Günter Rohrbach
Günter Rohrbach wurde am 23. Oktober 1928 in Neunkirchen (Saar) geboren. Bildrechte: dpa

90. Geburtstag Günter Rohrbach - der Produzent hinter den großen deutschen Filmerfolgen

Der Produzent Günter Rohrbach hat die deutsche Film- und Fernsehlandschaft stark geprägt. Sei es durch "Das Boot", "Schtonk" und die Loriot-Filme, den Tatort, die erste deutsche Talkshow oder die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Am 23. Oktober feiert Günter Rohrbach seinen 90. Geburtstag. Wir erinnern an einige seiner wichtigsten Filmprojekte.

Günter Rohrbach
Günter Rohrbach wurde am 23. Oktober 1928 in Neunkirchen (Saar) geboren. Bildrechte: dpa

Im Filmgeschäft stehen zumeist die Schauspieler im Fokus der Öffentlichkeit, selten jedoch die Macher im Hintergrund. Einer der ganz Großen ist dabei der Filmproduzent Günter Rohrbach. Sein Wirken war einflussreich für die deutsche Nachkriegsfilmgeschichte. Er prägte er den sogenannten "Neuen Deutschen Film" und arbeitete mit Regisseuren wie Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder, Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff zusammen. 

Rohrbach steht für die Verfilmung des Buchheim-Romans "Das Boot", die sechs Mal für den Oscar nominiert wurde. Auch initiierte er die erste Talkshow "Je später der Abend" im deutschen Fernsehen, ebenso Comedy-Formate wie die Otto-Show oder die Loriot-Filme sowie die erste deutsche Sitcom "Ein Herz und eine Seele". Seit 2011 wird in seinem Geburtsort Neunkirchen (Saar) jährlich der mit 10.000 Euro dotierte "Günter Rohrbach Filmpreis" zur Förderung deutschsprachiger Filme verliehen.

Die wichtigsten Filmprojekte von Günter Rohrbach:

"Das Boot" brachte fast den Ruin

Die Verfilmung des Lothar-Günther-Buchheim-Romans "Das Boot" brachte die Bavaria finanziell fast ins Strudeln. Die bis dato teuerste deutsche Filmproduktion wurde von Rohrbach produziert und verschlang am Schluss die in Deutschland bis dahin unerreichte Summe von 30 Millionen D-Mark. Ursprünglich waren 18,5 Millionen DM einkalkuliert gewesen.

Das Unglück begann gleich in den ersten Drehtagen, laut Rohrbach wurde ein Boot für die Dreharbeiten benutzt, das innen hohl war. Und dieses Boot brach plötzlich auseinander. Rohrbach löste die Situation, indem Regisseur Wolfgang Petersen überzeugt wurde, mit einem halben Boot weiterzudrehen. In einem Interview beschreibt Rohrbach die Situation: "Einige Szenen hatten wir ja bereits mit dem großen Boot gedreht, für die fehlende Rückfahrt in den Hafen fuhr die Kamera dann so über die Köpfe der Mannschaft, dass der Eindruck entstand, sie stünde auf dem ganzen Boot."

Am Schluss hat sich alles gelohnt, "Das Boot" wurde ein internationaler Erfolg. Sechs Mal wurde der Film 1984 für den Oscar nominiert und als Fernsehserie in mehr als 70 Länder verkauft.

(v. l.) Klaus Wennemann, Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer
Klaus Wennemann, Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer (v.l.n.r.) im Film "Das Boot". Bildrechte: imago/United Archives

Erste deutsche Sitcom: "Ein Herz und eine Seele"

Einen Widerling wie "Ekel Alfred" in der Serie "Ein Herz und eine Seele" hatte man vorher kaum im Fernsehen gesehen. Mit "Ein Herz und eine Seele" ging er von 1973 bis 1976 in Serie. Schon der romantische Titel führt gehörig in die Irre, denn Alfred Tetzlaff, dargestellt von Heinz Schubert, pflegte alles andere als ein harmonisches Familienleben. Der kleinbürgerliche Familienvater ätzte mit reaktionären und frauenverachtenden Sprüchen.

Die Serie war vieldiskutiert und brachte die damalige Debatte zwischen Spießbürgerlichkeit und 68er-Geist ironisch auf den Punkt. Das Besondere: Die Reihe wurde nicht von der Konserve gesendet, sondern live im Fernsehen ausgestrahlt. Bis zum Schluss konnten so aktuelle Geschehnisse eingearbeitet werden, wovon man auch Gebrauch machte - berichtete Rohrbach 2012 in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Er war als damaliger Leiter des WDR-Fernsehspiels für die Serie zuständig und ist damit einer der Begründer der deutschen Sitcom.

Joachim Preen DIETHER KREBS (Schwiegersohn), ELISABETH WIEDEMANN (Else), HEINZ SCHUBERT (Alfred), HILDEGARD KREKEL (Rita)
Diether Krebs (Schwiegersohn), Elisabeth Wiedemann (Else), Heinz Schubert (Ekel Alfred) und Hildegard Krekel (Rita) in der Sitcom "Ein Herz und eine Seele". Bildrechte: IMAGO

Wie der "Tatort" zur deutschen TV-Krimiinstitution wurde

Als Chef des Fernsehspiels beim WDR ist Rohrbach auch für eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Fernsehens verantwortlich. Rohrbach beauftragte vertrauensvoll den Redakteur Gunther Witte mit der Entwicklung einer Krimiserie, die 1970 als "Tatort" durchstartete.

Den Auftrag bekam Witte von Rohrbach bei einem Spaziergang, berichtete der Redakteur 2010 in einem Interview. Und auch, dass er eigentlich gar keine Erfahrungen in dem Metier hatte: "Im ersten Moment stutzte ich ein bisschen, weil ich ja nun gar kein Krimi-Experte war. Aber umso mehr nimmt man eine solche Aufgabe dann an und kniet sich da rein", so Witte.

Rohrbach hatte mit dieser Beauftragung den richtigen Riecher bewiesen. Die von Gunther Witte entwickelte Serie war ein voller Erfolg und lockt bis heute regelmäßig ein Millionenpublikum vor die Bildschirme. Witte scheint seine Qualitäten dadurch so eindrucksvoll unter Beweis gestellt zu haben, dass er Rohrbach von 1979 bis 1998 als WDR-Fernsehspielchef beerbte.

In erklärungsbedürftiger Aufmachung steht Kriminalhauptkommissar Schimanski  (Götz George) vor Kriminaloberrat Königsberg (Ulrich Matschoss)
Kriminalhauptkommissar Schimanski (Götz George) in erklärungsbedürftiger Aufmachung im Tatort. Bildrechte: WDR

Die "Holocaust"-Serie veränderte den Blick auf die Geschichte

Besonderes Engagement zeigte Rohrbach Ende der 1970er-Jahre, als er sich für die Übernahme der vierteiligen US-Serie "Holocaust" stark machte. Dabei hatte er mit viel Widerstand zu kämpfen, sowohl von der Öffentlichkeit als auch innerhalb der ARD. Der Vorwurf lautete unter anderem, man könne das Leiden des Holocaust nicht in einem Spielfilm erzählen. Auch schien zu dem Thema 1979 schon alles erzählt worden zu sein.

Rohrbach setzte sich durch und die fiktive Geschichte der jüdischen Familie Weiss wurde auch im deutschen Fernsehen gezeigt. Sie bewirkte eine intensive Auseinandersetzung mit der dunklen deutschen Geschichte der Nazizeit. Vor allem junge Menschen meldeten sich nach der Ausstrahlung, berichtete Rohrbach in einem Gespräch mit dem Fernsehsender Bayern Alpha. Sie hätten die Serie mit besonderer Emotion aufgenommen und sich nach den Folgen telefonisch gemeldet.

Ja, das war für mich das größte und auch bewegendste Fernseherlebnis meiner ganzen Zeit beim Fernsehen.

Günter Rohrbach zur TV-Serie "Holocaust"

Ein Antrieb für sein Engagement war Rohrbachs eigene Biografie, erzählte er 2013 in einem Zeit-Interview: "Dass ich Ende der 70er-Jahre gegen die enormen Einwände in der ARD und in weiten Teilen der Öffentlichkeit für den Kauf der Serie Holocaust gekämpft habe, hat mit meiner Erfahrung 1945 zu tun." Im damaligen Alter von 16 Jahren habe er von den Verbrechen der Nationalsozialisten erfahren, von Buchenwald, Auschwitz, den Leichenbergen und Gaskammern, was für ihn traumatisch war. Mit der Aussendung der Serie "Holocaust" im deutschen Fernsehen leistete Rohrbach einen Anteil an der öffentlichen Aufarbeitung des NS-Unrechts.

Die Schauspielerin Meryl Streep als Inga Helms Weiss in einer Szene der US-amerikanischen Fernsehserie "Holocaust".
Meryl Streep als Inga Helms Weiss in einer Szene der US-amerikanischen Fernsehserie "Holocaust". Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Oktober 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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