Hilmar Eichhorn
Hilmar Eichhorn in "Angst essen Seele auf" am Neuen Theater Halle Bildrechte: imago/VIADATA

65. Geburtstag Hilmar Eichhorn: "Ich würde mich als patriotischen Sachsen bezeichnen"

In Filmen wie Tarantinos "Inglourious Basterds", "Gundermann" oder "Bornholmer Straße" spielte Hilmar Eichhorn mit. Der Schauspieler steht aber auch häufig auf der Theaterbühne. Am 18. August ist Eichhorn 65 geworden. Er ist mit MDR KULTUR im Gespräch zu seiner Begeisterung für Bösewicht-Rollen und er erläutert, warum er sich als patriotischen Sachsen sieht.

Hilmar Eichhorn
Hilmar Eichhorn in "Angst essen Seele auf" am Neuen Theater Halle Bildrechte: imago/VIADATA

Hilmar Eichhorn, Sie feiern Ihren 65. Geburtstag. Der Vertrag am Neuen Theater geht noch bis Juli 2020. Und welche tollen Rollen drohen?

Hilmar Eichhorn Nun, die Rollen am Theater werden jetzt eher weniger werden, da ja der Vertrag ausläuft. Da wirst du dann nicht mehr dementsprechend besetzt.

Aber Schauspieler gehen noch nicht in Rente? Solange sie erfolgreich sind, spielen sie doch bis zum Abwinken.

Es ist ja so, ich höre ja nur mit dem Festengagement auf. Ich höre ja nicht mit meinem Beruf auf. Und das Schöne für mich, das richtig schöne am Rentnerdasein, ist dann, dass ich die Freiheit habe, mir wirklich auszusuchen, wozu ich Lust habe. Und natürlich ist auch wichtig, dass du gesund bleibst. Sonst nutzt dir das alles gar nichts.

Menschen jenseits von Halle und anderen Spielstätten, die nicht das Vergnügen haben, Sie im Theater sehen zu können, kennen Sie aus Kinofilmen. In "Gundermann" waren Sie ein Parteifunktionär, in "Bornholmer Straße" ein Generalmajor der NVA und 2009 spielten Sie in Tarantinos "Inglourious Basterds". Gibt's da einen bestimmten Typ? Respektive, spielen Sie gerne Bösewichte?

Hilmar Eichhorn spricht die Rolle von Kommissar Jost Fischer und Nele Rosetz spricht die Rolle von Kommissarin Annika de Beer.
Nele Rosetz und Hilmar Eichhorn bei den Aufnahmen für einen ARD Radio Tatort Bildrechte: rbb/MDR/Jehnichen

Bösewichter sind prinzipiell dankbarer als die Gutmenschen, weil sie mehr Ecken und Kanten haben und mehr Farben haben. Aber ich bin ein ganz lieber Kerl. Und vom Typ her stimmt das schon, besetzt man mich gerne mit Nazis oder SED-Funktionären, Stasi-Männern. Und insofern habe ich mich gefreut, dass ich jetzt vor kurzem auch eine sehr positive Rolle, eine große Rolle spielen durfte. Und zwar in der Serie "Ella Schön" mit Annette Frier. Da spielte ich einen FKK-Campingplatzbetreiber in Prerow. Und das war eine positive Rolle.

Und Sie hatten ein Nacktauftritt!

Mehrere! Zusammen mit Annette Frier. Das war mir eine Freude.

Das Hörspiel hat eine große Rolle gespielt in ihrer bisherigen Karriere. Zuletzt in Juli Zehs "Unter Leuten", die MDR-Produktion vom vergangenen Jahr mit Ihnen als Rudolf Gombrowski. Eine supertolle Rolle!

Das hat mir großen Spaß gemacht und das war auch eine tolle Besetzung. Und die Sache hat ja auch den Deutschen Hörspielpreis bekommen. Ja, das war auch ein Highlight für mich.

Im MDR Radio Tatort spielen Sie dauerhaft den Jost Fischer …

… LKA Magdeburg, Hauptkommissar.

In Halle werden Sie immer noch gebraucht. Obwohl Sie in Dresden geboren wurden und dauerhaft in Freital leben – und in Halle, wenn sie hier arbeiten.

Genau!

Sind sie dann Sachse demzufolge?

Ich würde mich als patriotischen Sachsen bezeichnen.

Was ist das?

Das ist ein Sachse, der seine Heimat liebt, der dort aufgewachsen, geboren ist. Der auch die Sprache verteidigt. Und es gibt ja auch da einen Verein zur Rettung der sächsischen Sprache. Viele Wörter verschwinden aus dem Sprachgebrauch, was ich schade finde.

Aber um es gleich zu sagen: Ich bin kein nationalistischer Sachse. Also, meine Toleranzempfinden ist wesentlich weiter gefasst. Auch mein Heimatbegriff letzten Endes.

Und ihre Distanz zur Farbe Blau wäre demzufolge auch groß.

Ja, weil ich in mir mehr Toleranz empfinde. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Hass in unserer Gesellschaft wieder abnehmen würde. Dass man wieder mehr miteinander kommuniziert. Und mit dem Hass, mit der Sprachlosigkeit oder mit diesem dogmatischen Verhalten, das bringt uns nicht weiter, das spaltet uns noch.

Schauspieler Hilmar Eichhorn
Hilmar Eichhorn als Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug" Bildrechte: dpa

Allerdings muss man sagen, auf der anderen Seite, ist nicht jeder, der dem sogenannten Mainstream folgt – Was ist das überhaupt? Wer legt das fest, was Mainstream-Meinung ist? – auch nicht gleich rechts oder Nazi. Da muss man sich hüten. Das gehört auch zur Demokratie, dass man viele, auch abweichende Meinungen hat. Und dass man vor allen Dingen die Sorgen und Nöte von bestimmten Bevölkerungsteilen auch wirklich ernst nimmt. Und dass sie sich ernstgenommen fühlen. Und ja, viele fühlen sich gerade dort, im schönen Sachsen – je schöner die Landschaft, desto konservativer werden die Leute, habe ich manchmal das Gefühl – sie fühlen sich eben zum Teil auch sozial abgehängt. Und sie haben natürlich ein großes Sicherheitsbedürfnis, was nicht immer erfüllt wird. Ich meine, eine Million Menschen 2015, Migranten, fast unkontrolliert ins Land zu lassen, war natürlich eine sehr humane Geste und war auch sehr gut gemeint. Aber es stellt sich natürlich heute raus – das hat auch die Kanzlerin mal gesagt: sowas darf nicht wieder vorkommen wie 2015 – dass das auch ein Fehler war. Wir wissen bis heute nicht genau, wer sich in unserem Land und wir erfahren das täglich in der Presse.

Bei diesen Konflikten innerhalb der Gesellschaft, die jetzt sehr heftig ausgetragen werden, wird immer wieder auch das Theater ins Spiel gebracht. Das Theater wäre der Ort, wo man diese Konflikte wunderbar verhandeln könnte. Das Theater sei ein Raum, in dem die Menschen wieder zusammenkommen. Also eine quasi gesellschaftspolitische Aufgabe der Extraklasse. Sehen Sie, dass das Theater das leisten kann oder wird dem Theater da zu viel zugemutet?

Teilweise. Teilweise können wir einen Beitrag zu dem liefern. Wir haben ja ein Stück mit vielen Migranten aufgeführt: "Angst essen Seele auf". Das war ein sehr gutes Beispiel für Integration auch. Aber alleine kann das Theater das natürlich nicht leisten, das ist klar.

Und es ist ja auch so, dass viele Menschen, die eben gerade diese sehr intolerante Haltung haben, oder die sich sozial abgehängt fühlen, gar nicht ins Theater gehen, die es betrifft. Das hat man ja oft so.

Eulen nach Athen trägt man dann …

Aber das Theater bemüht sich, auch einen Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und der Diskussion zu sein. Und das finde ich sehr gut und das muss auch so sein.

Nun feiern Sie Ihren 65. Geburtstag. Werden sie eigentlich gerne älter, Hilmar Eichhorn?

Nee!

Warum nicht?

Ach Gott, ich kann es nicht verhindern. Keiner von uns kann es verhindern. Und keiner kann auch in seine Zukunft gucken, was alles noch kommt. Leichter wird es nicht.

Ich meine, wenn ich zurückschaue – und ich schaue nicht so gern zurück – ich sehe mehr neugierig in die Zukunft oder in die Gegenwart und auf das, was noch kommt. Aber ich bin so, wie es gelaufen ist, mit mir im Reinen.

Das Interview führte Thomas Bille für MDR KULTUR

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. August 2019 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 14:22 Uhr

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