MDR KULTUR Autorin Sabrina Gebauer liest Harry Potter
MDR KULTUR-Autorin Sabrina Gebauer liest Harry Potter Bildrechte: Robert Kühne

20 Jahre Harry Potter Wie ich mich damit abfand, ein Muggel zu sein

Vor zwanzig Jahren, am 26. Juni 1997, erschien der erste Harry Potter-Band "Harry Potter und der Stein der Weisen" beim Bloomsbury-Verlag in England. Darin erfährt Harry, dass er ein Zauberer ist und verhindert, dass sein Gegenspieler Voldemort den Stein der Weisen stielt und damit unsterblich wird. MDR KULTUR-Autorin Sabrina Gebauer blickt zurück auf ihre Kindheit mit Harry Potter.

MDR KULTUR Autorin Sabrina Gebauer liest Harry Potter
MDR KULTUR-Autorin Sabrina Gebauer liest Harry Potter Bildrechte: Robert Kühne

Ich habe das erste Harry Potter-Buch mit zehn Jahren gelesen – 2000, in dem Jahr, in dem der vierte Roman "Harry Potter und der Feuerkelch" erschien und der weltweite Hype ausbrach. Als sich niemand mehr richtig vorstellen konnte, dass der erste Band in England einst mit einer Auflage von 500 Stück startete.

Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar.

aus "Harry Potter und der Stein der Weisen"

Das ist der erste Satz in "Harry Potter und der Stein der Weisen". Und er widerspricht dem, was jedes Kind einschließlich mir damals dachte: Ich war nicht stolz darauf, normal zu sein. Ich wollte eine Hexe sein und genau wie Harry Potter auf die Zauberschule Hogwarts gehen, wo es Feste mit fliegenden Kerzen und zu Sternenhimmeln verzauberten Zimmerdecken gab, wo die Schüler mit Met und Kürbissaft, Siruptorte und "Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung" versorgt waren. Ich wollte auch Quidditch spielen und durch die Winkelgasse bummeln, wo es alles – vom fliegenden Besen bis zur Eule - zu kaufen gab. Jeder Winkel dieser magischen Parallelwelt war so voller Fantasie und Liebe zum Detail gestaltet, dass es Spaß machte sie zusammen mit Harry zu entdecken.

Ich war damals zehn – und damit fast genauso alt wie er als er seinen Brief aus Hogwarts erhielt und so erfuhr, dass er ein Zauberer ist. Aber so sehr ich es mir auch wünschte – ich bekam nie einen Brief. Ich musste akzeptieren, dass ich ein stinknormaler Muggel war. Aber zum Glück hatte ich dank Harry Potter die Chance, trotzdem in die Zaubererwelt einzutauchen und an ihr teilzuhaben.  An diesem Paralleluniversum, fernab unserer modernen Technik, fernab von Computern, fernab der Hektik. Tagelang konnte ich mich in diese Geschichten vergraben, in diese veraltete Welt der Zauberer und Kuriositäten. Vielleicht war das einer der Gründe, warum Harry Potter so erfolgreich wurde – neben der spannenden Geschichte natürlich. Weil Joanne K. Rowling eine Welt erschaffen hat, die ohne Technik auskommt,  und in der trotzdem alles möglich zu sein scheint: Von sprechenden Hüten bis hin zu fliegenden Motorrädern und Schachfiguren, die sich von selbst bewegen.

Nur gegen den Tod konnte auch die Magie nichts ausrichten. Und so war ich mit Harry Potter zum ersten Mal mit dem Sterben konfrontiert und habe mit ihm im fünften Buch um seinen Paten getrauert. Ich habe mit Harry seinen ersten Liebeskummer durchlebt und gegen das Böse gekämpft. Ich bin mit Harry Potter erwachsen geworden.

Und auch später hatte es fast etwas Magisches als man nach und nach die historischen Anspielungen J.K. Rowlings verstand und einem bewusst wurde, wie viele Mythen und reale Geschichten sie in ihr Werk eingeflochten hat. Es ist wunderbar zu wissen, dass es einen Teil der Zauberwelt wirklich gegeben hat, wie den Alchemisten Nicolas Flamel, der der Legende zufolge tatsächlich den Stein der Weisen gefunden und die Unsterblichkeit erlangt haben soll. Noch heute sehne mich nach dieser Zeit, in der man jedes Jahr fieberhaft auf den neuen Harry Potter Teil gewartet hat - kein anderes Buch hat mich je wieder so verzaubert.

Schon gewusst? Das Wort "Muggel" ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort "mug", was bedeutet "leicht herein zu legen". In Harry Potter bezeichnet der Begriff die nichts von der Zauberwelt wissenden Menschen.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: KulturKompakt | 26.06.2017 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2017, 10:30 Uhr

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