Regisseur im Interview Filmemacher Christian Petzold: Streaming-Portale können das Kino nicht ersetzen

Es geht wieder aufwärts für den deutschen Film-Regisseur Christian Petzold: Sein jüngster Film "Undine" sollte mitten im Corona-Shutdown starten und dann erkrankte er auch noch selbst an Covid-19. Nun freut er sich auf seine Aufgaben als Jury-Mitglied bei den Filmfestspielen von Venedig. Im Interview spricht er über seine Erlebnisse, seine Sorgen und Hoffnungen für die Kinolandschaft und er mahnt zur Geduld angesichts der weltweiten Epidemie.

Undine
Szene aus dem Film "Undine" Bildrechte: imago images/Prod.DB

Sein Film "Undine" läuft derzeit in den Kinos, von Kritikern und Zuschauern begeistert aufgenommen. Damit nicht genug: Christian Petzold wird in der Jury der Filmfestspiele in Venedig dabei sein. Die bevorstehende Italien-Reise im September ist für ihn nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung etwas ganz Besonderes: "Da war ich leider dazu verurteilt, vier Wochen im Bett zu bleiben und Fernsehen zu gucken. Seitdem weiß ich, dass ich mich wahnsinnig auf Venedig und auf das Kino freue."

Kultur

Christian Petzold 8 min
Bildrechte: imago images / Prod.DB

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Christian Petzold 8 min
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Corona-Maßnahmen sind richtig

Die derzeitigen Corona-Regelungen für die Kinos findet Christin Petzold richtig. Hygienemaßnahmen und Abstand seien notwendig. Man müsse das jetzt ein paar Monate oder länger durchhalten, sonst hätte "man irgendwann den Salat", so der Regisseur.

Als die Kinos gerade wieder aufgemacht hatten, stand ich vor ausverkauften Sälen, in denen aber nur 37 Leute saßen. Das hatte schon etwas Absurdes, aber gleichzeitig hatte es etwas Hoffnungsvolles.

Christian Petzold, Regisseur

Auswirkung noch drei Jahre lang spürbar

Dennoch vermutet Petzold, dass die Filmbranche die Auswirkungen der Corona-Krise noch zwei, drei Jahre länger spüren wird. Nach der völlig heruntergefahrenen Produktion wäre es schwer, bei Beginn beispielsweise wieder Beleuchter oder Kameraleute zu finden. Das könne dazu führen, dass sich der Anlauf neuer Produktionen weiter verzögert. "Ganz viele Leute haben die blöde Idee 'Machen wir doch mal einen Film über Pandemien.' Die will keiner mehr sehen. – Also wir werden das alle noch ein bisschen spüren."

Christian Petzold
Der Regisseur Christian Petzold Bildrechte: imago images / Prod.DB

Doch das Kino sei für ihn ohne Alternative. Christian Petzold glaubt nicht, dass Streamingdienste wie Netflix das Kino ablösen werden. "Das Kino ist eine gesellschaftliche Institution, ein Mythos, eine große Referenzgröße", sagt der Regisseur. Während des Shutdowns hatten viele Kinofilme bei Streamingdiensten Premiere, die als Heimkino angekündigt wurden. Für Petzold ist das kein Ersatz: "Netflix und Amazon wollen Kino spielen. Sie machen Werbung, als wäre das Kino, was sie am Abend senden. Für mich haben Netflix und Amazon keine Zukunft. Das ist nicht kuratiert. Das ähnelt den DVDs, die es früher beim Schlecker an der Kasse gab."

Kino während Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2020 | 08:40 Uhr