US-Schauspielerin Robin Wright als Claire Underwood in der TV-Serie «House of Cards»- Staffel 6.
Robin Wright als Claire Underwood in der sechsten Staffel der Serie "House of Cards". Bildrechte: dpa

Finale der Erfolgsserie "House of Cards" gelangt in Staffel Sechs zu neuen Höhen

Mit "House of Cards" legte der Streaminganbieter Netflix einst den Grundstein für seinen Erfolg. Nun ist Staffel sechs online, allerdings auf Sky. Zwar hatte sich die Serie über Machenschaften des Präsidenten Frank Underwood im Weißen Haus über fünf Staffeln totgelaufen, doch brisant wird es jetzt, da Hauptdarsteller Kevin Spacey nach den Missbrauchsvorwürfen kurzerhand aus der Serie geschrieben wurde. MDR KULTUR-Serienkritikerin Anna Wollner hat die ersten drei Folgen schon gesehen.

US-Schauspielerin Robin Wright als Claire Underwood in der TV-Serie «House of Cards»- Staffel 6.
Robin Wright als Claire Underwood in der sechsten Staffel der Serie "House of Cards". Bildrechte: dpa

Nach fünf Staffeln rund um Frank Underwood und seinen Machtkampf mit Intrigen, Lügen, Mord und Totschlag brauchte die Serie "House of Cards" frischen Wind und so ist es kein Verlust, sondern eher ein Gewinn, dass Schauspieler Kevin Spacey in der sechsten Staffel nicht mehr mitspielt. Denn "House of Cards" schwingt sich hier zu neuen Höhen auf. Schon Staffel Fünf endete mit seiner Frau Carrie Underwood, die mit verschränkten Armen hinter dem Schreibtisch im Oval Office stand und sagte: "My turn" – "Jetzt bin ich dran". Er zischte danach in die Kamera "I’ll kill her" - "Ich bringe sie um", aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Schon die ersten Trailer zur Serie haben verraten, dass der Präsident tot ist, in einem Teaser steht sie am Grab und redet mit ihm.

Filmszene
Robin Wright als Claire Underwood Bildrechte: IMAGO

In der ersten Folge von Staffel sechs wird Claire Underwood zur 47. Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt, zur ersten Frau überhaupt im Amt und  verfällt direkt in einen Machtkampf mit der Washingtoner Elite. Doch der Wechsel klappt nicht fließend: Kevin Spacey mag aus der Serie rausgeschrieben worden sein, der Schatten von Frank Underwood hängt noch über allem.

Rätseln um Frank Underwoods Tod

Die Frage wie Frank Underwood stirbt, zieht sich über mehrere Folgen. Schon nach zwei Minuten erföhrt der Zuschauer, dass er gestorben sei. Claire muss die Bilder seiner Beerdigung freigeben. Man sieht nur seine Hand, nie sein Gesicht. Im West Wing gibt es zudem merkwürdige Geräusche, als würde der Geist von Frank Underwood noch immer rebellieren. Die Frage, wie er ums Leben gekommen ist, stellt sie dann auch direkt ans Publikum, der berühmte Bruch mit der vierten Wand, den jetzt sie als Präsidentin vollzieht und nicht mehr ihr Mann. Wir als Zuschauer wollen genauso wissen wie das Establishment in Washington: Was ist mit Underwood passiert, wie ist er gestorben? Der "Elefant steht im Raum" und die Erklärungen kommen ganz langsam.

Filmszene
Szene aus der Serie "House of Cards" Bildrechte: IMAGO

Robin Wrights Schauspieltalent steht dem von Kevin Spacey in nichts nach. Sie war es auch, die sich dafür eingesetzt hat, die Serie nicht abzusetzen, und sie hat die erste Folge auch selbst inszeniert. Claire Underwood war auch die letzten fünf Folgen schon durchtrieben, eiskalt und machthungrig und macht jetzt einfach weiter. Sie muss aber ganz andere Grabenkämpfe austragen als ihr Mann und muss sich als Frau behaupten. Gleich in der ersten Szene verliest ihr Beraterstab Drohungen gegen sie, Drohungen, die es in sich haben. Sie wird von einer Soldatin kurz vorm Auslandseinsatz in Syrien gefragt, ob sie überhaupt einen Plan habe. Claire entgegnet kaltschnäuzig, ob sie das auch einen Mann gefragt hätte und als auf sie geschossen wird, guckt sie in die Kamera und meint trocken, das sei der erste Respekt, der ihr in ihrer Amtszeit entgegengebracht worden wäre.

Sparsame Bezüge zur Realität

Die aktuelle amerikanische Politik reflektiert die Serie weniger, als man vielleicht meinen könnte, weil sie sich sehr auf das beruft, was innerhalb der Mauern des Weißen Hauses passiert. Fragen, die aufgeworfen werden sind: "Wem gehört das Weiße Haus?" oder "Wem gehört die Präsidentschaft?". Klar, es geht um den Syrienkrieg, um Massenüberwachung und um Einwanderung, und Claire Underwood versucht unabhängig zu bleiben von Einflüssen der Wirtschaft, was ihr schwerfällt. Als neue "Troublemaker" treten Annette und Bill Shepherd auf (Diane Lane und Greg Kinnear), ein Geschwisterpaar, dass an die Kochbrüder angelehnt ist. Und dann eben die Frage, ob die Welt bereit ist für eine amerikanische Präsidentschaft.

Kevin Spacey scheint ausradiert

Filmszene
Kevin Spacey als Frank Underwood Bildrechte: IMAGO

Kevin Spacey dagegen ist vollkommen verschwunden und abgetaucht, das letzte Paparazi-Bild des Schauspielers sah man im November 2017. Die Branchenblätter schreiben kaum noch über ihn. Der Grund: Kevin Spaceys Karriere ist vorbei und sein Name sorgt eben nicht mehr für Auflage. Spacey scheint ausradiert, aus "All the Money in the World" wurde er rausgeschnitten und durch Christopher Plummer ersetzt. Sein letzter Film "Billionaire Boy Club" hat am ersten Tag 126 Dollar eingespielt und "Gore" über Gore Vidal, eine aufwendige Netflixproduktion wurde von Netflix in den Giftschrank gelegt. Der Streaminganbieter begleitete gleichsam Aufstieg und Fall des Schauspielers.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. November 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2018, 04:00 Uhr

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