Auszeichnungen für Webangebote Grimme Online-Award für Playmobil-Literaturvermittlung

Bei einer Gala in Köln wurden am Freitag die diesjährigen Gewinner des Grimme Online Awards gekürt. Gleich vier Preise gab es in der Kategorie Kultur und Unterhaltung, unter anderem für den Videokanal "Sommers Weltliteratur to go", bei dem Klassiker mit Playmobil nachgespielt werden.

Vier Preise in Rubrik Kultur und Unterhaltung

Mit elf Nominierten gibt es in dieser Kategorie in diesem Jahr die größte Konkurrenz, verliehen wurden vier Preise.

Von Johann Wolfgang von Goethe gibt es jetzt eine Playmobilfigur. Sie hat eine Ausgabe von Faust in der Hand und eine Schreibfeder in der anderen Hand.
Johann Wolfgang von Goethe als Playmobil-Figur Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Gewonnen hat zum einen der Videokanal "Sommers Weltliteratur to go". Theatermacher Michael Sommer spielt dort mit Playmobil-Figuren über 150 Dramen oder Märchen der Literaturgeschichte nach, von "Macbeth" über "Krieg und Frieden" bis "Faust II". Bei fehlenden Figuren wird der Macher kreativ, so stellte er die Nautilus mit einer Thermoskanne nach. Die Jury lobte, die Videos seien "lustig und lehrreich zugleich", zudem habe Sommer die "künstliche Trennung von E- und U-Kultur aufgehoben."

Bei 'Stolz  und Vorurteil' ein 'Fuck you' unterzubringen, das muss man erstmal schaffen!

Wotan Wilke Möhring, Laudator
Die Trophäe des Grimme Online Award
Die Trophäen des Grimme Online Award Bildrechte: Grimme-Institut

Ebenfalls ausgezeichnet wurde "Bewegte Jahre. Auf den Spuren der Visionäre". Der fiktive Reporter Christian Heller begibt hier sich auf Spurensuche zum Jugendstil um das Jahr 1900. Er trifft dabei auf bedeutende Zeitzeugen, zum Beispiel in Wien, Glasgow oder Paris. Anbieter ist das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, das damit eine Sonderausstellung vertieft.. Die Jury lobte, "reale Orte und historische Figuren zu integrieren", habe ihr "besonders gut gefallen." Das Angebot ist auch in deutscher Gebärdensprache verfügbar.

Die dritte Auszeichnung ging an die Dokumentation "Ein deutsches Dorf" von 16 jungen Journalisten des 37. Abschlussjahrgangs der Henri-Nannen-Schule. Diese haben zwei Wochen lang das Leben in dem Dorf Werpeloh im Emsland hautnah begleitet, indem sie nicht nur kurz zur Reportage hinfuhren, sondern sich direkt dort einquartierten. Die Jury zeigte sich begeistert, das Ergebnis rage "aus dem Kreis der Nominierten hervor" und die Umsetzung sei "überdurchschnittlich gut gelungen." Laudatorin Jilet Ayse verwies auf die gelungene Bearbeitung des Begriffs Heimat und betonte, verweisend auf ihren Migrationshintergrund: "Wir könnten alle ein bisschen mehr Gäste sein in dieser Welt, speziell in diesen Zeiten."

Der vierte Preis ging an den WDR-Instagram-Kanal "Mädelsabende". Betrachtet werden Themen junger Frauen, die bewusst einen Gegensatz zur häufig oberflächlichen Bilderwelt von Instagram liefern, von Magersucht über sexuelle Belästigung bis zum Leben mit Behinderung. Gesprochen wird hier über das Leben, den Körper und die Seele. Für diese Plattform entschieden sich die Macher bewusst, um die Zielgruppe mit Relevanz zu erreichen. Die Jury lobte, das "progressives Format sorgt für erfrischende Abwechslung" der Generation Y. Laudatorin Jilet Ayse meinte bei der Preisverleihung, dass "Mädelsabende" die "Leichtigkeit von Instagram nutze und trotzdem die Kommunikationsfläche und Möglichkeit mitzumachen biete".

Wissen und Bildung: "maiLab" und "RiffReporter"

Mai Thi Nguyen-Kim
Mai Thi Nguyen-Kim ist das Gesicht des Wissenskanals maiLab Bildrechte: dpa

Hier gab es zwei Preisträger. In der Kategorie Wissen und Bildung ging der Preis in diesem Jahr an den Videokanal "maiLab". Die promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim überträgt dort ihre Wissenschaftsbegeisterung auf die Zuschauer. Bei der Preisverleihung wurde hervorgehoben, dass sie ein "Vorbild für andere jungen Frauen" ist und sich für die Wissenschaftsvermittlung "mehr Zeit, als bei Youtube üblich" nimmt. Die Jury sieht in "maiLab" ein "herausragendes Beispiel eines jungen, zeitgemäßen Wissenschaftsjournalismus'". "maiLab" gehört zum öffentlich-rechtlichen Jugend-Medienangebot funk.

Die zweite Auszeichnung in dieser Kategorie ging an die "RiffReporter". Das Angebot ist als Genossenschaft organisiert, wodurch es viele Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung gibt, um "so hochwertigen Journalismus zu stärken", so die Laudatorin bei der Preisverleihung. Die Jury lobte nicht nur den Inhalt, sondern vor allem auch das Konzept, das eine Existenzsicherung für Qualitätsjournalismus aufzeigt. Die "RiffReporter" widmen sich in ihrem Angebot einem weiten Interessenspektrum, von Forschungs- und Bildungspolitik über Ornithologie bis zur Astronomie.

Spezial: "Deutschland spricht" und Raul Krauthausen

Raul Krauthausen
Raul Krauthausen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Deutschland spricht" ist ein Kommunikationsangebot von Zeit Online. Es soll der Isolation in Filterblasen entgegenwirken, der häufig mangelnden Diskursfähigkeit bei schwierigen Themen wie Flüchtlingsfragen oder politisch gegensätzlichen Ansichten. Dabei wurden unbekannte Paare für einen Diskurs zusammengebracht, die entgegengesetzte Pole einer Debatte einnahmen. Anfangs gab es dabei auch Sicherheitsbedenken, jedoch wurden keine negativen Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil, die Diskussion fand lebendig statt und die Diskutierenden fanden erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Die Jury begeisterte sich, das Projekt habe sich "über die Grenzen des Journalismus hinaus mitten in die Gesellschaft hineingewagt", und diene damit "im besten Sinne der Demokratie".

Der Aktivist Raul Krauthausen wurde ebenfalls ausgezeichnet. Er bloggt über Inklusion, diskutiert leidenschaftlich auf Twitter und Facebook und gibt Tipps für ein besseres Miteinander. Der an der "Glasknochen-Krankheit" erkrankte Krauthausen hat es in den Augen der Jury geschafft, die "Inklusion in eine unübersehbare, vor allem digitale Präsenz geführt" zu haben. Bei der Auszeichnung bekannte er, dass er seit ca. zwei Jahren auch persönlich mit Hass im Netz zu tun habe. Ihn motivierte das jedoch dazu, aktiv zu werden und eine Plattform für Opfer solcher Angriffe zu schaffen.

Auch nichtbehinderte Menschen haben ein Recht darauf, mit Menschen mit Behinderung zusammenzuleben.

Raul Krauthausen

Publikum und Jury mit gleichen Favoriten

Pressekonferenz „funk - das neue Content-Netzwerk von ARD und ZDF “ am 29. September 2016 in Berlin.
Das Publikum vergab auch einen Preis an Y-Kollektiv aus dem öffentlich-rechtlichen funk-Jugendangebot Bildrechte: Stefan Hoederath/funk

Für den Publikumspreis wurden von der Jury 28 Nominierte aus fast 1.000 Einreichungen ausgewählt. Über die drei Gewinner konnte dann online abgestimmt werden. Es zeigte sich, dass das Publikum und die Jury dicht beieinander lagen, zwei der drei Publikumspreisträger haben auch in anderen Kategorien einen Preis erhalten.

Der erste Preis ging mit einem ordentlichen Vorsprung an maiLab. Der zweite Platz ging an das Y-Kollektiv, ein Netzwerk von jungen Journalisten aus dem öffentlich-rechtlichen funk-Netzwerk. Über den dritten Publikums-Preis konnte sich der WDR-Instagram-Kanal "Mädelsabende" freuen, die schon Preisträger in der Kategorie Kultur und Unterhaltung sind.

Kategorie Information diesmal ohne Gewinner

Die Jury entschied sich in diesem Jahr, in dieser Kategorie keinen Preis zu vergeben. Sie begründeten es bei der Veranstaltung mit großem Bedauern den Nominierten gegenüber: Nachdem schon alle Ausgezeichneten bestimmt waren, merkten wir, dass in der Kategorie Information noch keine vergeben wurde. Die Preise werden laut Jury ohne prinzipiell Ansehen der Kategorie vergeben. Dadurch kann es passieren, dass eine Kategorie preislos bleibt.

Der Grimme Online Award

Seit dem Jahr 2001 werden vom Grimme-Institut preiswürdige Online-Angebote mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Maximal acht Preise werden vergeben. Sie verteilen sich auf die vier Kategorien "Information", "Wissen und Bildung", "Kultur und Unterhaltung" sowie "Spezial" für publizistische Onlineangeboten. Außerdem gibt es einen Publikumspreis.

Victoria Herrmann
Auch der MDR erhielt einen Grimme Online Award, 2003 für die Wissenssendung LexiTV Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Die Jury des Preises setzt sich aus Journalisten, Medienwissenschaftlern, Webspezialisten und Kultur- und Bildungsexperten zusammen. Die Preisvergabe soll auf Grundlage ihrer gemeinsamen Bewertung erfolgen. In diesem Jahr gehören zur Jury, die Journalistin Brigitte Baetz, Online-Stratege Daniel Fiene von der Rheinischen Post, Kommunikationsberater Kai Heddergott, Studentin (Online-Redakteurin) Aylin Kazi, Onlinejournalismus-Professor Lorenz Lorenz-Meyer, Journalist Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel sowie Lena Thiele, Professorin für Digital Narrative an der Internationalen Filmschule Köln.

Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehören giga.de (2001), LexiTV (MDR, 2003), Bildblog (2005), Tagesschau-App (Publikumspreis, 2012), Der Postillon (Publikumspreis, 2013), Barbara (2016) und #ichbinhier (2017).

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. Juni 2018 | 23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2018, 09:23 Uhr