Zum 70. Geburtstag Iris Berben über das Alter, die Schauspielerei und Schönheit

Sie ist eine Schauspiel-Ikone, war neun Jahre Vorsitzende der Deutschen Filmakademie, ist Mutter und politische Aktivistin. Iris Berben hat viel erreicht und auch mit 70 Jahren hört sie nicht auf, zu kämpfen. Mit MDR KULTUR spricht sie über Zweifel der Schauspieler, Schönheit als Fluch und die Aversion gegen den Sensenmann.

Iris Berben 48 min
Bildrechte: imago images/Joachim Sielski

Sie hat in unzähligen Filmen mitgespielt, viele Genres bedient und ist eine Frau, die fast jeder in Deutschland kennt: Iris Berben. Jetzt wird die Wahl-Berlinern 70 Jahre alt. Mehr als 50 Jahre davon war Iris Berben bereits im Filmgeschäft. Eine Zeitspanne, an die nur sehr wenige Schauspielerinnen und Schauspieler herankommen. Aber trotzdem kennt sie die Angst, dass es nicht mehr weitergeht, oder dass es nur irgendwie weitergeht. "Es treibt uns auch an, dass wir diese Angst immer haben als Schauspieler, dass wir eben kein Engagement haben, was über Jahre durchgeht, sondern pro Film engagiert werden. Da kommen diese Zweifel und diese Unsicherheit. Aber die sind Teil eines guten Drucks", erzählt die Darstellerin.

Herausforderungen der Filmundustrie

Gerade ältere weibliche Schauspielerinnen haben es in der Filmindustrie nicht immer leicht. Die Frage, ob da schon genug getan wurde, beantwortet Iris Berben mit einem "Jein". Angesichts der vielen facettenreichen Rollen, die sie im Laufe ihrer Karriere gespielt hat, sieht sie sich selbst dabei ein bisschen als eine Ausnahme. Aber es könne nicht sein, dass es Kategorisierungen gebe, ab wann Geschichten nicht mehr erzählbar seien. Es habe sich schon etwas verbessert, so Berben, aber wir müssten den Weg weitergehen.

Sendungsbild
Luise Jansen (Iris Berben) und Frans Winther (Edgar Selge) beschnuppern sich. Bildrechte: HR/Degeto/Senator/Bavaria Pictures

Großen Erfolg kann Iris Berben als Schauspielerin verzeichnen, obwohl sie nie eine Schauspielschule besucht hat. Insofern habe sie, so sagte es Iris Berben MDR KULTUR, auch kein Handwerk, auf dass sie sich verlassen könnte. Die meisten Rollen gehe sie daher sehr emotional an, fühle sich rein. Die Kopfarbeit komme danach, in Gesprächen mit der Regie oder ihren Partnern.

Keine Freundin des Sensenmannes

Jetzt, wo die Zahl 70 im Raum steht, kommt auch Iris Berben ins Nachdenken. Sie schaue mit Erschrecken auf diese Zahl, sagte Berben, weil sie ihr die Endlichkeit so noch einmal auf eine kräftige Weise erzählt. Die Schauspielerin schaue zurück und freue sich darüber, wie intensiv ihr Leben auch war und ist. Sie werde ganz bestimmt keine Freundin des Sensenmanns werden, aber sie merke, dass er mehr Platz einnehme. Wenn sie aber doch ab und an mal Anzeichen des Älterwerdens merke, die sie nicht mag, aber ertragen muss, hat Iris Berben eine bewährte Strategie: "Da drehe ich dann die Musik so laut auf und tanze so wild durch meine Wohnung, dass ich so tue als gäbe es diese Momente nicht, setze mich allerdings nach genau zwei Minuten derart erschöpft auf einen Stuhl, weil ich nicht weiterkomme."

Konsul Jean (Armin Mueller-Stahl) und Bethsy (Iris Berben) Buddenbrook.
Konsul Jean (Armin Mueller-Stahl) und Bethsy (Iris Berben) Buddenbrook in der Verfilmung von Manns Familienroman Bildrechte: MDR/Bavaria Film GmbH/Stefan Falke

Iris Berben galt immer schon als auffällig schöne Schauspielerin – das ist für sie nicht nur ein Segen, sondern manchmal auch ein Fluch gewesen. Gerade früher habe sie oft gedacht, darauf reduziert zu werden, sagte Iris Berben MDR KULTUR. Ab und zu habe sie das Gefühl gehabt, dagegen ankämpfen oder dagegen anspielen zu müssen. Das gute Aussehen könne schon ein Türöffner sein. Aber man bleibe nicht aufgrund seines Äußeren weiter engagiert, sondern irgendwann müsse man dann schon Inhalte liefern, so die Schauspielerin.

Berühmtheit belastet

Wer 50 Jahre im Filmgeschäft ist, schafft es kaum noch unterwegs zu sein, ohne erkannt zu werden. Im Gespräch verrät sie, sie versuche sich dem so gut es ginge zu entziehen und im Alltagsleben unterzutauchen. Mit einem Tunnelblick gehe es ganz gut, so Berben. Der Augenkontakt sei das verräterische. Wenn man den nicht herstellt, würden sich die wenigsten trauen, sie anzusprechen. Aber im Vergleich zu den Autogrammkarten, die früher beliebt waren, ist der Kontakt zu Fans laut Berben heute anders: "Es hat sich natürlich durch diese technischen Möglichkeiten verändert. Diese Selfies und das Fotografieren mit dem Handy, das finde ich in der Tat übergreifend. Da gibt es plötzlich keine Trennung."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. August 2020 | 12:00 Uhr