Sprachen (Fast) verlorene Sprachen und wo sie noch zu finden sind

Der Begriff vom "Indigenen" hat einen tiefen Sinn: Er bezieht sich auf Menschen, die sich als eigenständiges Volk verstehen – mit eigener Geschichte, eigener Kultur und: eigener Sprache. Sprachwissenschaftler schätzen, dass es heute noch knapp 7.000 indigene Sprachen gibt. Doch sie warnen davor, dass viele indigene Völker immer mehr in der jeweiligen Mehrheits-Gesellschaft aufgehen und die Gefahr besteht, dass ihre indigene Sprache verschwindet. Eine Auswahl:

Sami – Plötzlich wieder hip

Kinder aus dem Volk der Samen 5 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 05.02.2019 18:05Uhr 05:18 min

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Sami ist eine Sprache, die vom indigenen Volk der Samen gesprochen wird. Man schätzt, dass es heute noch knapp 100.000 Menschen gibt, die dieser indigenen Minderheit angehören und dass etwa 20.000 von ihnen noch irgendeinen Dialekt der samischen Sprache sprechen.

Sami wird vor allem noch in den skandinavischen Ländern gesprochen: Im Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und auch auf der russischen Halbinsel Kola. Das Problem der Sprache besteht jedoch darin, dass es regional teilweise so unterschiedliche Dialekte von Sami gibt, dass sich Samen aus unterschiedlichen Gebieten untereinander kaum bis gar nicht verstehen.

Heutzutage sprechen wieder mehr Menschen Sami – auch dadurch, dass es als indigene Sprache anerkannt ist und somit in Behörden genutzt werden darf. Außerdem steht es in der Schule wieder auf dem Lehrplan, wo es sich bei den Schülern großer Beliebtheit erfreut.

Doch das war nicht immer so. Gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Samen gesellschaftlich unterdrückt und Sami in den Schulen offiziell verboten. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten wieder umgekehrt.

Quechua – Große Sprache unter vielen Kleinen

Machu Picchu 10 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 05.02.2019 18:05Uhr 09:47 min

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Quechua ist eine Sprache, die vor allem noch in Staaten Lateinamerikas gesprochen wird. Man geht davon aus, dass ungefähr zehn Millionen Menschen der Sprache noch mächtig sind. Der Hauptteil von ihnen lebt in Peru, Bolivien und Ecuador. Teilweise, wenn auch deutlich weniger, wird Quechua auch noch in Nord-Argentinien, Chile und Kolumbien gesprochen.

Ein Zentrum der Sprache bildet noch immer Peru, wo knapp vier Millionen Menschen Quechua beherrschen und wo die Sprache in den 70er-Jahren den Status der zweiten Amtssprache zugesprochen bekommen hat.

Quechua ist eine sehr alte Sprache – man schätzt, dass sie seit mehr als 5.000 Jahren gesprochen wird. Wo der regionale Ursprung liegt, lässt sich heute allerdings nicht genau sagen. Das Besondere an der Sprache: Sie war nie eine Schriftsprache, mit der man also zum Beispiel Romane hätte schreiben können. In der Moderne hat man zwar eine Möglichkeit gefunden, die Sprache mit lateinischen Buchstaben zu transkribieren, aber bis heute gibt es hier keine einheitliche Vorgehensweise.

Atikamekw – eine Sprache, die fast nur gesprochen wird

Banff Nationalpark Kanada 4 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 05.02.2019 18:05Uhr 04:18 min

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Die Atikamekw sind ein indigenes Volk im Südwesten der kanadischen Provinz Quebec. Heute zählen noch knapp 8.000 Menschen zum Volk der Atikamekw. Fast alle von ihnen sprechen Atikamekw auch als Sprache.

Wie ihre Vorfahren sind auch die heutigen Atikamekw noch ein traditionelles Volk, das als Jäger lebt und zu deren Kultur lange Wanderungen gehören.

Das Besondere an der Sprache der Atikamekw ist, dass es fast durchgängig nur eine gesprochene Sprache ist. Schriftliche Aufzeichnungen gehörten nicht zum Teil der Sprach-Kultur. Dadurch besteht jedoch die Gefahr, dass das kulturelle Gedächtnis der Atikamekw verlorengehen könnte. Erst in der jüngeren Vergangenheit wurde begonnen, Atikamekw von einer gesprochenen Sprache in eine Schriftsprache zu überführen.

Ungarisch – Einzigartig und einzigartig schwer

Dämmerung über Donau und ungarischem Parlament 5 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 05.02.2019 18:05Uhr 04:41 min

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Weltweit sprechen zwischen 13 und 15 Millionen Menschen noch die ungarische Sprache. Natürlich zentriert sich die Mehrheit der Personen in Ungarn und den umliegenden Ländern, wo es ungarische Minderheiten gibt.

Das Besondere an Ungarisch besteht in seiner Einzigartigkeit: Es ist eine finno-ugrische Sprache, was bedeutet, dass sie außer mit dem Finnischen und wenigen Dialekten mit keiner weiteren Sprache verwandt ist. Damit nimmt sie eine spezielle Eigenständigkeit in den europäischen Sprachenfamilien ein.

Diese Exklusivität hat jedoch auch dahingehend Nachteile, dass Menschen, die die Sprache komplett neu erlernen wollen, sich sehr viele grammatikalische Besonderheiten aneignen müssen, die es nur im Ungarischen gibt.

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Blick auf Rio de Janeiro 5 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Februar 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 04:00 Uhr

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