Zusammenleben In Erfurt und Weimar - Das bietet die Interkulturelle Woche

Dutzende Initiativen, Vereine, kleine Projekte, aber auch Gewerkschaften und Kirchen sowie viele Akteure der Zivilgesellschaft haben sich zusammen geschlossen, um in Thüringen ein Fest der Vielfalt zu feiern. "Zusammen leben, zusammen wachsen" lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2020. Auf dem Programm stehen etwa ein Abendspaziergang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Diskussionsrunden zum Thema Fairness oder Migration sowie Sprachkurse und Filme.

Eine Frau mit pinkem Kopftuch
"Zusammen leben, zusammen wachsen" lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2020   Bildrechte: imago images/Westend61

Menschen aus 145 Herkunftsländern leben derzeit allein in Erfurt. Ihnen und dem großen Miteinander ist die Interkulturelle Woche 2020 in Thüringen gewidmet. Das Motto lautet "Zusammen leben, zusammen wachsen". Fragen zum Arbeitsrecht, der Berufsbildung, dem Sozialmanagement werden diskutiert, ebenso eine Debatte zum Thema Dekolonialisierung geführt. Eritreische Frauen erzählen über ihre Kultur, die Flucht und das Ankommen in Thüringen. Es gibt Filme, Gespräche, Musik und immer wieder die Einladung zum Mitmachen, Mitdenken, dabei sein – für alle. 

Eröffnungskonzert im Netz

Musikgruppe beim Achava Festspiele 2020
Die Band "Syriab" um Ibrahim Bajo. Bildrechte: Achava Festspiele/Marie Liebig

Die Interkulturelle Woche startet am Freitag mit einem Konzert im KulturQuartier Schauspielhaus. Geplant ist eine musikalische Reise um die Welt. Etwa zehn Ensembles sind dabei. Manch eines hat sich extra jetzt erst gegründet. Mit lateinamerikanischem Pop/Rock begeistert "Sababdijas", das Projekt "Galerna" – mit spanischen Wurzeln – steht für Retrorock und die Musik der spanischen Bars. Das "Zuhause" steht im Mittelpunkt des Konzertes und greift die jeweiligen unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Klangformen auf.

Auch der 36-jährige Musiker Ibrahim Bajo ist dabei. Der Kanun-Spieler aus Syrien kam vor sechs Jahren als Geflüchteter nach Meiningen. Er ließ seine alte Band "Syriab" in Homs zurück, ebenso seine Instrumente, seine Familie und Freunde. In Meiningen fing er bei null an. Am Theater bot man ihm eine neue berufliche Heimat. Er lernte die Sprache, bekam ein neues Kanun aus der Türkei und gründete mit Freunden aus der alten Heimat Syrien, die jetzt auch in Deutschland leben, und den neuen Freunden der Meininger Hofkapelle ein neues Ensemble. Mit dem Projekt "Jusur" (übersetzt: "Brücke") steht er in Erfurt zur Interkulturellen Woche auf der Bühne.

Längst sind die wenigen Plätze ausverkauft, doch über die Facebook-Seite der Thüringer Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge sowie via Youtube hat jeder die Chance, bei dem Konzert dabei zu sein. 

Vielseitiges Programm

Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "True Warriors"
Szene aus dem Dokumentarfilm "True Warriors" Bildrechte: Niklas Schenk

Zusätzlich laden in Erfurt und Weimar viele kleine Gruppen und Initiativen zu Begegnung, Gespräch, Ausstellung und Musik ein. Das Ensemble Regenbogen beispielsweise spielt russische Lieder und Märchen für Kinder, behandelt aber auch zeitkritische und gesellschaftsrelevante Themen, zum Beispiel Zwangsheirat. 

Es wird interreligiöse Stadtspaziergänge geben und die Frage auf einem Podium: "Ist Kritik an Israel antisemitisch?" Auf dem Erfurter Anger wird ein "Pavillion" der Identitäten stehen und es kommen besondere Filme zur Aufführung, die sonst keine große Öffentlichkeit haben: "Für Sama" etwa, eine bewegende Alltagsgeschichte aus dem syrischen Aleppo oder der Dokumentarfilm "True Warriors" über eine Theatergruppe aus Kabul, die einem Bombenanschlag trotzt.

"Interkulturelle Woche 2020 – Zusammen leben, zusammen wachsen"
25. September bis 4. Oktober 2020
Eröffnungskonzert:

25. September, 18 Uhr auf Youtube
Konzert "Sprache der Heimat – Sounds of the World"

Programm in Erfurt (Auswahl):

26. September, 17 Uhr
Ensemble Regenbogen: Russische Lieder und Tänze. Für Kinder werden Märchen gelesen. (ZIM, Rosa-Luxemburg-Straße 50)

28. September, 18:30 Uhr
Die Autorin Rukiye Cankiran liest aus ihrem Buch: "Das geraubte Glück. Zwangsheiraten in unserer Gesellschaft" - eine Veranstaltung des DaMigra e.V. in Kooperation mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt
(Barfüßerruine, Barfüßerstraße 20)

29. September 16 Uhr
"Wo der wilde Pfeffer wächst" - Informationen über Gewürze aus aller Welt,
Es geht um den Geschmack der Heimat und die Frage: Was wissen wir voneinander?
(Nachbarschaftstreff TIP, Kasseler Str. 1)

29. September, 17 Uhr
"30 Jahre Vielfalt“ - Finissage einer Ausstellung und: Hier werden Kunstwerke versteigert!"
(FrauenZentrum, Pergamentergasse)

29. September, 19 Uhr
Ein Podium zur Frage: "Ist Kritik an Israel antisemitisch?"
(Haus Dachböden, Anger 37)

29. September, 19 Uhr
Dokumentarfilm "True Warriors"
Gewerkschaftsjugend, Schillerstr. 44

1. Oktober, 14 bis 17 Uhr
"Pavillon der Identitäten": Diskussion und Begegnung mit der Frage: "Identität kennt kein Entweder - Oder. Es ist Zeit, sowohl als auch zur denken!"
(Erfurter Anger)

2. Oktober, ab 16:30 Uhr
"Tag der interkulturellen Freundschaft"
Dutzende Initiativen, Vereine, kleine Projekte, aber auch Gewerkschaften und Kirchen sowie viele Akteure der Zivilgesellschaft haben sich zusammen geschlossen, um ein Fest der Vielfalt zu feiern.
(Barfüßerruine, Barfüßerstraße 20)

Programm in Weimar (Auswahl):

25. September, 17 Uhr
Abendspaziergang im Park an der Ilm
(Treffpunkt: Zwischen Sternbrücke und Goethes Gartenhaus)

26. September, 10 bis 21 Uhr
Thementag "Sprache macht Gesellschaft"
(Bauhausmuseum, Stéphane-Hessel-Platz 1)

29. September, 17 Uhr
Faire Wandeltour
(Treffpunkt: Herderplatz)

3. Oktober, 19:30 Uhr
Filmvorführung "Für Sama"
(Kino mon ami, Goetheplatz 11)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. September 2020 | 17:10 Uhr