Unterstützung Filmbranche und Kinos in der Krise: Diese Hilfen gibt es

Filmschaffende, Verleihe und Kinos haben mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. 15 Millionen Euro beinhaltet ein Hilfsprogramm für Betroffene, das die Filmförderer in Bund und Ländern aufgelegt haben. Mit dabei sind die Filmförderungsanstalt (FFA), das Staatsministerium für Kultur und Medien sowie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM). Hier eine Übersicht über aktuelle Hilfsangebote, die laufend aktualisiert wird.

Ein leerer Kinosaal
Die Filmbranche hat mit der Corona-Krise zu kämpfen. Bildrechte: IMAGO

Für wen sind die Hilfen?

Von dem Hilfsprogramm im Umfang von 15 Millionen Euro sind laut dem Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), Claas Danielsen, zehn Millionen für Filmproduktionen reserviert. Drei Millionen Euro seien für den Verleih – damit bleiben zwei Millionen für die Kinos.

Wie kann ich Hilfen beantragen?

Filmproduzentinnen und Filmproduzenten können sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa an die Mitteldeutschen Medienförderung wenden. Weitere Informationen zum Hilfsprogramm gibt es auf der MDM-Webseite.

Bei Hilfen für Kinos gibt es laut Danielsen Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Mitteldeutsche Filmförderung könne Kinos bisher nicht direkt bei ihren Investitionskosten unterstützen, dies sei Ländersache.

Reichen die Gelder des Hilfsprogramms für alle?

Danielsen rechnet vor, dass Hochglanzproduktionen für sechs Stunden Programm acht bis zehn Millionen Euro kosten würden. Laut MDM-Webseite können bei Mehrkosten bis zu 30 Prozent der ursprünglich kalkulierten Herstellungskosten gefördert werden. Bei der direkten Förderung von Kinos sei laut Danielsen "noch eine Wegstrecke zu gehen".

Werden weitere Hilfen folgen?

Laut Claas Danielsen muss zunächst die Höhe der Schäden abgewartet werden und welche Produktionen betroffen sind. Auch die tatsächliche Höhe der Unterstützung aus dem Bundesprogramm und den verschiedenen Länderprogrammen müsse abgewartet werden. Das derzeitige Hilfsprogramm sei bis zum 30. Juni befristet. Danielsen rechnet damit, dass es auch zinsfreie Darlehen geben werde – aber auch die müssten zurückgezahlt werden.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat Mitte Mai weitere Hilfen für Kinos in Deutschland angekündigt. Grütters sagte, die Förderkriterien des im März gestarteten "Zukunftsprogramms Kino" würden erleichtert. Der Bund stellt im Rahmen des Programms allein 2020 für Investitionen rund 17 Millionen Euro zu Verfügung. Die Höhe des Bundesanteils der Hilfen werde erhöht, so Grütters. Das Zukunftsprogramm ermögliche auch bauliche Maßnahmen zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes. Weitere Hilfen für die Branche würden im Bund diskutiert, sagte die Minsterin. Nötig sei zudem rasch ein bundesweit einheitliches Konzept für die Wiedereröffnung der Kinos.

Welche Initiativen gibt es noch zur Rettung von Kinos?

Der Filmverleih Grandfilm hat eine Solidaritätsaktion gestartet, um mit einem besonderen Streaming-Angebot Indie-Kinos zu unterstützen. Der Verleih bietet ausgewählte Arthouse-Filme gegen kinoübliche Bezahlung im Netz an. Die Einnahmen werden 50/50 mit Programmkinos geteilt.

Beim neu geschaffenen Kurzfilmfestival "My Darling Quarantine" können Besucherinnen und Besucher Filme online sehen und einen davon sogar zum Sieger küren. Dabei wird Geld gesammelt, das gleichteilig an "Ärzte ohne Grenzen" sowie an bedrohte Kulturschaffende und -einrichtungen gespendet werden soll.

Die Einsendefrist für den diesjährigen Kinoprogrammpreis Mitteldeutschland ist bis zum 30. April verlängert worden. Kinobetreibende in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können sich damit einen Monat länger für die Auszeichnungen im Gesamtwert von 100.000 Euro bewerben, wie die Mitteldeutsche Medienförderung mitteilte.

Stipendium "DenkZeit" in Sachsen

Ein Stipendium von 2.000 Euro können sächsische Künstlerinnen und Künstler in verschiedenen Sparten, darunter auch Film, bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen beantragen. Unter dem Titel "DenkZeit" sollen sie damit ermutigt werden, an ihrer künstlerischen Arbeit festzuhalten. Zur möglichen inhaltlichen Ausrichtung erläutert Stiftungsdirektor Dr. Manuel Frey: "Das Stipendium ist offen für unterschiedliche Ansätze und Formate. So können beispielsweise Recherche- und Konzeptarbeiten oder Ideen der künstlerischen Reflexion der Krise ebenso Gegenstand des Stipendiums sein wie das Ausloten digitaler Interaktionstechniken, die Erprobung von Veranstaltungsformaten im virtuellen Raum oder die Restrukturierung von Arbeitsprozessen." Eine kurze Skizzierung des Vorhabens genügt. Die einmalige Zuwendung wird für die Dauer von zwei Monaten gewährt. Zwei Millionen Euro hat der Sächsische Landtag für das Programm bewilligt. Beantragt können die Stipendien ausschließlich über ein Online-Formular auf der Webseite der Kulturstiftung. Weitere Fördermöglichkeiten bestehen dort auch über die Kampagne "So geht sächsisch."

Gutscheine statt Erstattungen

Tickets und Dauerkarten für Kinos bleiben in der Coronakrise ungenutzt. Deshalb hatten Verbraucher bislang Anspruch auf Erstattung der Kosten. Doch dadurch könnten massenweise Veranstalter und Kinobetreiber in die Pleite rutschen. Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, dass Kunden bei Absagen vorübergehend in der Regel nicht ihr Geld zurück bekommen, sondern Gutscheine. Diese müssen bis Ende 2021 eingelöst werden - wenn nicht, bekommen die Kunden dann doch das Geld zurück. Die Regelung soll für alle Tickets gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. März 2020 | 16:10 Uhr

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