"Da sind wir" Booker-Preisträger Graham Swift legt neuen Roman vor

Graham Swifts neuer Roman "Da sind wir" beginnt an einem Sommerabend in Brighton Beach 1959, der Schauplatz ist ein Varietétheater, und schon auf den ersten Seiten zeichnet sich ab, dass wir es mit Geheimnissen zu tun bekommen, vor dem Hintergrund einer Dreiecksbeziehung. Der britische Autor dürfte einigen durch seine Bücher "Letzte Runde und Ein Festtag ein Begriff sein. Er wurde unter anderem mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet und mehrere seiner Bücher wurden verfilmt.

Graham Swift
Graham Swift wurde 1949 in London geboren Bildrechte: imago images / Leemage

"It’s life’s illusions I recall" lautet eine Zeile aus Joni Mitchells Song "Both Sides Now" – und genau diese lakonische Feststellung steht Graham Swifts Kurzroman "Da sind wir" als Motto voran. Damit deutet der englische Schriftsteller, 1949 in London geboren und Verfasser so großartiger Bücher wie "Letzte Runde" oder "Ein Festtag", die melancholische Grundstimmung seiner perfekt komponierten Dreiecksgeschichte schon an.

Geschichte mit Magie

Außerdem verweist er auf das zentrale Thema: Eine der drei Hauptfiguren ist nämlich ein Zauberer, der sich auf der Bühne Pablo nennt, im wirklichen Leben Ronnie heißt und gemeinsam mit seiner Partnerin Eve im Sommer 1959 der große Star von Brighton Beach wird. Er bietet dem Publikum atemberaubende Kunststücke: Tauben flattern aus seinen Rockschößen, Eve wird spektakulär in eine Kiste gepackt und zersägt, klettert dann aber doch unversehrt in ihrem Glitzerkostüm aus der Requisite, und schließlich zieht sie ihm eine schier endlose Kordel aus dem Mund, aus der ein Regenbogen wird.

Dreiecksbeziehung

Mit illusionistischem Geschick konstruiert Swift, der Tschechow ebenso verehrt wie Isaac Babel, ein veritables Spiegelkabinett und baut immer wieder doppelte Böden ein: Obwohl Eve und Ronnie ein so hinreißendes Paar sind und nach dem Sommer heiraten wollen, macht am Ende ein anderer das Rennen: Ronnies bester Freund Jack, der ihn zum Varietétheater geholt hat, ein mit allen Wassern gewaschener Conférencier.

Swift erzählt die Geschichte, die von Verrat, dem englischen Kleinkunstmilieu und dem Zweiten Weltkrieg handelt, vom Ende her. Denn der Zauberer legt einen unerklärlichen Abgang aufs Parkett. Aber auch jemand, der verschwindet, kann anwesend bleiben. Eines ist sicher: Graham Swift gelingt mit seinem vielschichtig-schillernden Roman ein großes Kunststück.

Angaben zum Buch Graham Swift: "Da sind wir"
Aus dem Englischen von Susanne Höbel
159 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-423-28220-8
DTV München 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juni 2020 | 08:10 Uhr