DOK Leipzig Animationsfilm lässt das Leipziger Hotel Astoria wieder auferstehen

1915 wurde das Hotel Astoria in Leipzig als Grand Hotel der Extraklasse gegründet. Auch zu DDR-Zeiten war es hochgeschätzt – und fiel dann irgendwann in einen Dornröschenschlaf. Ein Animationsfilm von Alina Cyranek und Falk Schuster erweckt das Hotel Astoria nun zu neuem Leben.

Hotel Astoria
Blick in den Film "Hotel Astoria" Bildrechte: Dok Leipzig/Hotel Astoria/Falk Schuster, Alina Cyranek

Ja, auch ich habe mir als Student in den 90er-Jahren so meine Gedanken darüber gemacht, was sich hinter der imposanten Fassade des Leipziger Hotels Astoria früher abgespielt haben mochte. Aus toten Fenstern schaute einen das ehemalige Luxus-Hotel gleich beim Verlassen des Hauptbahnhofes an und behielt seine Geschichte für sich.

Alina Cyranek
Alina Cyranek Bildrechte: Alina Cyranek

Ich kenne das Astoria selber nicht, als es noch lebte, ich kenne es wirklich nur als Ruine. Aber ich habe auch so das Gefühl, diese langjährige Tradition, dieser Plüsch, dieser Hauch auch von der Welt, die da über Jahrzehnte ein- und ausging, das hat sich alles etabliert – und das lebte auch in diesen Wänden.

Alina Cyranek, Co-Regisseurin von "Hotel Astoria"

Hotel wiederbelebt

Falk Schuster und Alina Cyranek haben es nicht bei Phantasien belassen. Sie haben eine Vielzahl von Dokumenten – Haptisches, aber auch Interviews und Filmschnipsel – über das Haus zusammengetragen, kollagiert und künstlerisch verfremdet. Sie haben die Zimmer mit alten Zeitungen tapeziert, die exklusive Speisekarte wieder aufgeschlagen und Ausschweifungen während der Herbstmesse nachgefeiert. Liebevoll und detailgenau haben sie dem Hotel wieder Leben eingehaucht, alles mit den Mitteln der Animation.

Es gibt einfach dieses kollektive Gedächtnis an dieses Hotel von ehemaligen Mitarbeitern und Gästen. Und das wollten wir wieder aufleben lassen, mittels eben diese Collage-Animationstechnik.

Alina Cyranek, Co-Regisseurin von "Hotel Astoria"

Gestreckte Haifischsuppe

Es ist ein geradezu musterhafter Anima-Dok-Film geworden, der in nur 28 Minuten ein Stück DDR-Geschichte hinter verschlossenen Türen aufblättert. Denn, so sagt ein Interviewpartner: "Das Astoria war irgendwie unter einem anderen Stern." Ein exklusives internationales Hotel.

Hotel-ASTORIA
Das Hotel Astoria – vom Verfall gekennzeichnet Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In dessen Restaurant dekorierten keine gefälligen Alltags-Szenen die Wände, sondern forderten Bilder von Werner Tübke die Blicke heraus. Die Kellner konnten allein von ihrem Trinkgeld leben und auf dem Speiseplan stand mal gestreckte Haifischsuppe und mal nichts, je nach Lage. Egon Krenz nahm hier heimlich alkoholfreien Sekt zu sich und – ja, auch die Stasi war im Hotel zu Hause und kannte sich im Weinkeller bestens aus. Aber einen Taschenrechner zum Umrechnen der Valuta gab es nicht.

2018 waren ja noch die Tapeten dran und der Boden und die alten Badewanne, das war ja alles noch da. Aber es war tot. Es war ja kein Leben drin.

Alina Cyranek, Co-Regisseurin von "Hotel Astoria"

Auch reales Hotel erwacht wieder

Voraussichtlich 2022 wird das Hotel Astoria nach einem Vierteljahrhundert aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Wie gut, dass Schuster und Cyranek noch einmal in seine Träume und Erinnerungen abgetaucht sind.

ASTORIAVR – Hotel Astoria als virtuelle Realität

Falk Schuster am Set von AstoriaVR. Er spricht mit einem Schauspieler und zeigt dabei auf eine Kamera. 3 min
Bildrechte: unicato | MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Projekt ASTORIAVR ist eine Reise in die virtuelle Realität des ehemaligen Leipziger Luxus Hotels "Astoria" in den 1980er Jahren. unicato hat die Dreharbeiten besucht.

unicato Do 17.09.2020 00:25Uhr 03:15 min

Rechte: unicato | MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Der Film "Hotel Astoria"
Animationsfilm von Alina Cyranek und Falk Schuster
Beim DOK Leipzig im Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm
Produktion: Deutschland, 2020
Länge: 28 Minuten

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Oktober 2020 | 08:40 Uhr

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