Preisgekrönt Mit handverlesenem Programm: Das Luchskino in Halle

Auf der Filmkunstmesse in Leipzig bekommt das hallesche Luchskino erneut den Preis für das beste Jahresprogramm. Doch in diesem Jahr läuft es auch in dem gut besuchten Haus am Hintereingang des Berg-Zoos eher schleppend, nachdem das Kino für zwei Monate geschlossen war. Der Preis macht nun Hoffnung auf das Überleben des Kinos, das vor allem durch das Herz eines besonderen Cineasten lebt.

Regisseurin Anne Zohra Berrached am Sonntag zur Vorpremiere ihres preisgekrönten Films 24 Wochen im Luchskino. 4 min
Bildrechte: imago/VIADATA

Fast hätte Wolfgang Burkart den Interviewtermin doch vergessen, obwohl kurz zuvor noch daran gedacht hatte. Schließlich kommt der Hallenser Kinobetreiber über die lange Holztreppe herunter, setzt sich und ist dann einfach da. Er ist einer, der immer wieder überrascht, dessen Antworten immer andere sind, als man erwartet hätte.

Mit Preisen überhäuft

Es ist ein Jubiläumsjahr für das Luchskino: Seit 20 Jahren werden hier Filme gezeigt und bisher verging kein Jahr, ohne dass Wolfgang Burkart, früher noch zusammen mit seinem Partner, einen Kinopreis einheimste. "Also ich habe mich schon gewundert, dass wir da oben stehen", erzählt Burkart. Zu einer anderen Saison sagt er allerdings: "Ich dachte, da stimmt etwas nicht. Wir hatten keinen Dokumentarfilm-Preis bekommen, obwohl wir in dem Jahr die meisten Dokumentarfilme gezeigt haben. Aber ich bin immer sehr froh und überrascht."

Wolfgang Burkart
Kinobetreiber Wolfgang Burkart Bildrechte: Luchskino

Mit seiner Ruhe und Ernsthaftigkeit stellt Wolfgang Burkart ein Kinoprogramm auf die Beine, das mittlerweile in ganz Deutschland bekannt ist. "Drehort Mitteldeutschland" ist einer der Schwerpunkte. So wurde die neue Saison, kurz nach dem Lockdown, mit der Premiere des Schwarz-Weiß-Films "Der Geburtstag" eröffnet, der in Halle gedreht wurde. Auf dem Programm stehen auch oft Kurzfilme und es gibt die französischen Filmtage. Das Luchskino bietet vor allem Projekte: Zum Beispiel drehten Kinder selbst Filme über Umweltschutz oder Suchtprävention. Sein schönstes Kino-Erlebnis hatte Burkart bei einer anderen Veranstaltung mit Kindern, in der sie zusammen Kurzfilme schauten und anschließend über die Videos redeten. "Ein Mädchen kam ganz abgehetzt zurück und sagte: 'Ich bin zurückgerannt und ich wollte noch sagen: Du bist der beste Kinomann!'", erzählt der Kino-Betreiber.

Kinoplakat an Gebäude mit Treppe, Bäume
Blick auf das Luchskino beim Berg-Zoo Bildrechte: Luchskino

Mittlerweile kommen auch große Stars ins Kino nahe des Hallenser Zoos. "Maximilian Schell war wirklich etwas ganz Großes", erinnert sich Burkart. Trotzdem stand der Besuch des Oscar-prämierten und 2014 verstorbenen Schauspielers nicht im Programm. Denn Schell hatte sich kurzfristig angekündigt und "wir sind ja noch so ein Dinosaurier und machen ein Monatsprogramm", meint der Kinomensch. Die Vorstellung war dennoch ausverkauft. Burkart zählt noch weitere Namen auf wie Benno Fürmann oder Katharina Thalbach.

Handverlesenes Programm

Wolfgang Burkart geht es weniger um Inhalte als vielmehr um Formate. Er sucht sich bemerkenswerte Filme aus, bei denen zum Beispiel ein schlechtes Drehbuch durch gute Schauspieler gerettet oder mit Schnitten experimentiert wurde. Es muss etwas nie zuvor Gesehenes sein. Filme wie "Der Geburtstag", ein Schwarz-Weiß-Genre-Mix aus Familiendrama und Film noir, gehört sicher dazu. Am Ende ist es aber das Geschick, eine Mischung aus ungewöhnlichen Filmen und Besuchermagneten anzubieten. Mit den strikten Vorgaben der großen Kinoverleiher ist das ein schwieriger Balanceakt.

Das Geheimnis seines Erfolges will der Cineast gar nicht unbedingt begründen. Stattdessen schwirren ihm schon die nächsten Projekte durch den Kopf. "Demnächst müssen wir mal gucken, ob wir die Reihe mit den Konzert-Filmen noch ausbauen. Vielleicht gehe ich auch mal das Thema Eventkino an, bei dem zum Beispiel etwas aus Salzburg übertragen wird. Da muss man aber viel technischen Aufwand investieren. Aber klassische Musik läuft hier gut. Der Dokumentarfilm über Anton Bruckner war zum Beispiel sehr gut besucht", sinniert der Kinobetreiber. Wolfgang Burkarts Kino bereichert die Kinolandschaft Mitteldeutschlands und darüber hinaus.

Wolfgang Burkart und Dr. Markus Görsch
Markus Görsch von der Medienförderung Mitteldeutschland überreicht Wolfgang Burkart den Preis für das beste Jahresprogramm. Bildrechte: Tom Schulze

Das Preisgeld kann sein Kino natürlich gut gebrauchen. Denn was den Kinobetreiber im Moment am meisten beschäftigt ist das Coronavirus und die zahlreichen damit einhergehenden Vorschriften. Von den Kinoschließungen habe er erst aus der Presse erfahren, erzählt Burkart. Zwei Monate später konnte das Luchskino alle Auflagen erfüllen und war eines der ersten Kinos, das wieder Filme vorführte. Doch damit ist die Krise nicht vorbei: Wenn das so weitergehe, sagt Wolfgang Burkart sorgenvoll, komme auch sein Kino nur noch bis zum Ende des Jahres durch. "Leute, geht wieder ins Kino!" – das ist seine Botschaft in dieser sonderbaren Zeit.

Kino bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. September 2020 | 06:15 Uhr