#nurmitkultur Wie kommt die Leipziger Kulturszene durch die Corona-Krise?

Die Kulturlandschaft leidet unter der Corona-Situation, auch in Leipzig. Unter dem Hashtag #nurmitkultur macht sie auf die Situation aufmerksam, mit Aktionen an verschiedenen Orten der Stadt. Das Besondere: freie Szene und Hochkultur demonstrieren gemeinsam. Wie ist die Kultur bislang durch die Krise gekommen und wie sieht sie die Zukunft? Dazu im Gespräch ist Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

Schauspieler in einer Szene des Stückes Süßer Vogel Jugend auf der Bühne.
Aufführungen wie "Süßer Vogel Jugend" am Leipziger Schauspielhaus können derzeit aufgrund der Corona-Situation nicht stattfinden. Bildrechte: Rolf Arnold

MDR KULTUR: Was passiert am Samstag unter dem Hashtag #nurmitkultur?

Andreas Schulz: Es werden am Nachmittag, ab 16 Uhr in den Stadtteilen, also in den einzelnen Szenen, wo die Einrichtung beheimatet sind, verschiedene Aktionen stattfinden. Und die bündeln sich dann heute Abend ab 18 Uhr auf dem Augustusplatz. Dort wird es Musik geben, die zu einem späteren Zeitpunkt verstummen wird und verschiedene Ansprachen zu der Thematik, die uns bewegt.

Die Initiative dafür ging also von der freien Kulturszene in Leipzig aus und Sie schließen sich an?

Gewandhausdirektor Andreas Schulz
Gewandhausdirektor Andreas Schulz Bildrechte: dpa

Wir schließen uns an, richtig, weil man folgende Dinge sehen muss: die Initiative kam aus der freien Szene. Letztendlich bewegen und die gleichen Probleme, egal ob großer Betrieb oder kleiner Betrieb. Also beispielsweise: wie systemrelevant sind wir? Was betrifft die Auflagen für einen eingeschränkten Spielbetrieb, die wir alle haben? Aber insbesondere die finanziellen Sorgen – wiederum egal, ob großer oder kleiner Betrieb. Dann beispielsweise, ob die Hilfspakete wirklich bei der Kultur ankommen? Wie die zukünftige Zuschussstruktur aussieht? Und vor allen Dingen, ob die kulturellen Einrichtungen die durch die Corona-Pandemie entstandenen Defizite nicht mittel- bis langfristig selber tragen müssen, sondern Unterstützung brauchen. Das ist ein ganzer Themenkomplex, der uns da bewegt. Und so war es mehr als richtig, dass sich die großen Betriebe mit den Betrieben der freien Szene zusammentun und dafür heute einstehen.

Ist diese Corona-Krise auch eine Gelegenheit, in der Kulturstadt Leipzig neu zu definieren, was Kultur uns bedeutet?

Das ist ein sehr schöner Anlass, würde ich sagen. Wenngleich er ein zwingender Anlass ist. Aber was wir hier sehen, dass wir doch, wenn es drauf ankommt, zusammenstehen können. Und dass wir zusammen auch deshalb stehen müssen, weil die Vielfalt – gerade das Interesse, was auswärtige Gäste an unserer Musik- und Kulturstadt haben – das definieren wir alle gemeinsam. Das Gewandhaus genauso wie die Nato, wie die freie Szene, wie die Clubszene. Das macht ja den Reichtum unserer Stadt aus. Weshalb so viele Gäste gerne von außerhalb kommen, aber auch die Leipzigerinnen und Leipziger unsere Musik- und Kulturstadt nutzen. Und dafür müssen wir kämpfen und dafür heute #nurmitkultur.

Drei Schauspieler mit Perücken und Mundschutzmaske blicken stumm in die Kamera. Sie protestierten am 5.6.2020 bei einer stillen Demo für staatliche Unterstützung der Kunstschaffenden. Unter dem Hastag firstoutlastin verweisen sie daauf, dass sie die ersten Betroffenen waren, als Veranstaltungen abgesagt wurden, aber keine Besserungen in Sicht seien.
in Dresden fand auch Anfang Juni eine stille Demonstration zur Unterstützung Kulturschaffender statt Bildrechte: Tino Plunert

Wie klappt es mit der Zusammenarbeit mit der Leipziger Kulturpolitik in dieser Corona-Zeit

Sehr gut. Zumindest bei uns großen Einrichtungen. Ich glaube, auch die Einrichtungen aus der freien Szene haben einen sehr guten, einen sehr engen Draht zu Frau Dr. Jennicke, unserer Bürgermeisterin. Sie unterstützt ja auch ausdrücklich diesen Tag. Dennoch kann auch nicht sie für alles sofort Lösungen anbieten. Dass wir uns auch immer wieder Geduld mitbringen müssen, bis wir  Lösungen bekommen – wenn wir sie bekommen. Insofern kann ich erst mal sagen, in der Krise eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber wichtig ist, wenn wir aus der Krise hoffentlich bald rauskommt und insbesondere in den Jahren 21 und 22: Wie geht es finanziell weiter? Die Einrichtungen haben alle gute Ideen, wir werden tolle Programme anbieten, aber die Kosten eben halt auch Geld. Und das müssen wir regeln, was dabei rauskommt.

Das Interview führte Alexander Mayer für MDR KULTUR

Kultur und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juni 2020 | 08:15 Uhr