Interview Ein Ritterschlag: Dresdner Trickfilminstitut in Kinematheksverbund aufgenommen

Einige Jahre nachdem die Dresdner Trickfilmstudios der DEFA für immer geschlossen wurden, entstand das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF). Nun wurde das Archiv in den Kinematheksverbund aufgenommen. Für den Dresdner Verein ist das eine Auszeichnung der bisherigen Arbeit und eine Möglichkeit, sich in Zukunft noch besser aufzustellen.

MDR KULTUR: Was bedeutet die Aufnahme in dne Kinematheksverbund für das Deutsche Institut für Animationsfilm in Dresden?

Technische Sammlungen Dresden
Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Till Grahl: Der Kinemathekverbund, in dessen Koordinierungsrat wir aufgenommen wurden, ist der Zusammenschluss der wichtigsten Filmerbe-Institutionen in Deutschland. Dort dabei sein zu dürfen, empfinden wir als riesigen Ritterschlag. Denn es ist eine Anerkennung von höchster Stelle – nicht nur der Sammlung selbst, sondern auch der Arbeit der Mitarbeiter, die in den Bereichen Forschung, Ausstellung und Archiv seit Jahren großartige Arbeit. Wir wurden als kooptiertes Mitglied aufgenommen und befinden uns damit in Gesellschaft von so ehrwürdigen Institution wie den Filmmuseen in Potsdam und Düsseldorf, dem CineGraph, das Hamburgische Zentrum für Film und Forschung und dem Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart sowie der Murnau-Stiftung.

Das Deutsche Institut für Animationsfilm wird in den nächsten Jahren nicht nur an den Sitzungen des Koordinierungsrates teilnehmen, wo die Filminstitutionen die Zusammenarbeit der einzelnen Mitglieder planen, sondern hat nun die Möglichkeit, sich in den Arbeitsgruppen, die sich etwa mit Ausstellungen, Filmbildung und Restaurierung beschäftigen, zu engagieren und neue Erfahrungen zu sammeln. Das ist für uns Ehre und Ansporn zugleich.

Der leitende Verein wurde 1993 gegründet und der Animationsfilm hat in Dresden eine noch längere Tradition. Welche Bedeutung hat dann das Institut und der Animationsfilmen für Dresden und darüber hinaus?

Dresden war für den Film schon immer eine relativ wichtige Stadt. Die Geschichte des Dresdner Trickfilms nimmt mit der Gründung des Trickfilmstudios 1955 Fahrt auf und hallt bis heute nach. Das DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden war eine Ausgründung der DEFA in Potsdam/Babelsberg, wo die Studios aus allen Nähten platzen und man für den Trickfilm einen neuen Standort suchte. In 35 Jahren wurden in Dresden zahllose Trickfilme produziert – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Viele dieser Filme dürfte man noch in guter Erinnerung haben – zum Beispiel die Arbeitsschutz-Filme mit Theo, Kinderfilme wie "Zwerg Nase", "Die fliegende Windmühle" oder "Die Weihnachtsgans Auguste" oder die TV-Serie "Jan und Tini auf Reisen". Auch für den "Sandmann", der eigentlich in Berlin produziert wurde, hat das Studio in einen Teil der sogenannten Gute-Nacht-Geschichten geliefert.

Im Archiv des Deutschen Instituts für Animationsfilm in Dresden steht ein Sandmännchen.
Im Archiv werden Puppen und andere Arbeitsmaterialien gesammelt. Bildrechte: dpa

Unmittelbar nach der Abwicklung des Trickfilmstudios wurde begonnen, das Studio dort auszuräumen. Die Produktionsmaterialien wurden mit großem Eifer in großen Container entsorgt und es ist nur dem Engagement ehemaliger Studio-Mitarbeiter zu verdanken, dass diese Materialien aus dem Müll gerettet und aufbewahrt wurden, um heute den Grundstock des DIAF zu legen. Heute ist das Deutsche Institut für Animationsfilm eine bundesweit einzigartige Sammlung nicht nur zum DEFA-Trickfilm, sondern zum gesamtdeutschen Animationsfilm von seinen Anfängen bis heute. Wenn man in die Gegenwart schaut, ist Dresden eine Filmstadt geblieben. Das hat natürlich weiter Trickfilm Interesse gemacht. Da muss man die Firma Balance Film nennen, die von Ralf Kukula geführt wird, der seine ersten Schritte auf dem Gebiet der Animation im DEFA-Studio gemacht hat und der mit dem abendfüllenden Trickfilm "Fritzi – eine Wendewundergeschichte" einen ganz tollen Film für Kinder zum Thema Mauerfall vorgelegt hat.

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte
Szene aus "Fritzi – Eine Wendewundergeschichte" Bildrechte: Weltkino Filmverleih/Balance Film/TrickStudio Lutterbeck/Artémis Productions/Doghouse Films/MAUR film

Ihr ganz Großes Ziel, so steht sie auf ihrer Homepage, ist, dass sie die Sammlung deutscher Animationsfilme ständig kontinuierlich erweitern wollen. Ist das momentan die wichtigste Aufgabe?

Aktuell haben wir eine Sonderausstellung zur Stellung der Frau in der DDR im Allgemeinen und in der DEFA im Besonderen. Dafür haben wir unser Archiv geöffnet, um diesen Frauen ein Gesicht zu geben, von der Kantinenfrau bis zur Studioleiterin. Wir haben also viele Projekte. Die DIAF ist sogenannte filmbezogene Sammlung: Wir sammeln keine Filme selbst, sondern vor allem die Materialien, aus denen Filme gemacht werden, wie die Puppen, die Zeichenfolie, Drehbücher und so weiter. Diese Sammlung auszuweiten und den ganzen Trickfilmen von seinen Anfängen in Deutschland bis heute abzubilden, das ist unser Ziel. Der nächste große Schritt ist die Einführung einer digitalen Datenbank, mit der die Bestände digital abgefragt werden können.

Das Interview für MDR Kultur führte Constanze Kittel.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. November 2020 | 13:10 Uhr