausgezeichnet

In Los Angeles sind in der Nacht zum Montag zum 76. Mal die Golden Globes verliehen worden. Als bestes Filmdrama wurde der Queen-Film "Bohemian Rhapsody" ausgezeichnet. Glenn Close und Rami Malek konnten Auszeichnungen als beste Darstellerin und bester Darsteller entgegennehmen. "Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck ging jedoch leer aus. Das Drama musste sich in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" der Netflix-Produktion "Roma" geschlagen geben.

Der Queen-Film "Bohemian Rhapsosy" ist bei den Golden Globes als bestes Filmdrama ausgezeichnet worden. Für MDR KULTUR-Kritikerin Anna Wollner ist diese Wahl "nicht nur überraschend, sondern auch unverdient":

Zumindest für 'Bohemian Rhapsody' als bestes Drama. Vor allem in einem Jahr mit politischem Kino wie 'BlacKkKlansman' von Spike Lee, Barry Jenkins 'If Beale Street Could Talk', dem großen Kassenerfolg und identitätsstiftenden Blockbusterkino mit 'Black Panther'.

Anna Wollner, MDR KULTUR-Kritikerin

In der Rubrik "Bester Film (Musical oder Komödie)" setzte sich die Musiker-Biografie "Green Book" durch. Der Film, der auch den Preis für das beste Drehbuch gewann, startet am 31. Januar in den deutschen Kinos.

Dritter Golden Globe für Glenn Close

Als beste Darstellerin in einem Drama konnte sich Glenn Close über einen Preis freuen. Sie gewann einen Award für ihre Rolle in "Die Frau des Nobelpreisträgers". Für sie ist es bereits der dritte Golden Globe. "Sie hat damit nicht nur Lady Gaga den Golden Globe vor der Nase weggeschnappt, sondern auch die Entscheidung im Oscar-Rennen ein bisschen offen gehalten", findet Kritikerin Wollner.

Früh kommt der ersehnte Anruf: Joe (Jonathan Pryce) wird den Nobelpreis bekommen
Glenn Close wurde für ihre Rolle in "Die Frau des Nobelpreisträgers" ausgezeichnet" Bildrechte: SquareOne Entertainment / Graeme Hunter

Als bester männlicher Darsteller in einem Filmdrama wurde Rami Malek für seine Rolle als Freddie Mercury in "Bohemian Rhapsody" ausgezeichnet. In den Darsteller-Kategorien Musical oder Komödie gewannen Olivia Colman für "The Favourite" und Christian Bale für "Vice" einen Golden Globe. Obwohl "Vice" in insgesamt sechs Kategorien nominiert gewesen ist und damit die meisten Nominierungen der Veranstaltungen besaß, war der Preis für Christian Bale die einzige Auszeichnung für den Film. Die Geschichte, die das Leben des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney zum Thema hat, kommt in Deutschland erst am 21. Februar in die Kinos.

Als beste Nebendarstellerin gewann die Amerikanerin Regina King für die James-Baldwin-Verfilmung "If Beale Street Could Talk". Auf männlicher Seite konnte Mahershala Ali für seine Darstellung des schwarzen Pianisten Donald Shirley in "Green Book" einen Golden Globe mit nach Hause nehmen.

Golden Globe für Mahershala Ali als bester Nebendarsteller in "Green Book"
Mahershala Ali wurd als bester Nebendarsteller in "Green Book" ausgezeichnet. Bildrechte: dpa

Mexikanische Dominanz

Für seinen autobiografisch inspirierten Film "Roma" wurde der Mexikaner Alfonso Cuarón als bester Regisseur prämiert. Er konnte den Preis auch schon 2014 mit dem Weltraum-Drama "Gravity" gewinnen. Er ist damit in bester mexikanischer Gesellschaft. In den vergangenen vier Jahren gewannen drei Mexikaner den Golden Globe als bester Regisseur. 2016 erhielt Alejandro González Iñárritu für "The Revenant" den Preis. Im vergangenen Jahr ging der Golden Globe dann an Guillermo del Toro für "The Shape of Water" und in diesem Jahr an Cuarón.

"Werk ohne Autor" geht leer aus

Für die Nominierten aus Deutschland war der Abend hingegen eine Enttäuschung. Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") war mit "Werk ohne Autor" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert. Hier musste er sich jedoch Cuaróns "Roma" geschlagen geben. Und auch Daniel Brühl, der für seine Rolle in der Serie "The Alienist" nominiert gewesen ist, ging leer aus. Hier gewann der Amerikaner Darren Criss als Darsteller in der Serie "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story".

Szenenbild auf dem Film "Roma".
"Roma" von Alfonso Cuarón gewann zwei Preise. Bildrechte: Netflix

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Schauspielerin Sandra Oh ("Grey´s Anatomy") und dem Darsteller Andy Samberg ("Brooklyn Nine-Nine"). Sandra Oh konnte sich zusätzlich auch noch über einen Golden Globe freuen. Sie wurde als beste Darstellerin in der TV-Serie "Killing Eve" ausgezeichnet.

Auch TV-Serien ausgezeichnet

Neben den Filmkategorien werden die Golden Globes auch im Bereich Fernsehen vergeben. Hier setzte sich die Serie "The Americans" im Bereich Drama durch. Als beste Comedy-Serie wurde "The Kominsky Method" prämiert. Für die Serie gewann auch Hauptdarsteller Michael Douglas eine Trophäe. "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story" ist als beste Mini-Serie ausgezeichnet worden. Einen klaren Gewinner unter den Serien-Produzenten kann Filmexpertin Anna Wollner jedoch nicht ausmachen:

Bei den Serien ist eine Art Patt entstanden. Da hat weder Netflix, noch Amazon oder auf der anderen Seite HBO und Co. das Rennen gemacht. Aber Netflix hat in sofern die Nase vorn, wenn wir zum Film zurückgehen. Denn Alfonso Cuaróns 'Roma' wurde ausgezeichnet.

Anna Wollner, MDR KULTUR-Kritikerin

Die Preisträger im Überblick

Die wichtigsten Gewinner im Überblick:

  • Bester Film (Drama): Bohemian Rhapsody
  • Bester Film (Musical oder Komödie): Green Book
  • Beste Darstellerin (Drama): Glenn Close für "Die Frau des Nobelpreisträgers"
  • Bester Darsteller (Drama): Rami Malek für "Bohemian Rhapsody"
  • Beste Darstellerin (Musical oder Komödie): Olivia Colman für "The Favourite"
  • Bester Darsteller (Musical oder Komödie): Christian Bale für "Vice"
  • Beste Nebendarstellerin: Regina King für "If Beale Street Could Talk"
  • Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali für "Green Book"
  • Bester Regisseur: Alfonso Cuarón für "Roma"
  • Bestes Drehbuch: Green Book
  • Bester Animationsfilm: Spider-Man: Into the Spider-Verse
  • Bester fremdsprachiger Film: Roma
  • Beste TV-Serie (Drama): The Americans
  • Beste TV-Serie (Musical oder Komödie): The Kominsky Method
  • Beste Mini-Serie oder TV-Film: The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story
  • Bester Darsteller in einer TV-Serie (Drama): Richard Madden
  • Beste Darstellerin in einer TV-Serie (Drama): Sandra Oh
  • Bester Darsteller in einer TV-Serie (Musical oder Komödie): Michael Douglas
  • Beste Darstellerin in einer TV-Serie (Musical oder Komödie): Rachel Brosnahan
  • Beste Darstellerin in einer Mini-Serie oder TV-Film: Patricia Arquette
  • Bester Darsteller in einer Mini-Serie oder TV-Film: Darren Criss

Jeff Bridges für Lebenswerk geehrt

Schauspieler Jeff Bridges ("The Big Lebowski") ist auf der Veranstaltung für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Sein Schauspiel-Kollege Chris Pine überreichte ihm den "Cecil B. DeMille Award". Im Jahr 2010 gewann Jeff Bridges den Golden Globe als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in dem Drama "Crazy Heart". Dafür wurde er auch mit dem Oscar ausgezeichnet. 

Auslandspresse vergibt die Golden Globes

Vergeben werden die Golden Globes von der "Hollywood Foreign Press Association" (HFPA). In dem Verband sind internationale Journalisten organisiert, die in nicht-amerikanischen Medien über das Film- und Fernsehgeschäft aus Hollywood berichten. Nach eigenen Angaben hat die HFPA momentan rund 90 Mitglieder. Die Golden Globes gelten nach den Oscars als wichtigste Filmauszeichnung in den USA. Das erste Mal hat die Organisation übrigens im Jahr 1944 die Preise verliehen.

Mehr zum Thema

Rami Malek spielt Freddy Mercury im Film "Bohemian Rhapsody" 5 min
Bildrechte: IMAGO

Queen-Fans waren sich vor der Premiere von "Bohemian Rhapsody" einig: Rami Malek kann niemals Freddie Mercury verkörpern! Mittlerweile gilt er als Oscar Favorit. Anna Wollner hat den Schauspieler getroffen.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 20.02.2019 18:05Uhr 05:17 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Januar 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2019, 07:58 Uhr

Mehr Film