Hülsenfrüchte in weißen Schüsseln
Hülsenfrüchte kommen in allen Farben daher; zu ihnen zählen beispielsweise gelbe Linsen, rote Bohnen und grüne Erbsen. Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Ernährung Warum Hülsenfrüchte das Essen der Zukunft sind

Hülsenfrüchte, dazu gehören alle Erbsen, Linsen und Bohnen. Sie sind als pflanzliche Eiweißquelle nicht nur für die vegetarische Ernährung sehr gesund. Als Essen der Zukunft stehen sie vor allem wegen ihrer Umweltfreundlichkeit ganz oben auf der Liste.

von Hanna Romanowsky, MDR KULTUR

Hülsenfrüchte in weißen Schüsseln
Hülsenfrüchte kommen in allen Farben daher; zu ihnen zählen beispielsweise gelbe Linsen, rote Bohnen und grüne Erbsen. Bildrechte: imago images / Science Photo Library
diverse Bohnen, Erbsten, Kichererbsen und Linsen 4 min
Bildrechte: Colourbox.de
diverse Bohnen, Erbsten, Kichererbsen und Linsen 4 min
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Ob Hummus aus Kichererbsen, grüner Bohnensalat oder rotes Linsencurry – Hülsenfrüchte können mehr als Eintopf. Eine der größten Verfechterinnen der kleinen runden Alleskönner ist die Ernährungswissenschaftlerin und Foodbloggerin Emilie Wegner. Sie ist begeistert von Hülsenfrüchten und möchte das Image von Erbsen, Linsen und Bohnen aufpolieren. Laut der Ernährungswissenschaftlerin werden Hülsenfrüchte immer beliebter, auch deshalb weil sie nachhaltig angebaut werden können.

Mit Erbsen, Linsen und Bohnen gegen den Klimawandel

Hülsenfrüchte sind oft heimisch, sogar exotische Arten wie Kichererbsen können hier in Deutschland angebaut werden. Doch das werde leider noch sehr wenig gemacht, bedauert Emilie Wegner.

Das sind im Moment Pilotprojekte. Bauern, die das selber faszinierend und spannend finden, das mal auszuprobieren.

Emilie Wegner, Ernährungswissenschaftlerin

Vor allem der Anbau in den europäischen Nachbarländern ermöglicht aber schon jetzt kurze Transportwege und spart klimaschädliche Emissionen ein. Allerdings kommt der Klimawandel dem Wachstum exotischer Hülsenfrüchte auch zu Gute: Kichererbsen beispielsweise brauchen eher warme klimatische Verhältnisse. In Deutschland werden mit der Erderhitzung die Anbaubedingungen besser, erklärt Emilie Wegner. Die Pflanzen können sich außerdem gut an Klimaveränderungen anpassen und ihr vergleichsweise geringer Wasserverbrauch spart Ressourcen.

Hülsenfrüchte auf Holzlöffeln
Hülsenfrüchtler werden auch Leguminosen genannt und zählen zu den artenreichsten Pflanzenfamilien. Ihre Früchte sind daher so unterschiedlich. Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Als pflanzliche Eiweißquelle sind Hülsenfrüchte ohnehin die Klimaschützer schlechthin. Sie können den Fleischanteil in der Ernährung ersetzen und so den klimaschädlichen Fleischverbrauch senken. Da Tierhaltung durch den Futtermittelanbau wertvolle Ackerflächen besetzt, kann der Verzehr von mehr Hülsenfrüchten auch Ernährungssicherheit für die Zukunft bieten. Durchschnittlich braucht man sieben pflanzliche Kalorien, um nur eine Kalorie Fleisch herzustellen. Den Großteil der Energie im Futter verwenden die Tiere für ihren Stoffwechsel. Fleischhaltige Ernährung ist damit deutlich ineffizienter, als sich direkt pflanzlich zu ernähren.

Hülsenfrüchtler als Bodenfreunde

Wahrscheinlich der entscheidendste Faktor für die Umweltfreundlichkeit von Hülsenfrüchtlern, auch Leguminosen genannt, ist eine ganz besondere Superkraft: Die Wurzeln von Erbsen, Linsen und Bohnen arbeiten mit Knöllchenbakterien zusammen, die aus der Luft Stickstoff binden, einen der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt zu und auch folgenden Pflanzen stehen die Nährstoffe zur Verfügung. Auf künstliche Dünger kann man dadurch verzichten. Das spart Energie und Ressourcen und vermeidet Nitrat auf den Äckern, das das Grundwasser belastet.

Es wird alles weggeerntet und der Boden ist nährstoffreicher als er vorher war, das ist schon faszinierend.

Emilie Wegner, Ernährungswissenschaftlerin

So gesund sind Hülsenfrüchte

Pflanzliche Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte, sind nicht nur für die vegane und vegetarische Ernährung sinnvoll. Da sie wenig Fett enthalten, sollten sich auch Fleischessende öfter für Hülsenfrüchte entscheiden. Darüber hinaus sind die Pflanzensuperhelden reich an Ballast- und Mineralstoffen, vor allem Eisen und Zink. Durch ihre komplexen Kohlenhydratstrukturen sind sie gut für den Blutzuckerspiegel. Hülsenfrüchte sind zudem glutenfrei und damit eine gute Alternative bei Allergien und Unverträglichkeiten.

Es wird immer so leicht spöttisch gesagt, das ist das Mantra der Ernährungswissenschaftler: Esst mehr Hülsenfrüchte. Dann sinkt euer Blutzuckerspiegel, ihr esst gesünder, seid länger satt, nehmt weniger Kalorien auf usw.

Emilie Wegner, Ernährungswissenschaftlerin

Kichererbsen zum Knabbern

Obwohl Hülsenfrüchte so gesund und klimafreundlich sind und wie nebenbei mit ihrem Anbau Böden sanieren, werden sie vor allem in Deutschland noch zu wenig gegessen.

Gerade mal ein Kilo wird pro Kopf im Jahr von den Deutschen verzehrt, das ist extrem wenig.

Emilie Wegner, Ernährungswissenschaftlerin

Damit sich das ändert, hat die Ernährungswissenschaftlern Emilie Wegner "Hülsenreich" gegründet, ein Startup, das Knabbereien aus gerösteten Kichererbsen herstellt.

Dieses Konzept von einer gerösteten Kichererbse, das fand ich schon immer total genial, weil man die Hülsenfrucht auch noch sieht. Dann kommt man vielleicht auch auf die Idee, das in die Suppe oder ins Curry zu machen.

Emilie Wegner, Ernährungswissenschaftlerin

Hülsenfrüchte ohne langes Einweichen und aufwändiges Kochen, sondern zum Knabbern nebenbei – so essen auch wir hoffentlich bald mehr Hülsenfrüchte und können beim Fernsehen auf dem Sofa nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch noch ein bisschen die Welt retten.

Geröstete Kichererbsen von "Hülsenreich"
Die gerösteten Kichererbsen von "Hülsenreich" trocknen in der Produktion auf Blechen. Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Audios zum Thema "gesunde Snacks"

Nüsse 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Jana Olsen
Eine Tafel Schokolade 6 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial | 19. November 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 04:00 Uhr

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