Museum der bildenden Künste Künftiger MdbK-Direktor will sich um Leipzigs junge Kunst kümmern

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig bekommt im Januar 2021 einen neuen Direktor: Kunsthistoriker Stefan Weppelmann, noch Direktor an der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien. Die Personalie wurde am Mittwoch vom Leipziger Stadtrat bestätigt. Mit MDR KULTUR hat Weppelmann über den Reiz von Stadt und Museum und seine künftigen Pläne für das MdbK gesprochen.

Der Chef der Gemäldegalerie, Stefan Weppelmann, 2017 8 min
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MDR KULTUR: Herr Weppelmann, was reizt Sie an Leipzig und am Bildermuseum?

Stefan Weppelmann: Ich freue mich sehr, dass ich in Leipzig sein kann und diese tolle Position antreten werde. Leipzig ist eine quirlige, sehr junge Stadt, die mir auf den ersten Blick Freude macht. Man muss hier sehr viel Kondition mitbringen, weil ein sehr lebendiges Kulturleben quasi Tag und Nacht passiert. Hier am Puls der Zeit zu arbeiten, darauf freue ich mich sehr.

Das Leipziger Bildermuseum reizt mich, weil es ein von den Bürgerinnen und Bürgern selbst zusammengetragenes Museum ist. Eine Sammlung, die aus der Stadt kommt, die die alte Kunst hat, aber auch sehr viel Zeitgenössisches zeigt. […] Ansonsten kann ich mit allen Medien arbeiten. Es gibt Zeichnungen, Fotografien, es gibt Malerei, Skulptur,  sogar die performativen Künste sind zugelassen. Das ist alles viel breiter aufgefächert als in meiner momentanen Position.

Haben Sie schon konkrete Pläne fürs nächste Jahr?

Wir werden die Ausstellungen, die jetzt schon geplant sind, zu Andreas Gursky und zu Caspar David Friedrich in Angriff nehmen und umsetzen. Mit den Kolleginnen und Kollegen werde ich sorgfältig über eine Programmierung nicht nur für das nächste Jahr sprechen. Wir werden uns um die junge Kunst in Leipzig kümmern. Wir werden versuchen, eine Brücke zwischen alten Meistern und Gegenwartskunst aufzuzeigen. Welche konkreten Projekte wir angehen, wird im Kreis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit mir gemeinsam zu finden sein.

Die Corona-Krise war nicht gerade zuträglich für den städtischen Haushalt in Leipzig. Was können Sie tun, um ein spannendes Ausstellungsprogramm zu machen in diesen schwierigen Zeiten?

Es ist klar, dass ich mich um das Geld sorgen muss. Das ist eine der Kernaufgaben bei so einem Museum, das Beste mit den vorhandenen Mitteln zu machen. Es gibt aber auch Dinge, die gar nicht so teuer sind. Man kann nach Formaten der Teilhabe suchen, mit der Stadtgesellschaft in Dialog treten, alle Menschen einbeziehen. Dazu braucht es zunächst einfach mal einen guten Willen, viel Energie und gar nicht so sehr Geld.

Sie sind gebürtig aus dem Münsterland, 1970 dort geboren und groß geworden. Zum Jubiläumsjahr der deutschen Einheit: Wie wichtig ist die unterschiedliche Sichtweise in Ost und West auf die deutsche Kunstgeschichte?

Ich denke, die mitteldeutsche Kunstgeschichte ist eine sehr selbstbewusste. Das zeigt sich auch an dem wunderbaren Museumsneubau – dem ersten großen Museumsneubau, der nach 1990 in Mitteldeutschland entstanden ist. Dieses Selbstbewusstsein, diese starke Marke, die Leipzig und andere ostdeutsche Städte für sich in Anspruch nehmen, wird auch stark durch die bildende Kunst vorgetragen. In Leipzig natürlich durch die Leipziger Schulen. Ich glaube, das kann sich alles auch international sehr großer Beachtung erfreuen. Und da gilt es, Fäden aufzunehmen und diese möglicherweise nach Westdeutschland zu spannen.

Ich würde mir auch vorstellen, mit Institutionen im ganzen Land lebendige Kooperationen aufrecht zu halten und neue aufzubauen. Einer meiner Vorgänger hat den sogenannten Leipziger Kreis der großen deutschen Museumseinrichtungen gegründet, der bereits ein solches Netzwerk ist, das vielleicht die in den Köpfen immer noch ein bisschen als Linie existierende Mauer überwindet.

Das Interview führt Vladimir Balzer für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. September 2020 | 08:40 Uhr