Haruki Murakami
Haruki Murakami Bildrechte: dpa

70. Geburtstag Haruki Murakami und die ewige Hoffnung auf den Literatur-Nobelpreis

Haruki Murakami ist der wohl bekannteste japanische Schriftsteller. Romane wie "Kafka am Strand", "Gefährliche Geliebte", "1Q84" oder "Naokos Lächeln" genießen Kultstatus. In Deutschland verdankt er seine Popularität nicht zuletzt einem Streit zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler in der Fernsehsendung "Das Literarische Quartett". Zum Schreiben ist Murakami nach eigenen Angaben durch ein Erweckungserlebnis bei einem Baseballspiel gekommen. Am 12. Januar ist der Autor 70 Jahre alt geworden.

Haruki Murakami
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Haruki Murakami ist am Samstag 70 Jahre alt geworden, der Schriftsteller wurde am 12. Januar 1949 geboren. Er zählt zu den bekanntesten Autoren der japanischen Gegenwartsliteratur und wurde seit langem auch als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis gehandelt.

Haruki Murakami
Haruki Murakami Anfang der 80er-Jahre Bildrechte: dpa

Zunächst studierte er in Tokio Theaterwissenschaft und betrieb danach eine Jazzbar in der Stadt. Das Schreiben hat Murakami 1978, mit Ende Zwanzig, für sich entdeckt, nach einem häufig von ihm erzählten Erweckungserlebnis bei einem Baseballspiel, das er als Zuschauer verfolgte. Demnach kam ihm dabei der Gedanke: "Das ist es, ich werde einen Roman schreiben." - was er auch in die Tat umsetzte.

Seine erste Veröffentlichung war das in Japanisch geschriebene Werk "Hear the Wind Sing", mit dem er den Gunzo-Preis für Nachwuchsautoren gewann. Seither hat Murakami zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Aufsätze geschrieben. Zu seinen Werken zählen die Romane "Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt", "Gefährliche Geliebte", "Kafka am Strand", "1Q84" und das zuletzt erschienenen Buch "Die Ermordung des Commendatore". Nach Angaben seines Verlages Dumont umfasst allein die deutsche Gesamtauflage mehr als sechs Millionen Bücher. Seine Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und dienten teilweise auch als Vorlage für Filme ("Naokos Lächeln") und Bühnenstücke.

Amerikanisierter Schreibstil

In seinen Geschichten verbindet er Alltägliches und Surreales. Ein Teil seines Erfolges liegt wohl auch an seiner durch die US-Literatur relativ amerikanisierte Schreibweise, so Lisette Gebhard, Professorin für japanische Literatur an der Uni Frankfurt. Sie merkt zu seinem Stil weiterhin an, seine "meist recht überraschende Szenengestaltung, seine unterhaltsamen Plots kommen bei westlichen Lesern gut an." Ihr zufolge sei die Ästhetik anderer japanischer Autoren auf das Verhüllen angelegt: "Sie stellen die Dinge nicht allzu deutlich heraus."

Popularität durch Skandal im deutschen Fernsehen

ZDF-Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki (Archivbild vom 31.1.1996) und die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler (Archivbild vom 9.12.1996).
Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler gerieten über Murakamis Buch "Gefährliche Geliebte" heftig aneinander Bildrechte: dpa

Murakamis Erfolg in Deutschland beflügelte ein kleiner Skandal in der Fernsehsendung "Das literarische Quartett". Dort  wurde im Jahr 2000 sein Roman "Gefährliche Geliebte" besprochen. Dabei kam es zum Zerwürfnis zwischen den Literaturkritikern Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler. Während Löffler dem Roman plumpe Sex-Darstellungen, "Männerfantasien" und "literarisches Fast Food" vorwarf, lobte Reich-Ranicki das Buch leidenschaftlich und hielt der Kritikerin entgegen, "Jedes hoch erotische Buch wird von Ihnen total abgelehnt. Sie können die Liebe im Roman nicht ertragen."

Archiv an ehemalige Universität übergeben

Murakami vermachte zuletzt seiner ehemaligen Alma Mater, der Elite-Universität Waseda in Tokio, kurz vor seinem 70. Geburtstag Manuskripte seiner Bücher sowie Übersetzungen. Das Archiv solle ein Ort der internationalen Begegnung werden. "Ich bin mehr als glücklich, wenn diese Materialien für jene von Nutzen sein können, die meine Arbeiten studieren möchten, egal ob sie Japaner oder Nicht-Japaner sind", so Murakami im November 2018 auf seiner ersten Pressekonferenz seit 37 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Unter Büchern | 12. Januar 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 11:18 Uhr

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