Harald Welzer, Soziologe, sitzt während der Bundespressekonferenz in Berlin an einem Tisch und schaut lächelnd auf etwas.
Harald Welzer Bildrechte: imago/Metodi Popow

Gesellschaft der Zukunft Harald Welzer: Macht Schluss mit der Überhöhung von Arbeit!

Der Soziologe und Publizist Harald Welzer hat sich gegen eine Überhöhung der Arbeit ausgesprochen. Arbeit im klassischen Sinn - insbesondere schlechte oder entfremdete Arbeit - sei nicht sinnstiftend, auch wenn es gesellschaftlich und kulturell so tradiert sei, sagte Welzer im Gespräch mit Carsten Tesch.

Harald Welzer, Soziologe, sitzt während der Bundespressekonferenz in Berlin an einem Tisch und schaut lächelnd auf etwas.
Harald Welzer Bildrechte: imago/Metodi Popow

Der Publizist Harald Welzer hat sich dagegen ausgesprochen, den Wert von Arbeit zu überhöhen. Arbeit im klassischen Sinn - insbesondere schlechte oder entfremdete Arbeit - sei nicht sinnstiftend, sagte Welzer MDR KULTUR, auch wenn es gesellschaftlich so tradiert sei. Das habe er in seinem früheren Leben als Paketfahrer erfahren: "Es ist mir bitterlich in Erinnerung geblieben, wie übel das war, im Winter um vier Uhr morgens aufzustehen, um halb sechs im Paketdienst zu sein, in einer Halle das Auto zu beladen, in der es saukalt gewesen ist, und dann diese Pakete auszuliefern. Das ist kein Wert an sich, so etwas machen zu müssen."

Ein Ende der "Fetischisierung" von Arbeit

Vor diesem Hintergrund plädiert der Soziologe und Sozialpsychologe für einen Bruch mit der Tradition und fordert ein Ende der "Fetischisierung" von Arbeit. Das mache die Leute unglücklich und verpasse die Chance, die die zunehmende Digitalisierung biete:

Wenn es möglicherweise etwas Gutes geben könnte durch die Digitalisierung, Roboterisierung, Automatisierung, dann ist das die Befreiung von schlechter Arbeit.

Harald Welzer

Diese Realität des 20. Jahrhunderts zu erkennen und positiv umzudrehen, könne er jedem sozialdemokratischen Politiker nur empfehlen, so Harald Welzer weiter bei MDR KULTUR. Schließlich könnten davon am Ende alle profitieren. "Wenn niemand mehr schlechte Arbeit machen muss, dann ist das ja doch ein zivilisatorischer Gewinn und übrigens eine Freisetzung für viel sinnvollere Sachen."

Harald Welzer glaubt daran, dass Dinge gelingen

Portrait Harald Welzer 3 min
Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Seit 2012 ist er Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Außerdem ist er Direktor der Stiftung "Futurzwei". Bildrechte: dpa
Portrait Harald Welzer 3 min
Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Seit 2012 ist er Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Außerdem ist er Direktor der Stiftung "Futurzwei". Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Café | 10. März 2019 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2019, 04:00 Uhr

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