Gespräch mit Cornelia Zimmermann Jüdisches Leben in Halle: "Das Gemeinsame stärken"

Die Historikerin Cornelia Zimmermann ist Vorsitzende des Freundeskreises Leopold-Zunz-Zentrum Halle, das im Oktober die Jüdischen Kulturtage organisiert. Nach dem versuchten Attentat auf die Synagoge am 9. Oktober einmal mehr ein klares Bekenntnis zu jüdischem Leben in der Saale-Stadt.

Cornelia Zimmermann,  Historikerin, Vorsitzende des Leopold-Zunz-Zentrums Halle Organisation der 7. Jüdischen Kulturtage Halle   Stellvertretende Direktorin/Kuratorin Stadtmuseum Halle
Cornelia Zimmermann, Historikerin, Vorsitzende des Leopold-Zunz-Zentrums Halle Bildrechte: MDR / Joachim Blobel

"Das Gemeinsame stärken" – diesen Fokus setzen die Veranstalter der jüdischen Kulturtage in Halle bereits seit sieben Jahren und es sei auch in diesem Jahr das Anliegen, sagt Cornelia Zimmermann, die Vorsitzende des Freundeskreises Leopold-Zunz-Zentrum e.V. bei MDR KULTUR. Sie organisiert die Kulturtage zusammen mit einem kleinen Team.

Zimmermann erzählt von den Überlegungen, die direkt nach dem versuchten Attentat auf die Synagoge in Halle stattgefunden haben. Die Programmhefte seien gerade frisch gedruckt gewesen und es kamen die ersten Nachfragen, welche Auswirkungen die Geschehnisse auf die Veranstaltung haben könnten. Die jüdische Gemeinde Halles ist im Vorstand des Vereins vertreten und schnell sei klar gewesen, dass man sich nicht zurückdrängen lassen dürfe und die Veranstaltung wie gewohnt stattfinden müsse. Das wurde auch im Gespräch mit Max Schwab deutlich, sagt Zimmermann. Auch der 87-Jährige, in Halle lebende Holocaust-Überlebende habe sich nach den aufwühlenden Eindrücken des Tages noch dafür ausgesprochen, bei den Kulturtagen mitzuwirken.

Offenheit und Zusammengehörigkeit

Das Sicherheitskonzept der Veranstaltung sei nach den Ereignissen überarbeitet worden. Zimmermann betont, dass die Kulturtage aber so offen wie möglich sein sollen. Auch die zwei offenen Schabbat-Abende in der Synagoge werden wie geplant angeboten. Insofern wollen die jüdischen Kulturtage seit vielen Jahren das erreichen, was auch das Solidaritätskonzert #HalleZusammen zum Ziel hatte: Menschen zusammenbringen. Zimmermann sagt: "Für die jungen Leute, denke ich, war es wichtig, so eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren. Und für uns war es wichtig, dass wir den Inhalt der jüdischen Kulturtage – das gemeinsame kulturelle Erlebnis, das sich kennenlernen – dort mit den Menschen besprechen konnten."

So sei es Anliegen des Programms der 7. jüdischen Kulturtage, "dass man durch das Kennenlernen merkt: Man hat eine gemeinsame Geschichte, es gibt in der Sprache Verbindungen", meint die Vorsitzende. Unter dem Titel "Das Judentum in der Moderne" bieten die Kulturtage bis zum 29. November Einblicke in jüdisches Leben und Traditionen und fordern zum Mitmachen auf. Geboten werden rund 40 Veranstaltungen, darunter etwa Workshops für Kinder und Jugendliche, Konzerte mit moderner jüdischer Musik oder der Besuch der Synagoge.

Trotz einer über tausendjährigen Geschichte des jüdischen Lebens in Halle wisse man noch immer zu wenig voneinander, sagt die Historikerin. Zimmermann spricht von tradierten Vorurteilen, auch weil die religiöse Bildung in der DDR zurückgedrängt gewesen sei. Dabei sei es wichtiger denn je und sie glaube daran, dass man viel erreichen kann, wenn man gut miteinander umgeht: "Wir müssen jungen Menschen deutlich machen, wie wichtig es ist, unsere Demokratie zu stärken."

Sie liebt Herausforderungen

Cornelia Zimmermann wurde in Eisenach geboren und lebt seit mehr als 30 Jahren in Halle. Die Historikern arbeitet als stellvertretende Direktorin und Ausstellungskuratorin beim Stadtmuseum Halle. "Ich liebe die Herausforderung" sagt sie über all ihr Arbeit, sei es für den Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V oder Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Halle. Seit 2013 ist sie Vorsitzende des Freundeskreises Leopold Zunz Zentrum e.V. zur Erforschung des europäischen Judentums, der seit 2013 die Jüdischen Kulturtage in Sachsen-Anhalt ausrichtet.

Cornelia Zimmermann,  Historikerin, Vorsitzende des Leopold-Zunz-Zentrums Halle Organisation der 7. Jüdischen Kulturtage Halle   Stellvertretende Direktorin/Kuratorin Stadtmuseum Halle 35 min
Bildrechte: MDR / Joachim Blobel

MDR KULTUR - Das Radio Sa 26.10.2019 11:05Uhr 35:28 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Cornelia Zimmermann,  Historikerin, Vorsitzende des Leopold-Zunz-Zentrums Halle Organisation der 7. Jüdischen Kulturtage Halle   Stellvertretende Direktorin/Kuratorin Stadtmuseum Halle 35 min
Bildrechte: MDR / Joachim Blobel

MDR KULTUR - Das Radio Sa 26.10.2019 11:05Uhr 35:28 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Das Leopold-Zunz-Zentrum e.V. Das Leopold-Zunz-Zentrum wurde 1998 von der Stiftung LEUCOREA in Wittenberg gegründet. Nach enger Zusammenarbeit mit dem Seminar für Judaistik/Jüdische Studien an der Martin-Luther Universität zu Halle wurde das Leopold-Zunz-Zentrum 2007 von der Universität übernommen und entwickelte sich zum Forschungszentrum des Seminars für Judaistik. Leopold Zunz gehörte als wichtigster Repräsentant des deutschen Judentums zu den Mitbegründern der "Wissenschaft des Judentums" im 19. Jahrhundert.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Oktober 2019 | 11:05 Uhr

Abonnieren