Der deutsche ARD-Journalist und Doping-Experte Hajo Seppelt kommt zu einer Sitzung des IOC-Exekutivkomitees.
Hajo Seppelt deckte 2014 den Dopingskandal im russischen Sport auf. Infolge seiner Recherchen wurde das Russische Olympische Komitee von den Winterspielen in Pyeongchang ausgeschlossen. Bildrechte: dpa

Nach Absage von Russland-Reise Hajo Seppelt: "Ein fatales Signal für die Pressefreiheit"

Der deutsche ARD-Journalist und Doping-Experte Hajo Seppelt kommt zu einer Sitzung des IOC-Exekutivkomitees.
Hajo Seppelt deckte 2014 den Dopingskandal im russischen Sport auf. Infolge seiner Recherchen wurde das Russische Olympische Komitee von den Winterspielen in Pyeongchang ausgeschlossen. Bildrechte: dpa

Der Dopingexperte Hajo Seppelt sieht die Entscheidung der ARD, ihn aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht zur Berichterstattung nach Russland zu reisen, kritisch. Er trage die Entscheidung mit, erklärte Seppelt im Gespräch bei MDR KULTUR. Gleichzeitig setze sie ein fatales Signal für die Pressefreiheit in Russland.

Das Signal heißt: Wer nicht nur über den grünen Rasen berichtet und über Fußballspiele, der hat es möglicherweise schwer oder ist Risiken ausgesetzt.

Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte

Seppelt verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die zahlreichen Journalisten, die sich nicht nur zur Weltmeisterschaft in Russland aufhielten, sondern auch davor und danach dort lebten.

Wir wissen ja inzwischen, was so manchem Journalisten in Russland geblüht hat, der sich kritisch mit seinem Land auseinandergesetzt hat – manche haben mit dem Leben bezahlen müssen.

Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte

Ruf nach Konsequenzen

Auch bei Journalistenorganisationen sorgte die Reiseabsage für Kritik. Der Deutsche Journalistenverband rief die FIFA auf, Konsequenzen zu ziehen. Der Weltfußballverband müsse dafür sorgen, dass Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit hätten, frei und ungehindert über die Spiele, aber auch über Land und Leute berichten zu können, erklärt der Bundesvorsitzende Frank Überall. Das gelte nicht nur für Russland, sondern auch für künftige Austragungsländer der Weltmeisterschaft.  

Auch DFB sollte reagieren

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" bezeichnete den Fall Seppelt als "Bankrotterklärung für die Fifa-Vergabekriterien". Dass ein profilierter Journalist wie Hajo Seppelt aus Sorge um seine Sicherheit nicht zur WM reisen könne, sei ein Einschnitt in der WM-Geschichte, sagte Geschäftsführer Christian Mihr am Donnerstag in Berlin.

Die Verpflichtung der russischen Regierung, die Pressefreiheit zu achten, ist ein leeres Versprechen gewesen. Der Deutsche Fußball-Bund muss sich nun öffentlich dafür einsetzen, dass Journalisten ungehindert aus dem Gastgeberland berichten können.

Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen

Im Mai war Seppelt von den russischen Behörden zunächst eine Einreisegenehmigung verweigert worden mit dem Hinweis, der Sportreporter stehe in Russland auf einer Liste "unerwünschter Personen". Nachdem zahlreiche Politiker, darunter Kanzlerin Merkel, die Einreise für Seppelt gefordert hatten, bestätigte das Auswärtige Amt, dass dieser doch ein WM-Visum erhalte. Am Mittwoch entschied die ARD dennoch, Seppelt nicht fahren zu lassen. Verschiedene Sicherheitsbehörden hätten Bedenken angemeldet, lautete die Begründung für den Schritt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Juni 2018 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 14:40 Uhr