"Westworld": Neue HBO-Serie besser als Game of Thrones? Schöne Androiden im Wilden Westen

1973 war's, als der legendäre Schauspieler Yul Brynner als entfesselter Computer-Cowboy in einem Wildwest-Vergnügungspark sein Unwesen trieb. Westworld hieß der Film von Bestsellerautor Michael Crichton. Nun kommt der Stoff als Serie ins US-amerikanische Bezahlfernsehen HBO und auf Sky. Zehn Episoden sind für die erste Staffel angekündigt. Weitere sollen folgen. Der nächste große Seriencoup?

Filmszene aus Westworld (Eva Rachel Wood und James Marsden)
Westworld: Das sind Roboter und Wilder Westen Bildrechte: © John P. Johnson/HBO

Eine schöne nackte junge Frau sitzt regungslos in einem leeren Raum auf einem Stuhl. Als eine Fliege über ihr Gesicht läuft, verzieht sie keine Miene. Die Fliege setzt sich auf ihren Augapfel, sie zwinkert nicht einmal.

Das ist Dolores. Dolores ist ein Android, ein Computer in Menschengestalt. Perfekt designt bis in die kleinste Pore, ausgestattet mit Charakter, Bewusstsein und dem, was wir Seele nennen. Sie gehört zu den Bewohnern von Westworld – einem Freizeitpark, in dem zahlungskräftige Gäste für kurze Zeit ihren Traum vom Wilden Westen leben können: als Revolverhelden, Glücksjäger oder auf der Suche nach einem amourösen Abenteuer. Sie können töten, sie können rumhuren - ohne Konsequenzen; die Androiden sind so programmiert, dass sie den Gästen ihrerseits kein Haar krümmen können.

Zwischen Trumann-Show und Django unchained

Benutzte oder beschädigte Androiden, die so genannten Gastgeber, kommen in die Werkstatt und werden repariert, um nächsten Tag wieder zur Verfügung zu stehen. Androiden, deren Charakter ausgedient hat, werden aus dem Verkehr gezogen oder bekommen eine neue Rolle zugeteilt - für die immer selbe Geschichte, die ihnen von einem Drehbuchautor auf den Leib geschrieben wurde. Dolores also wird sich jeden Morgen von ihrem Vater verabschieden, der jeden Morgen auf seiner Veranda seiner Ranch im Schaukelstuhl sitzt und jedes Mal wird sie ihm versprechen, dass sie zurück ist, bevor es dunkel wird. Manchmal trifft sie Teddy, einen gutaussehenden Typen, der eigens dafür gemacht wurde, ihr Traummann zu sein. Doch jedes Mal wird diese Begegnung ein böses Ende nehmen. Nicht selten verursacht durch die Gäste von Westworld, die die heile Welt von Dolores stören, die ihre Eltern ermorden und ihren Liebsten. Sie leidet Höllenqualen, doch am nächsten Tag wird sie sich an nichts erinnern. Das ist das Prinzip von Westworld.

Der Fehler im System

Erdacht hat sich diese Welt Dr. Robert Ford, alias Anthony Hopkins. Ein moderner Frankenstein, der gern mal mit einem seiner Androiden nach Feierabend einen trinkt und über das Leben philosophiert. Doch als nach einem Update einige Androiden fehlerhaft erscheinen und irrational handeln, ist er davon überzeugt, dass auch das seinen Sinn hat. Denn schließlich habe sich auch die Evolution nur eines Werkzeuges bedient: des Fehlers.

Doch es deutet sich an, dass das System von Westworld aus dem Ruder läuft. Und was ist eigentlich mit dem Mann in Schwarz - ein geheimnisvoller Dauergast, der nicht nur Dolores Angst einflößt, und der seinen eigenen finsteren Plan verfolgt, denn: Er ist davon überzeugt, dass es eine tiefere Ebene in diesem Spiel gibt, und dass er dahinterkommen werde. Spricht’s, tötet einen Androiden und nimm seinen Skalp, in den ein kryptisches Zeichen tätowiert ist. Ist er gut oder böse? Man weiß es nicht, denn Gut und Böse lösen sich auf in dieser Welt, die ihre eigenen Gesetze hat. Und während sich Ford und sein Chefprogrammierer als gottgleiche Schöpfer betrachten, die Androide und Mensch immer weiter annähern wollen, sind andere Mitglieder der Führungsebene wesentlich realistischer und wünschen sich die Androiden weniger lebensecht, denn schließlich funktioniere dieser Ort nur, weil die Gäste wüssten, dass ihre Gastgeber nicht real sind.

Wird alles gut?

Hier ist die Zeit, die großen Fragen zu stellen: Was passiert, wenn künstliche Intelligenz so perfektioniert wird, dass sie sogar über ein Unterbewusstsein verfügt. Was passiert mit der Moral von Menschen, die in einer Parallelwelt ungestraft zu Barbaren werden können? Doch auch unabhängig von diesem philosophischen Subtext verspricht die Serie ein fesselndes Abenteuer zu werden. Großartig besetzt bis in die Nebenrollen, gedreht in Landschaften von Marlboro Man-Ästhetik und dem kühlen Ambiente einer fast dystopisch wirkenden Hightech-Gesellschaft. Und am Ende mit einer liebenswerten Dolores, die davon überzeugt ist, dass sich alles fügen wird und im gleichen Atemzug die Fliege erschlägt, der sie eine Stunde zuvor nichts zuleide tun konnte.

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