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InterviewMord bei Halle: Darum setzt der neue ARD Radio Tatort "Ramsch" auf Humor

Stand: 12. August 2022, 13:45 Uhr

Krimis und True-Crime-Geschichten erleben derzeit einen regelrechten Boom – auch der ARD Radio Tatort erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Die neue Folge "Ramsch" feiert beim Hörspielsommer in Weimar am 11. August Premiere. Das Hörspiel dreht sich um den Mord an einer jungen Mutter im Raum Halle und vereint Spannung mit Sozialkritik – warum es trotzdem was zu lachen gibt und was an Krimis so reizvoll ist, verrät der Hallesche Autor des Stücks Dirk Laucke im Gespräch bei MDR KULTUR.

MDR KULTUR: Sie selbst kommen aus Halle und haben ihre Radio-Tatort-Geschichte "Ramsch" auch hier in der Gegend verortet. Wieso reizt Sie dieser Mix aus Humor und Lokalkolorit, die Sprache und die Mentalität der Gegend?

Dirk Laucke: Naja, ich glaube, das ist das, womit man groß geworden ist. So ein Sound und Sprachduktus, der dann auch die Mentalität von den Leuten prägt. Das ist das eine. Andererseits fand ich das natürlich auch eine spitzenmäßige Herausforderung, als der MDR mich gefragt hat, ob ich ein neues Ermittler*innen-Team entwerfen kann. Das macht ja jeder Sender für sich, quasi für jede Region. Und dann ist es ein guter Sport, der Region irgendwie gerecht zu werden. Oder halt meinen Blick darauf zu liefern.

Wie kommen Sie auf Ihre Geschichten? Interessieren Sie sich auch privat für reale Kriminalfälle oder folgen Sie Ihrer Intuition und konstruieren sie die Geschichte komplett aus den Gesetzen des Genres?

Bei meinen Geschichten ist, weil es immer mit einem Augenzwinkern passiert und auch mit einer ordentlichen Portion Humor, nicht der Kriminalfall an sich im Vordergrund, sondern tatsächlich sind das Dinge, die mir unter den Nägeln brennen oder die zum Beispiel auch in der Region verankert sind.

Bei meinen Geschichten ist nicht der Kriminalfall an sich im Vordergrund, sondern Dinge, die mir unter den Nägeln brennen oder die in der Region verankert sind.

Dirk Laucke, Autor des Radio Tatorts

In der ersten Episode ging es um rechte Polizeibeamte. In der letzten Folge ging es bei "Schlachten und Zerlegen" um die Fleischindustrie. Man denkt immer bloß an Nordrhein-Westfalen, wo die Fleischindustrie situiert ist, weil es in den Medien so häufig vorkommt – aber natürlich gibt es auch in Weißenfels ein großes Werk, und es gibt die Halberstädter Wurst und so weiter. Da lässt sich natürlich ziemlich viel finden, was Kriminalität angeht. Ob Menschenschmuggel, Schwarzarbeit und so weiter. Da findet man schon einiges.

Lassen Sie uns auf den aktuellen Radio-Tatort eingehen. Auf dem Recyclinghof wird die Leiche einer jungen Mutter gefunden, einer jungen Frau mit Drogenvergangenheit. Ist das wieder eine Geschichte, die sich mit den sogenannten Rändern der Gesellschaft auseinandersetzt?

Besser gesagt, die Geschichte setzt sich mit der Gesellschaft auseinander, die die Ränder erschafft oder die Menschen an die Ränder drängt. Man muss dazu sagen, dass diese junge Frau mit der Drogenvergangenheit aktuell nicht mehr in der Drogensucht steckt, sondern die aufgrund dieser Biografie an den Rand der Gesellschaft gedrängt ist.

Sie ist mit einem Freund zusammen, der sich alle Mühe gibt, dem System gerecht zu werden, und da mal wieder an die Grenzen stößt und immer wieder vor Anträgen steht und vor so einer herablassenden Mentalität in den Behörden. Von daher geht es eher darum, wie Menschen an die Ränder geraten.

Worum es in dem ARD Radio Tatort "Ramsch" geht

Als auf dem Lörbener Recyclinghof die Leiche von Kathrin Fräse, einer jungen Mutter mit Drogenvergangenheit, gefunden wird, erkundigt sich Polizeimeisterin Nancy Ritter gleich bei ihrem Bruder Tommi - kennt der sympathische Chaot die Tote? Und mehr noch: Was weiß Tommi über Aaron Pfeiffer, den Partner des Mordopfers?

Als Aaron abhaut, um dem Jugendamt zuvorzu kommen, welches ihm die Kinder entziehen will, wird dies von den Ermittler*innen als Indiz für Aarons Täterschaft gedeutet. Dabei führen die Spuren nicht nur ins Drogenmilieu, sondern auch in das Berufsförderungswerk Integra, in dem das Mordopfer den "beruflichen Wiedereinstieg" trainierte.

Und was verbergen Tommi und Steffi, die Fräses älteste Tochter sogar vor Nancy verstecken?

Maike Knirsch und Matthias Reichwald haben Sprechrollen beim ARD Radio Tatort "Ramsch" übernommen. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Haben Sie eigentlich Ihre eigene Theorie, warum Krimis in den letzten Jahren so erfolgreich sind und es einen Podcast-Boom mit True-Crime-Geschichten gibt? Was glauben Sie, was Krimis heute so reizvoll für viele Menschen macht?

Ich glaube, Menschen suchen irgendwo das Risiko oder wollen herausfinden, womit sie aus ihrem doch eher regulierten Alltag ausbrechen oder herausfallen könnten. Und das kann ja jederzeit passieren, mit Gewalt zum Beispiel oder mit Betrug, dass plötzlich das Leben von einem Moment auf den nächsten Kopf steht. Beim Hören macht man ja auch ein bisschen das Spiel mit dem Feuer mit. Ich glaube, das ist ganz blöd gesagt, so eine kleine Suche nach dem Abenteuer.

Angaben zur Veranstaltung

Pre-Listening des ARD Radio Tatorts "Ramsch"

Was?
Hörspielvorführung und Gespräch mit dem Autor Dirk Laucke
Moderation: Mareike Wiemann (MDR KULTUR)

Wann?
11. August, 20 Uhr

Wo?
Hörspielsommer der Kulturstiftung Weimar
Sprachlabor
Burgplatz 4
99423 Weimar

Das Interview führte für MDR KULTUR Moderator Casten Tesch / Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 05. August 2022 | 18:00 Uhr