Nachruf Zum Tod von Herbert Köfer: Schauspiel-Legende und Publikumsliebling

Ob Komödien, "Polizeiruf 110" oder der DEFA-Film "Nackt unter Wölfen": Herbert Köfer war die schauspielerische Allzweckwaffe der DDR. Auch nach der Wende stand er erfolgreich vor der Kamera, zum Beispiel in Leipzig für die beliebten TV-Serien "In aller Freundschaft" und "SOKO Leipzig". Ein Nachruf auf den Schauspieler und Moderator, der am Samstag, 24. Juli, im Alter von 100 Jahren gestorben ist.

Herbert Köfer war ein Schauspieler, dem man, wenn man im Osten Deutschlands aufgewachsen ist, einfach nicht entgehen konnte. Auch wenn er das, was er auch immer gespielt hat – und er hat viel gespielt und gemacht – vielleicht nicht immer gut fand. Es sich nicht anschaute. Oder anhörte. Und da komme ich gleich mal zur ersten von drei Begegnungen, die mir einfallen, wenn ich an diesen Schauspieler denke.

Stimme bei "Neumann 2x klingeln"

Herbert Köfer (Hans Neumann) und Irma Münch (Marianne Neumann)
Herbert Köfer (Hans Neumann) und Irma Münch (Marianne Neumann) Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Gudrun Hensling

Ich war noch ein Kind, gerade in die Schule gekommen. Meine Eltern hatten das, was man damals eine Datsche nannte. Und dort hatten wir keinen Fernseher. Aber ein Kofferradio. Und auf dem hörten wir immer alle zusammen – Vater, Mutter, Kind – samstags abends auf "Radio DDR" die legendäre Familienserie "Neumann 2x klingeln". Die lief von 1967 bis 1981 und brachte es auf stolze 764 Folgen. Ich habe einige davon gehört und die Stimme Köfers blieb mir im Ohr.

Schauspielerische Allzweckwaffe

Das Bild zu dieser Stimme lernte ich dann ein paar Jahre später im Urlaub auf der Insel Rügen kennen. Sommerkino-Zeit, ich weiß es noch bis heute. In den Ernst-Moritz-Arndt Lichtspielen Putbus lief der alljährliche DEFA-Indianerfilm. 1972 hieß der "Tecumseh". Und während Gojko Mitic wie immer für die Rechte seiner roten Brüder kämpfte, wühlte sich in einer nicht so wichtigen Nebenszene eine Art Cowboy aus dem Heu eines Pferdestalls, biss in eine Möhre und noch ehe er etwas sagte, rief neben mir ein Zuschauer: "der Köfer". Selbst Western konnte er, diese schauspielerische Allzweckwaffe des deutschen Ostens.

Ja, wer sein Handwerk von der Pieke auf gelernt hat, kann das eben. Den Komödianten im Adlershofer Fernsehtheater genauso wie den realsozialistischen Familienvater. All diese niemals zeithabenden Rentner, die Kleingärtner mit ihren Geschichten über den Gartenzaun. Aber auch mal einen Unsympathen wie den Hauptsturmführer Kluttig im DEFA-Film "Nackt unter Wölfen".

Volkseigener Volksschauspieler

Der Köfer war irgendwie immer dabei, hatte seine eigenen Formate im DDR-Fernsehen. Moderierte dort "Das blaue Fenster" und "Treffpunkt Kino". War so etwas wie ein volkseigener Volksschauspieler. Beliebt beim Publikum und den Mächtigen. Dafür stehen ein Nationalpreis erster Klasse und die vaterländischen Verdienstorden in Bronze und Gold. Naja, eine Henne in Gold gab´s dann später ja auch noch dazu.

Ja, Herbert Köfer hat sich als schauspielerisches Stehaufmännchen auch nach der Wende im Geschäft gehalten. Auch wenn er mit dem Ende des DDR-Fernsehens, natürlich war er in dessen letzter Sendung dabei, mit seinen fast 70, nicht mehr in der ersten Reihe spielte. Da wurden die Rollen eben kleiner und das Theater am Kurfürstendamm und die Comödie Dresden gab's ja auch noch.

Tourneetheater mit 82 Jahren

Und als wäre das nicht genug, gründete er mit 82 Jahren noch sein eigenes Tourneetheater: "Köfers Comödiantenbühne".

Und auf der habe ich ihn vor ein paar Jahren dann endlich sogar live erlebt. Im bis auf den letzten Platz ausverkauften Kurtheater Bad Lobenstein spielte er in der Curt Flatow Komödie "Ein gesegnetes Alter" einen widerspenstigen Rentner. Herbert Köfer, damals 95, war voll da. Zwei Stunden lang beherrschte er die Bühne und seinen Text, schoss Gags ab, gab den Rhythmus vor.

Und gab mir danach noch ein langes Interview. Wo er viel von den allerersten Jahren erzählte. Als Jungschauspieler in Brieg, wo er 1940 das erste Mal auf der Bühne stand, ehe es in den Krieg ging. Und danach gleich wieder auf die Bühne. Wolfgang Langhoff holte ihn ans Deutsche Theater.

Bild eines Mannes in einer Papiercollage
Herbert Köfer als Sprecher der Sendung "Aktuelle Kamera" Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Dann lockte ein neues Medium, das seins werden sollte. Als erster Sprecher der Aktuellen Kamera eröffnete Köfer den Sendebetrieb des DDR-Fernsehens. Kein Job von Dauer allerdings, denn schon bald eröffnete ihm der Intendant: "Mein lieber Köfer, Sie sprechen die Nachrichten nicht, Sie spielen sie."

Was soll man machen, als Vollblutschauspieler. Im Guinessbuch der Rekorde war er seit September 2017 als ältester aktiver Schauspieler der Welt verzeichnet. Diese Rolle muss nun ein anderer für ihn übernehmen.    

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Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Juli 2021 | 06:30 Uhr

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