Bühnenstreit Nach Personaldebatte: Intendant Lutz verlässt Oper Halle vorzeitig

Florian Lutz, Operndirektor, Intendant, Oper Halle 6 min
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Der Intendant Florian Lutz wird die Oper Halle am 31. Juli verlassen. Wie die Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) am Dienstag mitteilte, wurde der Vertrag einvernehmlich aufgelöst. Bereits im Februar 2019 beschloss der Aufsichtsrat, Lutz nicht über die Spielzeit 2020/21 hinaus zu verlängern. Nun zieht der Regisseur schon früher einen Schlussstrich.

Fünf Männer vor dem Opernhaus Halle
Das Leitungsteam der Bühnen Halle beim Antritt 2016: (von li nach re) Generalmusikdirektor Josep Caballe Domenech, Regisseur Michael v. zur Mühlen, dem Intendanten der Oper Halle, Florian Lutz, dem Geschäftsführer der halleschen Theater GmbH, Stefan Rosinski und dem Regisseur Veit Güssow Bildrechte: dpa

Der Hallesche Bühnenstreit

Der Entscheidung des Aufsichtsrates ging eine öffentliche Personaldebatte voraus, die auch bundesweit für Aufsehen sorgte – der Theaterstreit in Halle: Dem Geschäftsführer der städtischen Bühnen, Stefan Rosinski wurden mehrfach Vorwürfe gemacht. Sowohl Florian Lutz als auch Schauspielerintendant Matthias Brenner sprachen bei mehreren Gelegenheit von einem Vertrauensverlust und einem Klima der Zwietracht. So soll Rosinski ohne weitere Absprachen in Personalfragen und über Pressekontakte entschieden haben.

Stefan Rosinski, 2009
Stefan Rosinski, Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle Bildrechte: imago/DRAMA-Berlin.de

Florian Lutz, der als ein Erneuerer des Musiktheaters gilt, wurde zur Spielzeit 2016/17 an die Oper Halle berufen, mit dem Auftrag die Oper neu zu beleben und für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Dieses Ziel setzte der Regisseur radikal um, indem er zahlreiche Neukompositionen in Auftrag gab und entwickelte gemeinsam mit Bühnenbildner Sebastian Hannak das Konzept einer spartenübergreifenden Raumbühne. Der Erfolg ließ sich messen: Die Opernlandschaft blickte nach Sachsen-Anhalt und pries die Oper Halle als "außergewöhnlichen Leuchtturm der Mitteldeutschen Kulturlandschaft mit bemerkenswerter deutschlandweiter Stahlkraft", das Haus erhielt unter anderem den Theaterpreis Der Faust und auch das Publikum wurde jünger.

Dennoch gab es immer wieder Streitpunkte mit der Geschäftsführung der TOOH: Die Auslastung war geringer, was auf einen zu radikalen Kurs zurückgeführt wurde. Vor allem aus den Reihen der Staatskapelle wurde immer wieder Kritik an den Aufsichtsrat herangetragen: Die Musik würde bei dem künstlerischen Konzept von Lutz nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Orchestervorstand sprach sich gegen eine Vertragsverlängerung aus. Auch Ariane Matiakh, damals designierte Generalmusikdirektorin der Oper Halle, drückte ihre Sorge über die Zukunft ihrer Arbeitsstätte aus: "Die Konflikte innerhalb der Hausleitung (sind) schon viel zu lange viel zu weit gegangen." Dabei kritisierte ebenfalls die künstlerische Vision der Halleschen Opernleitung. Die Dirigentin kündigte ihren Vertrag im Januar 2020 nach wenigen Monaten auf.

Wie weiter an der Oper Halle?

Walter Sutcliffe
Regisseur Walter Sutcliffe soll neuer Opernintendant in Halle werden. Bildrechte: Wolfgang Runkel

Darüber hinaus sind keine genauen Gründe für die vorzeitige Beendigung des Vertrages bekannt. Ab der Spielzeit 2021/22 wird Florian Lutz Intendant des Staatstheaters Kassel, wo er sich gegen 40 Mitbewerber durchsetzte. Als neuer Opernintendant in Halle wurde der britische Regisseur Walter Sutcliffe ausgewählt, der den Posten allerdings ebenfalls erst zur übernächsten Spielzeit übernehmen soll. Wer in der Zwischenzeit die Leitung an der Oper Halle übernehmen wird und ob es noch weitere personelle Veränderungen geben wird, ist bisher nicht bekannt.

Bühnenstreit in Halle