Erfurt Diskussion um Vertragsverlängerung für Theater-Intendant Guy Montavon

Guy Montavon ist seit 2002 Intendant des Theaters in Erfurt. Ginge es nach dem Oberbürgermeister der thüringischen Landeshauptstadt, müsste Montavon den Posten nach 18 Jahren auch nicht abgeben, er solle bis 2027 bleiben. Aktuell berät der Erfurter Werksausschuss, die Theatervertreter des Stadtparlaments, dazu. Gegen eine einfache Vertragsverlängerung regt sich nun Widerstand in der Kulturszene, so von der Ständigen Kulturvertretung Erfurt, dem Zusammenschluss der Freien Szene. Sie fordert unter anderem mehr Innovation und eine deutlichere Präsenz in der Stadtgesellschaft.

Der Schweizer Guy Montavon, Intendant des Theater Erfurt. 8 min
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Pünktlich zum Auftakt der Debatte um die Verlängerung des Vertrags mit Guy Montavon, des Intendanten des Theaters in Erfurt meldet sich die Ständige Kulturvertretung Erfurt zu Wort. Der ehrenamtliche Zusammenschluss der Freien Szene vermisst bei Montavons Arbeit kulturelle Vielfalt, neue und drastische Impulse, so dessen Sprecherin Stefanie Müller-Durand bei MDR KULTUR.

Die generelle Ausrichtung ist seit nahezu 18 Jahren sehr ähnlich. Das ist kein Ausdruck für kulturelle Vielfalt.

Stefanie Müller-Durand, Sprecherin der Ständigen Kulturvertretung Erfurt zu Guy Montavon

Es gebe zu wenig Raum für Unbequemes oder neue Versuchsreihen, so Müller-Durand. Das sei für eine Landeshauptstadt nicht mehr angemessen. Sie wünscht sich ein Theater, das "im Sinne des Zeitgeistes auf Kooperation setzt, interdisziplinär arbeitet, sich auch für ungewöhnliche Impulse öffnet." Es gehe darum, klassisches Musiktheater und klassisches Schauspiel mit ungewöhnlichen Ansätzen zu vereinen ­– und zwar: "nah am Puls der Zeit".

Guy Montavon, Intendant des Theaters Erfurt, steht nach einer Pressekonferenz zum Programm des Philharmonischen Orchesters im Treppenhaus.
Guy Montavon ist seit 18 Jahren Intendant des Theaters Erfurt Bildrechte: dpa

Mehr Präsenz in Stadtgesellschaft gefordert

Außerdem ist das Theater nach Meinung der Ständigen Kulturvertretung zu wenig präsent in der Stadtgesellschaft. Müller-Durand: "Verantwortung und Haltung zeigen – das vermissen wir sehr." In Erfurt werde Vivaldi aufgeführt wie im 18. Jahrhundert, während anderswo die "Vier Jahreszeiten" als Debattenbeitrag zu den klimatischen Veränderungen inszeniert werden: "Damit waren in Hamburg natürlich nicht alle glücklich. Aber es hatte einen großen Effekt. Es war ein Standing und auch eine Möglichkeit, Neues zu probieren und bewusst Haltung zu zeigen." So könne Theater identitätsbildend für eine Stadt und eine Region wirken. Das wünsche man sich auch für Erfurt.

Guy Montavon, Generalintendant des Erfurter Theaters, spricht während der Vorstellung des Programms der Domstufen-Festspiele.
Der Schweizer Guy Montavon bei der Vorstellung des Programms der Domstufen-Festspiele 2016 Bildrechte: dpa

Hoffnung auf Änderung

Sollte Montavon noch einmal verlängert werden, wird er mehr als Vierteljahrhundert in Erfurt gewirkt haben. "Ich kann mir für unsere Stadt und auch für ihn selbst nur wünschen, dass er es wagt, einen Bruch in seiner Führung und in seiner programmatischen Haltung zuzulassen", sagte Müller-Durand bei MDR KULTUR. "Ich sehe ihn da als Transformator." Allerdings zweifeln sie und die Ständige Kulturvertretung Erfurt daran, dass Montavon dazu selbst bereit ist. Deshalb müsse sich etwas am Intendantenvertrag verändern, so die Forderung.

Ständige Kulturvertretung Erfurt Die Ständige Kulturvertretung Erfurt ist ein ehrenamtlicher Zusammenschluss von Kulturakteuren, die sich für die politische Teilhabe der freien Kulturszene am Stadtgeschehen einsetzen. Neben dem Mitspracherecht bei kulturpolitischen Entscheidungsprozessen fordern sie größere Anerkennung für die kulturellen Leistungen der Kunst- und Kulturschaffenden unserer Stadt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Juni 2020 | 10:30 Uhr