Gummibärchen
Farbstoffe, Gelatine und vor allem: viel Zucker. Das ist drin im Gummibärchen. Bildrechte: Colourbox.de

Geburtstag des Haribo-Gründers vor 125 Jahren Wie Hans Riegel das Gummibärchen erfand

Als Marke ist Haribo bekannt wie ein bunter Hund – oder, um im Bild zu bleiben, wie ein bunter Bär. Und der Gummibär, heute so etwas wie "Esskulturgut", ist eine deutsche Erfindung, nämlich die von Hans Riegel aus Bonn. Geboren wurde er vor 125 Jahren, am 3. April 1893.

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Gummibärchen
Farbstoffe, Gelatine und vor allem: viel Zucker. Das ist drin im Gummibärchen. Bildrechte: Colourbox.de

Eine Marmorplatte, ein Hocker, ein gemauerter Herd, ein Kupferkessel, eine Walze. Das ist laut Firmenlegende 1920 das Startkapital von Hans Riegel, geboren 1893, gelernter Bonbonkocher aus Bonn. Und, ganz wichtig: Zucker!

Riegels Sohn, Hans Riegel junior, erinnert sich: "Er hatte sich damals ein paar Sack Zucker gekauft und auf dem Bauernhof seiner Schwiegereltern begonnen, in einem Stall zu produzieren. Abends oder nachmittags wurden dann die Bonbons in die Geschäfte ausgefahren." Ein Firmen-Name ist schnell gefunden: Hans Riegel, Bonn – kurz: Ha-Ri-Bo.

Vom Tanzbären zum Gummibären

Zucker ist bis heute die Zutat, die das Hauptprodukt der einst von Hans Riegel gegründeten Firma im Innersten zusammenhält. Zucker und Gelatine natürlich. Dazu noch Aromen und Farbstoffe – das alles wird in Formen gegossen. Und heraus kommen die Gummibärchen. Heute sind diese als "Goldbären" auch international bekannt. Als junger Firmengründer hat sie Hans Riegel selbst entwickelt. Statt alter Kamellen wollte er etwas Neues herstellen. Dazu Haribo-Sprecher Marco Alfter:

Die Idee des Goldbären entstand damals auf den Jahrmärkten. Es gab die Tanzbären zur Belustigung. Dadurch ist Hans Riegel inspiriert worden. Er hat gesagt: 'Ich stelle jetzt den ersten Bären zum Essen her, für die Kinder.' Das war dann die Urform des heutigen Goldbären.

Marco Alfter, Sprecher Haribo

Der Tanzbär damals ist größer und hagerer als der heutige, hat offenbar nicht ganz soviel zu lächeln und kostet im Doppelpack einen Pfennig. Sogar der Kaiser im holländischen Exil kommt angeblich auf den Geschmack. Die Gummibären aus Bonn seien das Beste, was die Weimarer Republik hervorgebracht habe – so zumindest wird Wilhelm II. zitiert.

Der Krieg braucht keine Gummibären

Riegels Firma wächst, produziert ab 1925 auch Lakritz-Artikel – der "Tanzbär" bekommt so Verwandtschaft, den so genannten "Schwarzbären". Und Haribo bekommt 1935 einen Werbe-Slogan, der nicht nur in Deutschland berühmt werden sollte. Zunächst nur auf Kinder bezogen, wird er Jahrzehnte später um einen Halbsatz und damit eine neue Zielgruppe ergänzt: "Haribo macht Kinder froh – und Erwachs’ne ebenso."

Zunächst allerdings macht der Krieg unglücklich. Und dieser Krieg braucht Gelatine und Zucker, aber keine Gummibären. Immerhin: Lakritzprodukte, die als Nahrungs- und Arzneimittel benötigt werden, sichern den Fortbestand Haribos. Zudem überstehen die Produktionsstätten den Krieg weitgehend unbeschadet. Doch Firmengründer Hans Riegel stirbt 1945, kurz vor Kriegsende, mit knapp 52 Jahren.

Haribo-Firmenchef Hans Riegel steht vor dem Haribo-Werk in Bonn neben dem Haribo-Bär.
Haribo-Firmenchef Hans Riegel junior mit Firmen-Maskottchen – dem Goldbären aus Plüsch. Bildrechte: dpa

Viel Zucker ist drin

Die Söhne, Hans Riegel junior und sein Bruder Paul, übernehmen das Geschäft. "Wir konnten während des Krieges nicht produzieren, weil wir nicht genügend Rohmaterialien hatten", erinnert sich Riegel junior. "Deshalb gab es während des Krieges keine Fruchtgummis." Riegel habe sich beeilt, die Fruchtgummis 1946 direkt nach der Währungsunion wieder auf den Markt zu bringen. "Um den Kindern den typischen Haribo-Geschmack beizubringen."

Aus der Bonner Bonbonküche des Firmengründers Hans Riegel ist inzwischen längst ein "Global Player" geworden, heute von einer Holding gelenkt. Die Familie Riegel hat noch immer das Sagen und lässt sich ungern in die Töpfe schauen. Geschäftszahlen, Betriebsgeheimnisse und Rezepte werden sorgsam gehütet. Nur eines ist so sicher wie schon zu Hans Riegels Zeiten: Viel Zucker ist drin: In einer 200-Gramm-Bären-Tüte heute umgerechnet die Menge von rund 30 Stückchen Würfelzucker.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. April 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2018, 03:58 Uhr

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