Peter Theiler
Bildrechte: Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Dresden Peter Theiler: So tickt der neue Semperopern-Intendant

Die Sächsische Staatsoper Dresden wird ab dem 25. August von Peter Theiler als Intendant geleitet. "Es war ein Angebot, zu dem ich nicht nein sagen konnte", meint er rückblickend auf das Angebot, dieses traditionsreiche Haus zu leiten. Bekannt ist, dass er Peter Konwitschny nach fast 20 Jahren wieder für eine Inszenierung an das Haus zurückholen wird. Wofür Theiler noch steht und was weiterhin von ihm zu erwarten ist, weiß MDR KULTUR-Opernredakteurin Bettina Volksdorf.

Peter Theiler
Bildrechte: Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Peter Theiler vertritt in Sachen Musiktheater eine klare Haltung. Für ihn gibt es keine unpolitische Kunst. Das Theater müsse in die Gesellschaft hineinwirken und seine Rolle als Vermittler wahrnehmen. Unterhaltung sei wichtig, aber schließlich finde auch jeder zwischenmenschliche Konflikt (sei es bei Wagner oder Verdi) in einem gesellschaftlichen Kontext statt. Relevanz, Verantwortung und Vermittlerrolle sind die drei Schlagworte, die dafür stehen, dass es Theiler darum geht, innovatives, spannendes, mitunter wohl auch provokantes Musiktheater zu ermöglichen. Wichtig ist ihm bei all dem, das Publikum nicht zu verstören, sondern es mitzunehmen und zu zeigen dass, "… auch das schwerfällige Operntheater etwas mit uns zu tun hat!"

Neugierig und Emotional

Theiler ist ein neugieriger Mensch, eine quasi unerlässliche Eigenschaft für Theaterleute. Enge MitarbeiterInnen schätzen zudem seine Emotionalität und Offenheit im persönlichen Umgang. Darüber hinaus baut Theiler konzeptionell klug durchdachte Spielpläne und ist bestens strukturiert. Sonst hätte er die Doppelbelastung der letzten drei Jahre nicht gemeistert, als er sich als Noch-Intendant in Nürnberg parallel bereits auf Dresden vorbereitete.

Offen für neue Wege

Peter Theiler
Peter Theiler an seiner neuen Wirkungsstätte, der Semperoper Bildrechte: dpa

In Nürnberg riskierte es Theiler, einen Schwerpunkt auf die französische Oper zu setzen – auch weil er als begnadeter Netzwerker und vielsprachiger Kommunikator erfolgreich mit französischen Opern-Häusern kooperierte. Er förderte neue Spielstätten, so dass die Nürnberger Staatsphilharmoniker zu ihren Lunch-Konzerten inzwischen ins Germanische Nationalmuseum einladen, die Oper auch mal in der Kirche spielt oder bei Ballettproduktionen zuweilen mit Schulen kooperiert wird.

Zudem stellte Theiler gemeinsam mit Studierenden und Wissenschaftlern des Forschungsinstitutes für Musiktheater Bayreuth die Ausstellung HITLER.MACHT.OPER auf die Beine. Theiler und sein Chefdramaturg Johann Casimir Eule scheinen personifizierte Ideen-Generatoren zu sein. Da darf man gespannt sein, was in Dresden noch alles kommen wird!

Zum Auftakt Schönbergs "Moses und Aron"

Krassimira Stoyanowa
Krassimira Stoyanova wird in "Ariadne auf Naxos" singen Bildrechte: IMAGO

Wenn Ende September mit Schönbergs hochpolitischer 12-Ton-Oper "Moses und Aron" die erste Premiere der Ära Theiler über die Bühnen gehen und im Dezember Richard Strauss‘ selbst-reflektiver "Ariadne auf Naxos" gegenüber gestellt wird, lassen sich exemplarisch Linien und Brüche der Musikgeschichte aufzeigen. Zudem sind beide Produktionen mit Alan Gilbert und Calixto Bieto bei "Moses und Aron" sowie Christian Thielemann, Krassimira Stoyanova und Stephen Gould bei Strauss exzellent besetzt!

Konwitschny kommt zurück

2019 kommen dann die Franzosen: Rameaus Barockoper "Platée" im April und Meyerbeers Grand Opera "Les Huguenots" Ende Juni. Wie Rolando Villazón als Regisseur und Paul Agnew am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden das angehen werden, darauf darf man ebenso gespannt sein, wie auf die Inszenierung der Hugenotten durch einen eminent politisch-denkenden Regisseur wie Peter Konwitschny. Theiler hat es geschafft, den nach seiner umstrittenen "Csardasfürstin" 1999 vergraulten Konwitschny wieder an die Semperoper zurück zu holen.

Vielfalt auch auf kleiner Bühne

Vieles gab und gibt es auch in der kleinen Spielstätte "Semper2" zu entdecken: Interessante Angebote für Alt und Jung, Kammeroper, Musical- und Ballettproduktionen, Jazz, Loungekonzerte und noch vieles mehr. Inhaltliche Vielfalt plus künstlerisch-konzeptionelle Stringenz, das scheint eine gute Ausgangsbasis für diese erste Spielzeit der Ära Theiler zu sein!

Peter Theiler
Peter Theiler Bildrechte: dpa

Die bisherigen Stationen des Peter Theiler Studiert hat Theiler Literaturwissenschaften und Geschichte. Am Theater hat er sich alsbald vom Regieassistenten, u.a. bei Ruth Berghaus, nach oben gearbeitet: Ende der 80er-Jahre ging er vom Musiktheater Gelsenkirchen an die Oper von Nizza, in den 90ern war er Oberspielleiter und Bühnenbildner der Oper am Nationaltheater Mannheim, wurde zum Direktor des Theaters Biel Solothurn ernannt, schließlich Generalintendant des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier, 2008 trat er als Staatsintendant am Theater Nürnberg an und leitet nun mit der Semperoper das bislang größte und renommierteste Haus in seiner Karriere.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. August 2018 | 12:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2018, 04:00 Uhr

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