Buchcover «In the middle of Nüscht» vor ländlicher Kulisse
Die östliche Altmark ganz neu entdecken, das will "In the Middle of Nüscht". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gespräch mit Sibylle Sperling Reiseführer "In the Middle of Nüscht": Einladung zur Entschleunigung

"In the Middle of Nüscht" befindet sich in der östlichen Altmark – zumindest wenn es nach dem gleichnamigen Reiseführer von Sibylle Sperling geht. Und obwohl es sich um eine Gegend handelt, die nachts zu den dunkelsten Regionen Deutschlands gehört, sieht die Autorin viel Schönheit und Potenzial, das in ihrer Heimat schlummert. Was genau, das verrät sie im Interview mit MDR KULTUR.

Buchcover «In the middle of Nüscht» vor ländlicher Kulisse
Die östliche Altmark ganz neu entdecken, das will "In the Middle of Nüscht". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR: Wie kamen Sie auf die Idee einen Reiseführer über Ihre Heimat zu schreiben?

Ich hatte gar nicht vor so ein Buch zu machen. Es ist ein bisschen aus einem Mangel entstanden. Ich bin vor 10 Jahren in die Altmark gezogen, aus der Großstadt Berlin – da gab es natürlich immer ein reichhaltiges Angebot an Kultur. Dann sind wir hierher gezogen, in die Kleinstadt Stendal. Da war gefühlt für uns nichts los. Wir haben dann immer Bekannte und Kollegen gefragt: 'Was kann man denn am Wochenende so machen?' Auch mit kleinen Kindern. Und da kam immer nicht viel.

Zwei Frauen lächeln in die Kamera
Sibylle Sperling kehrte vor 10 Jahren zurück in ihre altmärkische Heimat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dann habe ich hier bei der Zeitung lange Zeit gearbeitet – und schon gemerkt, dass was los ist. Dass es Veranstaltungen gibt, aber dass man nicht wirklich etwas davon weiß. Ich habe dann überlegt, dass man eine Art Zeitschrift bräuchte, wo Kulturtipps gesammelt werden. Aber nicht nur für Stendal, sondern für die gesamte Altmark. Wo ich einfach reingucken kann, wo schöne Bilder drin sind. Später habe ich dann die Idee gehabt, ein ABC für die Altmark zu machen, zusammen mit einer Freundin in Leipzig. Ich habe mich damit auf Ideen-Wettbewerben beworben. Es ist immer gut angekommen und da fiel dann auch der Titel 'In the Middle of Nüscht' – das war dann eher so ein Kommentar und alles lachte. Ich hatte meinen Mann dabei und der meinte: 'Das muss der Titel dieses ABCs der Altmark werden.' Und später sprach mich dann ein Verlag an und fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, so einen Reiseführer oder Bildband für die Region zu machen.

Das Buch ist ein ganz schöner Wälzer geworden. Es hat 344 Seiten mit wunderschönen Fotos drin. Was macht denn die östliche Altmark aus und besonders?

Zum einen diese Lage. Ein Flecken, inmitten von Deutschland – zwischen den Großstädten Hamburg, Berlin, Leipzig, Hannover. Dann aber auch so ein Fleck, der noch relativ unentdeckt und unberührt vor sich hinschlummert. Wo wir eine total unberührte Natur haben. Zum einen diese Elbe, die sich so natürlich durch die Landschaft schlängelt. Aber dann eben auch ganz viele weite Wiesen, ein grenzenloser Himmel, viele kleine romantische Dörfchen, die teilweise erstmal verschlafen daherkommen, aber so niedlich sind und wo wir teilweise auch eine ganz schöne Dorfstruktur und aktive Dorfgemeinschaft haben. Dann wieder diese alten Hansestädte mit der Backstein-Gotik, die vielen Kirchen – die Altmark hat die höchste Kirchendichte – wir haben hier so viele Besonderheiten, die ich während der Zeit der Recherche entdecken durfte. Wo ich gesagt habe:

Die Altmark ist nicht 'nüschts', wir haben hier wirklich Sachen, mit denen können wir uns von anderen Regionen abheben.

Sibylle Sperling, Autorin von "In the Middle of Nüscht"

Wir haben ja hier auch den dunkelsten Himmel in Deutschland. Wir haben ganz wenige Menschen, die hier wohnen und dadurch entsteht eine ganz interessante Mischung, wo ich sage, man kann hier wirklich fünf Tage Urlaub machen, die Gegend lädt geradezu zum Entschleunigen ein.

Landschaft in der Altmark
Sperling wirbt für die Altmark als Tourismusregion. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie sieht es denn mit der Zukunft der Altmark als touristischer Ort aus? Bleibt es ein Geheimtipp oder geht es irgendwann noch einmal richtig los?

Ich denke eher, dass es seine Natürlichkeit und seine Ursprünglichkeit behält und dieses Unentdeckte eher bleiben wird. Es wird nicht eine Region werden, wo wir ganz viele touristische Attraktion haben und die Leute hier Sightseeing machen, sondern es wird tatsächlich eher ein Ort werden, wo man sich zurückziehen und zur Ruhe kommen kann. Wo wir vielleicht dann anfangen, Waldmeditation zu machen. Vielleicht werden unsere Kinder oder wir auch irgendwann lernen, ohne Handy Urlaub zu machen. Da bietet sich die Altmark an. Nicht, weil wir hier keinen Empfang haben, sondern weil es hier eine grenzenlose Weite gibt und nicht so eine dichte Besiedlung – so, dass man so ein Angebot hier noch viel weiter aufbauen kann.

Sie kommen als Journalistin und auch als Einheimische den Leuten sehr nah. Sie führen Interviews, lernen sie kennen und beschreiben sie. Wie ist denn der Altmärker oder die Altmärkerin?

Als Journalistin habe ich sie immer ganz offen und mir sehr zugewandt erlebt. Sehr herzlich. Sie haben mir immer relativ schnell ihre Geschichten erzählt. Wenn ich aber als Tourist oder Besucher durch die Gegend fahre, kann es schon manchmal sein, dass man irritiert ist, weil man nicht gleich mit offenen Armen empfangen wird. Der Altmärker, der ist sehr vorsichtig, hält sich erstmal bedeckt und möchte erstmal gucken, wie derjenige ist und öffnet sich schwer.  

Das Gespräch führte Julia Hemmerling.

Infos zum Buch In the Middle of Nüscht
Sibylle Sperling
344 Seiten
Omnino Verlag
19,99 €
ISBN: 978-3-95894-080-2

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. November 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2018, 04:00 Uhr

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