Abschlusskonzert in der Galgenbergschlucht
Eine der Spielstätten ist die Galgenbergschlucht Bildrechte: Thomas Ziegler

Barockfestival startet in Halle Das sind die Höhepunkte der Händel-Festspiele

In Halle starten am Freitag die diesjährigen Händel-Festspiele. Barockliebhaber kommen dabei wieder voll auf ihre Kosten. Von der Starsopranistin Joyce DiDonato bis zu verjazztem Händel oder Poetry Slam im Zeichen des Barockkomponisten. Damit Ihnen die Auswahl nicht so schwer fällt, hat MDR KULTUR-Musikexpertin Grit Schulze ihre persönlichen Höhepunkte zusammengestellt.

Abschlusskonzert in der Galgenbergschlucht
Eine der Spielstätten ist die Galgenbergschlucht Bildrechte: Thomas Ziegler

Internationalen Stars der Barockszene locken zu den Händel-Festspielen Musikliebhaber nach Halle. So erhält die Mezzosopranistin Joyce DiDonato den diesjährigen Händelpreis. Über 100 Veranstaltungen sind zum Teil an authentischen Orten zu erleben, wie dem Geburtshaus des Komponisten, seiner Taufkirche oder dem Dom, an dessen Orgel Händel saß.

Neben acht Opern, fünf szenische Produktionen, einer wissenschaftlichen Konferenz, gibt es auch diesmal wieder die Baroque-Lounges, zudem erstmals einen Poetry-Slam zum Thema der diesjährigen Festspiele "Fremde Welten". Es werden Brücken geschlagen zur elektronischen und zur Rockmusik sowie zum Jazz. Und auch der Dialog mit anderen Kulturen spiegelt sich in Konzerten wieder. Es geht also nicht nur um die musikalischen Migrationsbewegungen innerhalb Europas im 18. Jahrhundert, sondern auch um Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft.

Ein reichhaltiges Programm also, das sind für uns die Höhepunkte:


Festkonzert mit Joyce DiDonato:
In Krieg und Frieden - Harmonie durch Musik

Samstag, 26. Mai 19:00 Uhr | Georg-Friedrich-Händel-Halle

Joyce DiDonato
Joyce DiDonato Bildrechte: Brooke Shaden

Die amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato wird mit dem Programm "In Krieg und Frieden - Harmonie durch Musik" den Zuschauer aufwühlen, denn es geht um Kampf und Konflikt, um Verzweiflung und Triumph. Und Joyce DiDonato fasziniert nicht nur äußerlich in Roben der britischen Punkdesignerin Vivien Westwood, sie ist ein emotionaler Wirbelwind, der mit einer stupenden Technik die ganze Gefühlspalette in Töne gießen kann. An diesem Konzertabend bekommt Joyce DiDonato übrigens den Händel-Preis der Stadt Halle überreicht, vergeben durch die Stiftung Händel-Haus.

"Pleasure Gardens"

Donnerstag, 7.Juni 19:30 Uhr | St. Georgen-Kirche

Quadriga Consort
Quadriga Consort Bildrechte: Agentur

Dieses Konzert führt in die englischen Lustgärten des 18. Jahrhunderts, wo man es sich unter schattigen Bäumen mit Speis und Trank und musikalischer Unterhaltung gut gehen ließ. Auch Händel sorgte mit seiner Musik für "anständige" Unterhaltung. Die Händel-Festspiele wollen mit Veranstaltungsformaten wie diesem oder den Barock Lounges, Händels Musik in scheinbar fremden Musikwelten öffnen.

Es sind "English Songs", die das Quadriga Consort in Halle gemeinsam mit der Sängerin Ulrike Tropper aufführt. Die Künstler bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen notierter und improvisierter Musik. Gerade erst war Tropper beim jüngsten "Women in Jazz"-Festival zu erleben.

Ich bin überzeugt, dass die englischen Songs niemand besser singen kann als eine Sängerin, die sowohl klassischen Gesang, als auch Songs und Jazzgesang zu interpretieren versteht.

Clemens Birnbaum, Intendant der  Händel-Festspiele

Festkonzert mit Magdalena Kožená

Donnerstag, 31. Mai 19.30 Uhr | Konzerthalle Ulrichskirche

Magdalena Kožená
Magdalena Kožená Bildrechte: Oleg Rostovtcev

Die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená überzeugt mit einer Intelligenz des Herzens. Dies macht sie zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit. Ihr warmes, dunkles Timbre berührt den Hörer und versetzt ihn in Schwebezustände.

Gemeinsam mit dem Barockorchester Basel bringt die Händelpreisträgerin Magdalena Kožená Arien aus Händels umfangreichem Opernschaffen. Die Leitung hat Andrea Marcon, ein Klangmagier, der für lebendige und virtuose Umsetzung steht.

Jazziah - Händels Messiah reloaded

Samstag, 2. Juni 16:00 Uhr | Steintor Halle

Gianluigi Trovesi
Gianluigi Trovesi Bildrechte: Roberto Cifarelli

Wie der Titel vermuten lässt, begegnen sich im "Jazziah" von Attilio Cremonesi zwei verschiedene musikalische Welten: die barocke Musik von Händels "Messiah" und die unterschiedlichen Stilrichtungen des Jazz. Doch so weit entfernt sind beide wiederum gar nicht. Sie leben jeweils von der Improvisation. Auch der Generalbass der Musik des 18. Jahrhunderts wurde nie detailliert notiert, sondern musste von den Musikern improvisiert werden. Im Konzert erklingen originale Abschnitte, die von Jazzmusikern, wie Gianluigi Trovesi, aufgegriffen und verändert werden.

Festkonzert mit Julia Lezhneva

Mittwoch, 6. Juni 19:30 Uhr | Konzerthalle Ulrichskirche

Julia Lezhneva
Julia Lezhneva Bildrechte: Simon Fowler

Ihre Natürlichkeit und Frische, dazu ihre betörend klare Stimme und Virtuosität hat die 1989 geborene Julia Lezhneva schon mit allen führenden Barockspezialisten zusammengebracht. Erstmals hörte sie in der Schule eine Schallplatte mit Barockmusik, seitdem war ihr Wunsch klar: die zierlich wirkende Julia Lezhneva wollte nur noch diese Musik singen. Mit 14 wurde sie am Moskauer Konservatorium genommen, im Alter von 22 Jahren erlebte sie bei den Salzburger Festspielen unter Marc Minkowski ihren internationalen Durchbruch.

In Halle konnte man die Schönheit ihrer Stimme schon in den vergangenen Jahren erleben. Diesmal begleitet die junge Russin das Originalklangensemble La Voce Strumentale aus Moskau unter Leitung von Dmitry Sinkovsky, der als Geiger, Dirigent und Countertenor gleichermaßen erfolgreich ist.

Händels "Rinaldo"  in konzertanter Aufführung

Sonntag, 3. Juni 18:00 Uhr | Georg-Friedrich-Händel-Halle

Rinaldo Xavier Sabata
Xavier Sabata Bildrechte: Michal Novak

Mit "Rinaldo" schrieb Händel seine erste Oper für London und versetzte das Publikum nicht nur durch musikalische Pracht in Verzückung. Auch auf der Bühne ließ er sich jede Menge einfallen. So wurden während der idyllischen Gartenszene Singvögel freigelassen, die zu den lieblichen Arien tirilierten. Auch kamen Feuer speiende Drachen und allerhand Pyrotechnik zum Einsatz und bescherten der Oper einen Wahnsinnserfolg. Händel zeigt sich hier wiederholt als das Genie, das gegensätzliche Emotionen miteinander konfrontiert und sein Publikum damit zu Tränen rührt.

Für die Partien der Oper "Rinaldo" konnte in Halle die erste Garde an Sängern verpflichtet werden: so Sandrine Piau als Almirena und Xavier Sabata als Rinaldo. Unter der einfühlsamen Leitung des französischen Dirigenten Christophe Rousset musizieren die exzellenten Musiker des Kammerorchesters Basel.

"Arianna in Creta" mit Il pomo d'oro

Samstag, 9. Juni 19:00 Uhr | Konzerthalle Ulrichskirche

Il Pomo d'Oro
Il pomo d'oro Bildrechte: Julien Mignot

Die Oper "Arianna in Creta" gehört noch immer zu den seltener gespielten Werken Händels. Sie entführt in eine Welt von Grausamkeit, der Sehnsucht und Hingabe, der Lüge und der Verzweiflung. Und auch hier kommt Händels ausgeprägtes Gespür für Dramatik, Personenführung und der effiziente Einsatz musikalischer Formen und Strukturen besonders zur Geltung.

Das gefeierte Ensemble Il pomo d'oro scheint sich in Halle sehr wohl zu fühlen. Sie sind wiederholt zu Gast bei den Händel-Festspielen und bei dieser Ausgabe gleich mehrfach in Halle zu erleben. Dabei gibt es das Ensemble erst seit 2012! Die Liste, mit denen sie schon gemeinsam aufgetreten sind, ist lang und liest sich wie das Who's Who der Barocksänger. Il pomo d'oro überzeugen immer mit Dynamik und Spielfreude, mit einem luftigen und geschmeidigen Klang. Bei den Solisten haben sich Stars der internationalen Opernszene in dieser Aufführung zusammengefunden.

"Muzio Scevola" im Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Freitag-Sonntag, 8.-10. Juni jeweils 19:00 Uhr | Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Außenansicht des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt.
Goethe-Theater Bad Lauchstädt Bildrechte: MDR/Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Händel hatte nicht nur mit den Launen seiner Sänger zu kämpfen, sondern auch mit Rivalitäten unter den Zuschauern und Komponisten. So nahm das Publikum Partei für den einen oder anderen und trug die Gefechte lautstark aus, beispielsweise zwischen Händel und Bononcini.

Um diese Rivalitäten zu einer Art Wettbewerb anzuheizen, brachte das King's Theatre ein merkwürdiges Stück heraus: drei Komponisten teilten sich die Arbeit. Der 1. Akt stammt von Filippo Amadei, der 2. Akt von Giovanni Bononcini und der 3. Akt von Georg Friedrich Händel. Die erste szenische Aufführung seit der Uraufführungsserie 1721 wird nun bei den Händel-Festspielen gezeigt.

Abschlusskonzert mit Feuerwerk

Sonntag, 10.Juni 21.00 Uhr | Galgenbergschlucht (Open-Air)

Das Abschlusskonzert der Händel-Festspiele greift das Thema "Fremde Welten" auf und macht Lust auf eine Reise mit beliebten Stücken zwischen Orient und Okzident. Den Ausklang bietet Händels "Feuerwerksmusik" mit einem spektakulären Feuerwerk.

Abschlusskonzert
Das Abschlusskonzert findet traditionell mit Feuerwerk statt. Bildrechte: Thomas Ziegler

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 25.05.2018 | 18:05-19:00 Uhr

Geplante Themen:

● "Parnasso in Festa" im Goethe-Theater Bad Lauchstädt
● Händelpreis geht an Joyce DiDonato
● "Fremde Welten" - das Thema der Händelfestspiele

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 01:00 Uhr