Trauer Schauspieler Herbert Köfer gestorben

Herbert Köfer war in der DDR ein Publikumsliebling, bekannt durch zahlreiche Film- und Serienrollen wie in "Rentner haben niemals Zeit" oder "Geschichten überm Gartenzaun". Zudem wirkte er auf der Theaterbühne und im Radio. 1952 war er der erste Sprecher der DDR-Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera". Auch nach der Wende stand er erfolgreich vor der Kamera, zum Beispiel in Leipzig für die beliebte Serie "In aller Freundschaft". Nun ist Köfer im Alter von 100 Jahren gestorben.

Herbert Köfer
Herbert Köfer wurde am  17. Februar 1921 in Berlin geboren. Bildrechte: imago images / Viviane Wild

Der Schauspieler Herbert Köfer ist am Samstag im Alter von 100 Jahren gestorben. Das teilte seine Witwe Heike Köfer der Presseagentur DPA mit.

Köfer wurde vor allem durch seine Schauspielrollen DDR-Filmen und Serien bekannt. Er war der realsozialistische Familienvater, der Kleingärtner oder der viel beschäftigte Opa Paul in "Rentner haben niemals Zeit" (1979), eine Paraderolle. Er spielte den Hauptsturmführer Kluttig im DEFA-Film "Nackt unter Wölfen". Er war zu sehen in der DDR-Krimiserie "Polizeiruf 110".

Schauspielerische Allzweckwaffe

Vor allem im komödiantischen Bereich wurde er gerne eingesetzt, so in der Satirefilmreihe "Maxe Baumann" (ab 1979) oder der DEFA-Filmkomödie "Aber Doktor" (1980). Mehrfach arbeitete er dabei mit der Schauspielkollegin Helga Göring zusammen, häufig als Ehepaar, so in den beliebten Fernsehserien "Rentner haben niemals Zeit", "Geschichten übern Gartenzaun" (1982) und "Neues übern Gartenzaun" (1985) oder "Familie Neumann" (1984).

Und während Gojko Mitic wie immer für die Rechte seiner roten Brüder kämpfte, wühlte sich in einer nicht so wichtigen Nebenszene eine Art Cowboy aus dem Heu eines Pferdestalls, biss in eine Möhre und noch ehe er etwas sagte, rief neben mir ein Zuschauer: "der Köfer". Selbst Western konnte er, diese schauspielerische Allzweckwaffe des deutschen Ostens.

Wolfgang Schilling, MDR KULTUR Über Herbert Köfers Auftritt im DEFA-Film "Tecumseh", 1972
Paul Schmidt (Herbert Köfer) und Anna Schmidt (Helga Göring)
Herbert Köfer in einer seiner Paraderollen als vielbeschäftigter Opa Paul an der Seite von Helga Göring Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv/Hans-Ulrich Roßberg

Auch nach dem Mauerfall konnte Köfer erfolgreich an seine DDR-Laufbahn anknüpfen. Er spielte in verschiedenen Serien, darunter "Unser Charly", "Schloss Einstein" sowie in Krimis wie der SOKO-Reihe und "Notruf Hafenkante" oder der Krankenhausserie "In aller Freundschaft".

Von der Bühne ins Fernsehen

Am Theater aber hatte er seine Laufbahn begonnen. Gleich nach seiner Ausbildung von 1937 bis 1940 an der Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin nahm er ein Engagement am Brieger Stadttheater (heute Brzeg, Polen) an. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er in die Wehrmacht eingezogen wurde, setze er seine Theaterlaufbahn fort, spielte zunächst bis 1947 am Neuen Berliner Künstlertheater, später an der Volksbühne. Wolfgang Langhoff holte ihn ans Deutsche Theater.

Kapelle in Uniformen
Herbert Köfer als Hauptmann von Köpenick im "Musikantenstadl" Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Erster Sprecher der "Aktuellen Kamera"

Köfers Fernsehlaufbahn beschränkte sich nicht nur auf Schauspielrollen. Als erster Sprecher der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" eröffnete er zugleich den Sendebetrieb des DDR-Fernsehens am 21. Dezember 1952. Daraus wurde allerdings kein Job von Dauer, denn schon bald eröffnete ihm der Intendant:

Mein lieber Köfer, Sie sprechen die Nachrichten nicht, sie spielen sie.

Schließlich moderierte er TV-Sendungen wie "Das blaue Fenster" (1982 bis 1990) oder "Treffpunkt Kino" (1985 bis 1987). So wurde er zum Volksschauspieler, beliebt beim Publikum und den Mächtigen. Dafür stehen ein Nationalpreis erster Klasse – für seine Darstellung im TV-Fünfteiler "Krupp und Krause" – sowie die vaterländischen Verdienstorden in Bronze und Gold.

Bild eines Mannes in einer Papiercollage
Herbert Köfer als Sprecher der Sendung "Aktuelle Kamera" Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, hinterfragt man seine Vergangenheit auch kritisch. Doch wie ich es auch drehe und wende: Ich bin mit meinen Leben zufrieden oder, sagen wir, fast zufrieden.

Herbert Köfer in einem Interview 2016

"Neumann, zweimal klingeln": 764 Radio-Folgen

Auch im Hörfunk war Köfer prägend. Die Radioserie "Neumann, zweimal klingeln" lief von Ende der 1960er bis 1981 wöchentlich und zählt mit 764 Folgen zu den beliebtesten Hörfunkproduktionen im Rundfunk der DDR. In der Serie spielte Köfer als Familienvater Hans Neumann eine der Hauptrollen.

Rekord: Ältester, aktiver Schauspieler der Welt

Als Köfer im Jahr 1995 mit Mitte 70 seine Autobiografie veröffentlichte, war der Titel "Das war's noch lange nicht" auch Programm.

Wenn andere am Geburtstag jammern: 'Oh weh, schon wieder ein Jahr älter', sage ich: Ich bin glücklich darüber. Es ist schön, das Leben geht weiter!

Herbert Köfer in einem Interview 2019

Seine schauspielerische Karriere währte weitere Jahrzehnte. Mit 82 Jahren gründete er noch sein eigenes Tourneetheater: "Köfers Comödiantenbühne". So kam auch die "Goldene Henne" für sein Lebenswerk im Jahr 2002 eigentlich zu früh. Mit 95 spielte Köfer in Curt Flatow Komödie "Ein gesegnetes Alter" noch einen widerspenstigen Rentner, zu erleben im bis auf den letzten Platz ausverkauften Kurtheater Bad Lobenstein.

Zwei Stunden lang beherrschte er die Bühne und seinen Text, schoss Gags ab, gab den Rhythmus vor.

Wolfgang Schilling, MDR KULTUR Über Herbert Köfer in der Komödie "Ein gesegnetes Alter"
Herbert Köfer bei Riverboat
Herbert Köfer im Januar 2020 in der MDR-Sendung "Riverboat" Bildrechte: imago images/STAR-MEDIA

Als ältester aktiver Schauspieler der Welt wurde Herbert Köfer 2017 ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen. So musste er auch seine Vita weiterschreiben, 2020 erschien das Werk mit dem Titel "99 und kein bisschen leise".

Entertainer Wolfgang Lippert hat sich nach Bekanntwerden von Köfers Tod mit berührenden Worten im Internet von ihm verabschiedet: "Mein lieber Freund … du bist einer der großartigsten Kollegen gewesen und ein wunderbarer Mensch. Du wirst mir sehr fehlen, deine Wärme wird mir sehr fehlen", schrieb Lippert. Die beiden DDR-Unterhaltungs-Stars waren gute Freunde.

Zum Thema

Herbert Köfer 3 min
Bildrechte: dpa

Abonnieren