Der Ehrenhof des Schlosses Cecilienhof ( Brandenburg, Potsdam) nach Abschluss der Sanierung. Das Schloss wurde im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg für die preußischen Schlösser und Gärten saniert
Bei den Rückforderungen geht es auch um das Schloss Cecilienhof Bildrechte: dpa

Schlösser, Gemälde, Schnupftabakdosen Erneute Hohenzollern-Besitzansprüche – warum gerade jetzt?

Die Hohenzollern-Nachfahren fordern kostbare Güter wie Schlösser, Kunstwerke und Möbel zurück. Es handelt sich um mehrere tausend Kunst- und Kulturobjekte, die größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet oder durch die die DDR verstaatlich worden sind. Bislang sind sie mit derartigen Ansprüchen gescheitert. Warum kommen gerade jetzt solche Forderungen auf? Der Kunsthistoriker Nikolaus Bernau ordnet ein.

Der Ehrenhof des Schlosses Cecilienhof ( Brandenburg, Potsdam) nach Abschluss der Sanierung. Das Schloss wurde im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg für die preußischen Schlösser und Gärten saniert
Bei den Rückforderungen geht es auch um das Schloss Cecilienhof Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Bei den Rückforderungen der Hohenzollern gehe es um "Kunstwerke von teils nationaler Bedeutung", heißt es. Was wird da zurückgefordert?

Nikolaus Bernau: Das ist schon so Einiges. Es sind vor allem einmal, ganz wichtig, die Nutzungsrechte für Immobilien, die gefordert werden, darunter unter anderem Schloss Cecilienhof. Das ist von dem damaligen Kronprinzen Wilhelm, also dem späteren potenziellen – und dann eben nicht – zum Kaiser gewordenen Wilhelm III. für sich errichtet worden im Schlosspark des Marmorpalais in Potsdam. Man möchte auch gerne ein Wohnrecht haben in Schloss Lindstedt. In einigen anderen Häusern auch Wohnrecht oder Nutzungsrechte.

Der Restaurator Jan Kallensee arbeitet am 13.01.2005 in Potsdam am Sterbesessel von Friedrich II., König von Preußen. Die Holzrestaurierung und die Farbfassung ist fertiggestellt. Als nächstes wird der Sessel in einer anderen Firma gepolstert. Die Restaurierung des 1786 gefertigten Stuhls wird mit einer privaten Spende finanziert
Restaurierung des Sterbesessels von Friedrich II., König von Preußen im Jahr 2005 Bildrechte: dpa

Vor allem aber geht es darum, dass erhebliche Teile der Kulturgüter aus dem vormaligen Kunstbesitz der Hohenzollern rückübertragen werden sollen. Dazu gehört zum Beispiel so etwas wie Uniformen von Friedrich dem Großen oder sein Sterbesessel. Es sind bis jetzt mindestens 266 Gemälde auf dieser sehr langen Liste drauf, darunter teilweise erstklassige Werke des französischen und deutschen 18. Jahrhunderts, also Rokokogemälde. Preziosen wie Schnupftabakdosen, die mit kostbaren Diamanten besetzt wurden, solche Angelegenheiten.

Also historische Objekte, die für die Erinnerungskultur Deutschlands und Preußens oder derjenigen, die sich an Preußen erinnern wollen, sehr, sehr wichtig sind. Und eben auch erstklassige Kunstwerke, die, wenn man sie auf den Markt bringen würde, viele, viele Millionen bringen würden.

Warum kommt diese Forderung eigentlich jetzt? Der Erste Weltkrieg ist gerade hundert Jahre vorbei, Mitte der 20er-Jahre wurde um die Eigentumsrechte des deutschen Adels gestritten und verhandelt und entschieden. Die Wende ist 30 Jahre her, danach gab es eine Eigentumsklärung. Warum also jetzt?

Es kam schon, ich sag mal so um 1990 unmittelbar auf.  Die Hohenzollern haben versucht, an verschiedenen Stellen Rückgaben zu erreichen, vor allem die Rücknahme der Enteignung 1945 durch die sowjetische Besatzungsmacht. Das ist ihnen vollständig misslungen. Bis hin dazu, dass kürzlich der Prozess um die Rückgabe von Schloss Rheinfels durch das Land Rheinland-Pfalz vom Landgericht einfach abgelehnt wurde und sie gesagt haben, es gibt keinerlei Gründe, dass dieses Schloss an die Familie Hohenzollern zurückgegeben wird.

Burg Rheinfels
Auch Burg Rheinfels wollten die Hohenzollern jüngst zurückerhalten – das Gericht lehnte die Forderung ab Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Also, da gab es verschiedene Wellen. Das hing unter anderem auch mit dem Einigungsvertrag zusammen. Der hat nämlich für alle Objekte, die sich in öffentlichen Sammlungen befinden und auf die Rückgabeansprüche erhoben werden konnten, quasi eine Lagerzeit von 20 Jahren vorgesehen. Diese Lagerzeit war dann eben vor vier, fünf Jahren, wenn man so will, zu Ende. Und seit etwa 2014 laufen wohl auch diese Verhandlungen mit dem Bund, mit dem Deutschen Historischen Museum, der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten und vor allem auch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, um den Umgang mit diesen Objekten, die vor allem aus dem sogenannten Hohenzollernmuseum stammen.

Warum all die Geheimniskrämerei all die Jahre?

Nikolaus Bernau
Der Kunsthistoriker Nikolaus Bernau Bildrechte: IMAGO

Die Sache ist juristisch sehr kompliziert. Das dreht sich darum, dass das Vermögen in Preußen zwischen dem Staat und dem Haus Hohenzollern zwar seit 1820 formalrechtlich geteilt war. Also es gab eine Zivilliste, aus der wurde das königliche Haus weitgehend finanziert. Die haben ein sehr großes Vermögen aufgebaut. Kaiser Wilhelm II. war beispielsweise ein sehr erfolgreicher Investor auf dem Aktienmarkt. Aber es gab eben nie eine saubere Trennung.

Und 1926/27 wurde dann eben ein Vertrag geschlossen, mit dem die Nutzungsrechte geklärt wurden – unter anderem für Häuser oder für den Bestand des Hohenzollernmuseums – und in dem auch Eigentumsrechte direkt übertragen wurden. Und dieser Vertrag ist aber möglicherweise seit 1945 für die Bestände und die Immobilien, die sich in der sowjetischen Besatzungszone befanden, überhaupt nicht mehr gültig. Das hängt davon ab, wie man die Stellung der Hohenzollern in der Diskussion um die Machtergreifung oder Machtübergabe an die Nazis beurteilt. Sind sie Kriegsverbrecher gewesen oder nicht? Das ist bis heute völlig ungeklärt.

Diese Frage ist total offen und das ist auch vielleicht ein Teil des großen Problems, das jetzt auf die Hohenzollern zukommen könnte, weil nämlich jetzt plötzlich Gerichte über historische Fragen entscheiden müssen – was einfach nicht Aufgabe von Gerichten ist. Aber das haben sich die Hohenzollern selbst zuzuschreiben.

Das Interview führte Alexander Mayer für MDR KULTUR

Ein steinerner Adler, fotografiert am ehemaligen Hohenzollern-Schloss Lindstedt in Potsdam (Brandenburg).
Ein steinerner Adler am ehemaligen Hohenzollern-Schloss Lindstedt in Potsdam Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Juli 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 18:10 Uhr

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