14.09.-20.11.2020 IMPULS-Musikfestival – schwierige Zeiten für Neue Musik

Zeitgenössische Musik hat es nicht immer leicht, auch ohne Corona. Auch das IMPULS-Musikfestival spürt in seiner 13. Ausgabe die Schwierigkeiten. Doch es hat sich gut aufgestellt, so sein Intendant Hans Rotmann. Es werden jungen Leuten mehr Möglichkeiten geboten und mehr Verbindungen nach außen geknüpft.

Korpus einer antiken Violine
Das IMPUL-Musikfestival findet vom 14. September bis 20. November 2020 statt Bildrechte: imago/Westend61

Das IMPULS-Musikfestival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt bekommt derzeit gleich doppelt Gegenwind: Einerseits ist die künftige Förderung durch das Land ungewiss, andererseits muss es in diesem Jahr unter den derzeitigen Corona-Regeln stattfinden. In seiner 13. Ausgabe will sich das Festival dennoch in Richtung Europa öffnen.

Motto "Enter the Void" passt unfreiwillig zur Pandemie

Fast könnte das Motto des IMPULS-Festivals trotzig klingen. "Enter the Void", auf Deutsch etwa "Betritt die Leere", soll aber nicht auf die Leere verweisen, die bei einem Aus des Festivals für Neue Musik droht. Intendant Hans Rotman will das Motto als Einladung verstanden wissen, die Weite Sachsen-Anhalts und  das Unbekannte der zeitgenössischen Musik zu erkunden. "Durch die Pandemie hat das Motto leider noch eine ganz andere Bedeutung bekommen", sagte Rotman MDR KULTUR. "Aber die Einladung bleibt auch unter diesen völlig anderen Bedingungen."

Carolina Eyck mit Theremin
Auch die deutsch-sorbische Musikerin und Komponistin Carolina Eyck tritt beim diesjährigen Impuls Musikfestival auf. Bildrechte: Christian Hüller

Zwei Eröffnungskonzerte

Was er und sein Team auf die Beine gestellt haben, mutet angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen umso imposanter an: 17 Uraufführungen und Auftragskompositionen soll es an 38 Festivaltagen geben, dazu einen neu geschaffen IMPULS-Campus, bei dem sich junge Komponisten und Solisten aus insgesamt neun Ländern treffen. Eröffnet werden soll das Musikfestival in diesem Jahr mit gleich zwei Konzerten: am 14. Oktober im Steintor-Varieté in Halle und am 18. Oktober im Bauhaus-Museum in Dessau.

Europa kommt nach Sachsen-Anhalt

Außerdem ist die Richtung des Festivals in diesem Jahr klar vorgegeben: Europa. Durch das neu gegründete Netzwerk "Festival Alliance of Contemporary Music in Europe" werden auch aktuelle Produktionen aus den Niederlanden, Belgien und Italien in Sachsen-Anhalt zu sehen sein. Man werde so die Möglichkeit haben, in Halle vier oder fünf Produktionen zu sehen, wofür man normalerweise drei Monate reisen müsste, so Rotman zu den Planungen. Der Austausch soll aber auch in die entgegengesetzte Richtung stattfinden:

Die Idee ist, dass das, was in Sachsen-Anhalt produziert wird, dann auch nach Stuttgart oder Sienna geht.

Hans Rotman, Intendant beim IMPULS-Musikfestival für Neue Musik

Die Pläne muten wie eine Reaktion auf die Kritik an, das Festival wäre nicht international genug ausgerichtet. Doch davon will Rotman nichts wissen: "Das ist ein Weg, den wir jetzt schon mehrere Jahre gegangen sind. Ein Festival, das IMPULS heißt, muss sich weiterentwickeln." Die Aufmerksamkeit verschiebe sich insgesamt hin zu Ensembles und zu jungen Leuten, so der Intendant weiter. Und hin zu mehr Verbindungen nach außen.

Die Sache mit den Förderungen

Auf die Zukunft des Festivals angesprochen, schimmert in der Antwort von Rotman dann doch so etwas wie Trotz durch. Die Lage sei nicht neu, erklärt er. Das Festival müsse sich jedes Jahr bewähren und jedes Jahr einen neuen Antrag auf Förderung stellen. Es sei gelungen, wieder viele Sponsoren an Land zu ziehen, etwa die Ernst von Siemens Musikstiftung oder die Kulturstiftung des Bundes. Dann fügt er mit einem Lächeln hinzu: "Aber drehen wir es einmal um. Wenn uns das Land für mehrere Jahre unterstützen würde, was können wir dann alles erreichen?"

Das Festival Das Festival
IMPULS-Musikfestival für Neue Musik Sachsen-Anhalt
14. September bis 20. November 2020
Motto: Enter the Void

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2020 | 16:30 Uhr