Hans Bartosch
Hans Bartosch arbeitet seit 20 Jahren als Seelsorger. Bildrechte: Mareike Wiemann

Buch "Was noch erzählt werden muss" Hospiz-Seelsorger veröffentlicht Buch mit Lebensgeschichten

Als Hospiz-Seelsorger bei den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg werden Hans Bartosch täglich Dutzende Lebensgeschichten anvertraut. Unter Wahrung der Anonymität hat er sie aufgeschrieben und in seinem Buch "Was noch erzählt werden muss. Zeitgeschichte am Krankenbett" veröffentlicht. Damit schafftt er Zeugnisse der Zeitgeschichte.

Hans Bartosch
Hans Bartosch arbeitet seit 20 Jahren als Seelsorger. Bildrechte: Mareike Wiemann
Hans Bartosch 42 min
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MDR KULTUR - Das Radio Sa 11.08.2018 11:05Uhr 42:12 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Was noch erzählt werden muss von Hans Bartosch - Buchcover
"Was noch erzählt werden muss. Zeitgeschichte am Krankenbett" von Hans Bartosch, erschienen im Info-3-Verlag, Taschenbuch, 212 Seiten, 18 Euro. Bildrechte: Info 3 Verlag

Krankenhäuser sind heutzutage ein durchorganisierter, auf Effizienz getrimmter Massenbetrieb. Gleichzeitig sind sie auch Orte, an denen Menschen zu sich und ihrer Geschichte finden, oft in ihren letzten Lebensmonaten. Hans Bartosch bekommt dies jeden Tag immer wieder zu spüren, wenn er als Seelsorger der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg die Patienten des Palliativ- und Hospizzentrums aufsucht.

Seit 1998 arbeitet Bartosch als Seelsorger, seit 2012 schreibt er immer wieder Geschichten auf, die ihm begegnen. Anonymisiert und verfremdet natürlich, denn das Seelsorgegeheimnis ist bei seiner Arbeit unerlässlich. Vor kurzem ist eine Auswahl nun in einem Erzählband mit dem Titel "Was noch erzählt werden muss. Zeitgeschichte am Krankenbett" im Info-3-Verlag erschienen. Die Geschichten darin handeln von Erlebnissen der Kriegsgeneration und der Nachkriegsgeneration, von der Flucht aus der Heimat beispielsweise.

Viele dieser Geschichten sind jahrzehntelang nicht erzählt worden. Bis in die 90er Jahre waren sie fast tabu, im Osten wie im Westen. Jetzt kommen sie endlich an die Öffentlichkeit.

Hans Bartosch

Der Seelsorger denkt, dass das Erzählen hier auch einen therapeutischen Effekt habe. Die Seele gehe auf Reise über die innere Landkarte, viele Kreise schlössen sich durch das Erinnern. Beeindruckend für Bartosch ist dabei immer wieder, wie präzise kleinste Details und Sinneseindrücke wiedergegeben werden: Die Menschen erzählen, wie das Essen geschmeckt hat, wo die Hafersäcke hingen. Gleichzeitig gehe es aber auch um große Geschichten von Schuld und Verstrickung.

Viele Erinnerungen an 1989

Auch die Wendezeit spielt in Bartoschs Buch eine große Rolle. Hier hat der Seelsorger, der 1962 in Duisburg geboren wurde, über die Jahre selbst viel dazu gelernt.

Was das gekostet hat an Energie, an Mühe für jeden einzelnen. Auf die Nase fallen und wieder aufstehen, und noch mal auf die Nase fallen, wieder aufstehen. Ich habe einen Heidenrespekt davor.

Bartoschs Aufgabe ist es, zuzuhören. Etwas, das in unserer Gesellschaft sehr unterschätzt werde, seiner Meinung nach fehlt es an Kulturen des Hörens. Es gebe ein großes Bedürfnis, zu erzählen – hier müssten Kirche und andere gesellschaftliche Akteure mehr reagieren, so der Seelsorger.

Angaben zum Buch: "Was noch erzählt werden muss. Zeitgeschichte am Krankenbett" von Hans Bartosch, erschienen im Info-3-Verlag, Taschenbuch, 212 Seiten, 18 Euro.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft - Menschen von hier | 11. August 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2018, 12:00 Uhr

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