Grimme Online Award 2018
Der begehrte Grimme Online Award Bildrechte: MEDIEN360G

Grimme Online Award 2019 Online-Auszeichnung für Offline-Veranstaltung

Grimme Online Award 2018
Der begehrte Grimme Online Award Bildrechte: MEDIEN360G

Die Grimme Online Awards gehen in diesem Jahr unter anderem an das Recherchekollektiv Correctiv und die Krautreporter. Das wurde am Mittwochabend auf einer Gala in Köln bekannt gegeben.

Informationspreis für Mietpreis-Dokumentation und Krautreporter

Eine Frau schaut sich die Plattform Wem gehört Hamburg? auf der Internetseite des Recherchezentrums Correctiv an
Die Plattform "Wem gehört Hamburg?" des Recherchezentrums Correctiv Bildrechte: dpa

Correctiv konnte sich in der Kategorie Information mit seiner Webdokumentation "Wem gehört Hamburg?" (gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt) durchsetzen, die sich mit der Mietpreisentwicklung in großen Städten auseinandersetzt. Dafür wurden etwa 1.000 Bürger vor Ort in einem sogenannten Crowd-Newsroom zu ihrer Wohnsituation befragt.

Weiterhin wurden die Krautreporter ausgezeichnet. Sie setzten sich mit so unterschiedlichen Themen wie der Finanztransaktionssteuer oder der Diskriminierung dicker Menschen auseinander. Ziel der Krautreporter ist es dabei, lösungsorientierte Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Ihr Motto ist dabei "Verstehe die Zusammenhänge".

Die Krautreporter betreiben im besten Sinne konstruktiven Journalismus – ohne ihn als solchen zu bezeichnen.

Aus der Jurybegründung für die Krautreporter

Wissenswert: Ultralativ

Laudatorin Hazel Brugger vergab die Auszeichnungen in der Kategorie Wissen und Bildung. Ausgezeichnet wurde hier nur ein Angebot, der Youtube-Wissenskanal Ultralativ. Themen wie die EU-Urheberrechtsreform oder den Einfluss auf Influencer behandeln die Macher von Ultralativ unterhaltsam und extrem lehrreich in ihrem Kanal. Die Grimme-Jury betonte, dass Ultralativ "mehr Transparenz in der oftmals undurchsichtigen und kommerzialisierten Internetszene."

Mit diesem Kanal Geld zu verdienen würde sich in gewisser Weise falsch anfühlen.

Die Macher von Ultralativ

Offline-Veranstaltung erhält Online-Award

Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht bei der Tincon, dem Festival für Jugendkultur, im Rahmen der Internetkonferenz re:publica
Bundesministerin Franziska Giffey bei der Tincon Bildrechte: dpa

Der Spezial-Preis geht in diesem Jahr an die Teenageinternetwork Convention "Tincon", die sich um digitale Themen für junge Menschen zwischen 13 und 21 Jahren kümmert.

Auf Veranstaltungen können sie sich offline über ihre digitale Lebenswirklichkeit austauschen. Das Programm wird von Jugendlichen und Erwachsenen selbst geplant.

Grumpy Cat mag zwar tot sein, aber die deutsche Jugend ist es noch lange nicht.

Laudatorin Hazel Brugger zur Tincon-Auszeichnung

Comicmännchen kommentieren die Welt

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung Tobias Vogel für seine Reihe "Krieg und Freitag" ausgezeichnet. Er veröffentlicht auf Twitter, Facebook und Instagram gezeichnete Kommentare zum aktuellen Geschehen. Trotz relativ einfacher Stilistik mit schwarz-weißen Strichmännchen bringt er seine Themen zielsicher und humorvoll auf den Punkt. Die Jury lobte den "sehr besonderen Humor" seiner Zeichnungen, die "herausragend in der Einfachheit und Direktheit" seien. Übergeben wurde die Auszeichnung von dem Cartoonist und Komiker Ralph Ruthe.

Weiterhin wurde das "Techniktagebuch" in dieser Kategorie ausgezeichnet. Die kenntnisreiche Beschreibung von Technikerfahrungen im Internet wird von vielen verschiedenen Autoren erstellt. "Für Technik interessiere ich mich ungefähr so sehr wie für Frisuren" erklärte selbstironisch der nahezu kahlköpfige Laudator Ralph Ruthe, der sich dennoch begeistert zeigte. Die Jury lobte die Schaffung dieses technikbezogenen "Zeitstrahls" und hob hervor, das "Projekt hat eine Tiefe, die zu selten in Webprojekten ist".

Eine dritte Auszeichnung in der Kategorie Kultur und Unterhaltung ging an den Internetblog "Buterbrod und Spiele", die sich mit Russland auseinandersetzt. Anlässlich der Fußball-WM 2018 zeigten die Macher Christian Frey und Moritz Gathmann, dass Russland weit mehr ist, was üblicherweise medial vermittelt wird.

Mit der vierten Preisverleihung an "Mensch Mutta." erhielten in der Kategorie Kultur und Unterhaltung in diesem Jahr erstaunlich viele Angebote eine Auszeichnung. In dem Podcast "Mensch Mutta." berichtet die Mutter der sie interviewenden Journalistin Katharina Thoms von den Gegebenheiten in der DDR. Die Jury begründete, dass das Projekt sich auf ganz spezielle Weise dem Leben in der DDR nähere, diese erfolge "kritisch, ohne dass die Familie vorgeführt wird". Auf der Bühne nahmen Tochter und Mutter den Preis gemeinsam entgegen.

Publikumspreise, unter anderem für Öffentlich-Rechtliche

Auch Publikumspreise wurde vergeben. Sechs Wochen lang war für die Öffentlichkeit Zeit, für ihre jeweiligen Favoriten zu voten.

Den ersten Publikums-Platz erhielt der Online-Talk "Einigkeit & Rap & Freiheit", bei dem Hubertus Koch mit Deutsch-Rappern unter anderem zu Themen wie Politik oder Umweltschutz im Gespräch ist. Angeboten wird er im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Jugendangebotes "funk" bei Radio Bremen.

Platz zwei ging "#ALS und andere Ansichtssachen", ein Blog, in dem Christian Bär kenntnisreich und mit Humor über die Muskelerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) schreibt. Der selbst von der Krankheit Betroffene schreibt seinen Blog aufgrund des Fortschritts der Erkrankung mit Augensteuerung.

Der dritte Platz ging an die Comics "Krieg und Freitag".

Der Grimme Online Award

Seit 2001 werden jährlich aufwendige und qualitativ hochwertige Online-Angebote mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Gekürt werden die Preisträger durch das Grimme-Institut, das auch die renommierte TV-Auszeichnung "Grimme-Preis" verleiht. Er wird in vier Kategorien vergeben: Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie als Spezialpreis. Dabei wird sowohl auf die Qualität des Endproduktes, sowie auf die Kreativität von Idee und Konzeption geachtet.

Es gibt dabei keine Hierarchie, alle Preise sind laut Jury gleich gut. Die Auszeichnung ist nicht dotiert.

Die Nominierten der Kategorie Information

- Das dunkle System
- Das gespaltene Parlament
- Krautreporter
- Neues aus dem Fernsehrat
- Republik
- Wem gehört Hamburg?

Die Nominierten der Kategorie Wissen und Bildung

- #ALS und andere Ansichtssachen
- Bedrohte Ordnungen
- DENKMAL EUROPA
- Lydias Welt
- Pille Palle
- Stadtlexikon Stuttgart
- Ultralativ
- WDR Bergwerk in 360° und VR

Die Nominierten der Kategorie Kultur und Unterhaltung

- Blaue Bücher, rosa Bücher
- Buterbrod und Spiele
- Café Deutschland
- Durch die Gegend
- eigenleben.jetzt
- Einigkeit & Rap & Freiheit
- Krieg und Freitag
- Mensch Mutta.
- Neos Kosmos
- Rice and Shine
- Techniktagebuch
- The BORDERLINE Project

Die Nominierten der Kategorie Spezial

- OpenSCHUFA
- TINCON

Auch interessant

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 13:47 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren