Der Journalist, Autor und Ökonom Hannes Grassegger
Journalist, Autor und Ökonom Hannes Grassegger Bildrechte: IMAGO

Digitaler Kapitalismus Publizist Grassegger: So gefährden die Daten-Riesen unsere Demokratie

Der Publizist Hannes Grassegger sieht unsere Demokratie von Daten-Riesen wie Google bedroht. In seinem Essay "Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir " spricht er von einer Situation der "Digitalen Leibeigenschaft". Das sollten wir nicht mehr hinnehmen, sagt Grassegger im Gespräch mit MDR KULTUR.

Der Journalist, Autor und Ökonom Hannes Grassegger
Journalist, Autor und Ökonom Hannes Grassegger Bildrechte: IMAGO

Der Publizist Hannes Grassegger hat deutlich vor der Macht und dem Einfluss von Daten- und Tech-Unternehmen gewarnt. Im Gespräch mit MDR KULTUR sagte Grassegger, die Systeme die darauf aus seien, unsere Daten zu sammeln, würden den sozialen Frieden in unseren Ländern gefährten und auch Freiheit, Sicherheit und Demokratie in Gefahr bringen. Dies dürfe nicht mehr länger hingenommen werden, so Grassegger weiter.

Das ist nicht mehr vereinbar mit der demokratischen Ordnung, in der wir leben.

Hannes Grassegger

Mit einem Experiment verdeutlicht Grassegger die Situation. Er selbst habe versucht, von einem Datenhändler, einem sogenannten "Data Broker", Listen zu kaufen. Dafür gab er sich als Start-Up für religiöse Kochbücher aus und erhielt - ohne Probleme - nach Religion sortierte Adresslisten und Kontaktdaten von Millionen US-Amerikanerinnen. Aktuelle "Judenlisten, Muslimlisten und Christenlisten", inklusive deren Kreditkartenverlauf und möglichen Allergien: Das alles sei zum Preis von drei Cent pro Person zu haben gewesen.

Ich konnte bei einem Datenhändler aktuelle Judenlisten, Muslimlisten und Christenlisten für 3 Cent pro Person kaufen

Hannes Grassegger

Die Menschen rüsten auf

Dabei sei er längst "kein einzelner Rufer in der Wüste" mehr, so Grassegger. Hunderte Millionen Menschen nutzten inzwischen Sicherheitstechnologien wie beispielweise Adblocker oder PTP-Verschlüsselung. Das sei "Sand ins Getriebe" des Datenmarktes und immerhin ein erster Schritt, eine Art "digitale Rüstung".

Niemand schützt uns im Moment so sehr vor dem, was die Silicon-Valley-Unternehmen machen, wie die EU.

Hannes Grassegger

Schützenhilfe kommt von der neuen EU-Datenschutzverordnung: Dank Datenportabilität könne sich jeder seine Daten zurückholen. Wer ein Unternehmen anschreibt und fragt: "Zeigt mir mal, was ihr habt über mich", kann einen Einblick erhalten, wie tief deren Wissen geht. Zudem gäbe es inzwischen erste Ansätze von Handelsplattformen, auf denen man festlegen könne, was man nicht verkaufen will.

Daten nützen statt schützen

Die rechtliche Ebene reiche aber nicht aus, betont Grassegger. Die einzige Rettung vor den Supermonopolisten sei es, dass jeder selbst zum Eigentümer seiner Daten werde. Aktionen á la Jaron Lanier, also zum Beispiel seinen Facebook-Account zu löschen, hält er für so sinnvoll, "wie sich die Augen zuzuhalten".

Das Buchcover des Buches: Das Kapital bin ich
"Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir" erschienen bei Kein & Aber Bildrechte: Verlag Kein & Aber

Vielmehr gehe es darum, seine Daten "zu nützen, statt sie einfach nur nur schützen". Dafür entwickelten sich gerade Technologien, wie zum Beispiel "Blockchain". Diese Technik mache nachvollziehbar, wohin Daten fließen und eröffne die Möglichkeit, selbst einzugreifen. Dabei legt es sich als Layer über das bestehende Internet, macht die Datenströme transparent und ermöglicht es uns, diese selbst zu kontrollieren.

Über Hannes Grassegger Grassegger wurde 1980 geboren, ist Publizist und Ökonom. Als Autor setzt er sich mit den Themen Digitalisierung und Kapitalismus auseinander.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial | 12. Juli 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 20:57 Uhr