Jaques Offenbach
Jacques Offenbach Bildrechte: imago images / United Archives International

200. Geburtstag des Komponisten Wie Jacques Offenbach die Operette erfand

Paris ist eine Reise wert, sagt man. Im Falle von Jakob Offenbach, der in Frankreich den Vornamen in ein Jacques verwandelte, wurde ein Leben daraus. Dort erfand er seinen Can-Can, schrieb aber auch großartige Cellosuiten, Klavierkonzerte und mehrere Opern. Er war bissiger Satiriker, extrem produktiver Komponist, Workaholic und Begründer der Operette. Vor 200 Jahren wurde der Komponist, Cellist und Großmeister der leichten Musik geboren.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Jaques Offenbach
Jacques Offenbach Bildrechte: imago images / United Archives International

Klappern gehört zum Handwerk. Mit seiner Kunst allein kommt man als Komponist und Musiker nicht weiter. Show muss schon sein: In tiefer Versunkenheit das Cello bedienen, um schließlich in lauter vorgetäuschter Ergriffenheit scheinbar bewusstlos darnieder zu sinken. Sowas erreicht die Leute. Oder man bringt Suchanzeigen der besonderen Art in die Zeitung:

Dieses junge Wunder bittet uns um die Mitteilung, ihm sei ein Taschentuch abhanden gekommen, auf das er die Melodie eines neuen Walzers gekritzelt hat. Eine hohe Belohnung für den, der das Taschentuch findet.

Zeitungsartikel

"Dieses junge Wunder" ist selbstredend kein anderer als Jacques Offenbach. Er vereint schon als junger Mann künstlerisches Können mit Arbeitseifer und Esprit.

Meisterhafter Geiger mit zehn Jahren

Karikatur
Karikatur des Musikers Jacques Offenbach von 1866 Bildrechte: imago/Leemage

Offenbach kommt in Köln zur Welt. Durch den musizierenden Vater einschlägig vorbelastet, zeichnet sich seine berufliche Perspektive früh ab. "Als ich sieben Jahre alt war, stellte man mit Erstaunen fest, dass ich meisterhaft Geige spielen konnte", schrieb Offenbach über sein Können. "Mit zehn jonglierte ich mit gewissen Schwierigkeiten das Cello. Mit zwölf fing ich an, schwarze Notenköpfe auf Papier von jeglicher Farbe zu werfen."

Trotz permanenten Geldmangels wird das Talent im Hause Offenbach gefördert. Weil Papa die Weiterbildungsmöglichkeiten des talentierten Kindes vor Ort für zu gering hält, befördert er es eigenhändig nach Paris und bringt es mit einer gehörigen Portion Überredungskunst am dortigen Konservatorium unter.

Nur kleine Erfolge in Paris

An diesem Institut hält es Offenbach nicht lange aus, aber die Stadt schließt er rasch ins Herz. In einem Brief aus London schreibt er:

Alle Ehrungen hindern nicht, dass ich mein schönes Paris noch mehr liebe. Dort ist alles graziös, kokett und – warm, besonders wenn man einige wahre Freunde hat.

Offenbach in einem Brief

Paris zeigt sich Offenbach gegenüber indes nicht ganz so berauscht. Ja, er darf als Cellist an der Opéra-Comique wirken, Unterricht erteilen, von der Kritik wohlwollend besprochene Konzerte mit von ihm erdachten kleinen dramatischen Szenen zu Gehör bringen – allein, die große Bühne bleibt ihm versagt.

Eröffnung des "Theatre des Bouffes-Parisiens"

Die schöne Helena von Jacques Offenbach
"Die schöne Helena" 1890 Bildrechte: imago/Leemage

Und schließlich reift in dem inzwischen zum Kapellmeister der Comédie-Francaise avancierten Offenbach ein Entschluss. "Angesichts der dauernden Unmöglichkeit, aufgeführt zu werden, kam mir der Gedanke, selber ein Musiktheater zu gründen", schreibt er. "Ich sagte mir, dass die wirklich buffoneske, heitere, geistreiche Musik, kurz die Musik, die Leben in sich hat, nach und nach in Vergessenheit geriete, erkannte, dass es etwas für die jungen Musiker zu tun gäbe."

Gedacht und 1855 umgesetzt: mit dem "Theatre des Bouffes-Parisiens" schafft er sich die Abspielstätte für seine Kompositionen. Die Pariser sind begeistert, und als hier drei Jahre später "Orpheus in der Unterwelt" über die Bühne geht, liegen sie ihm endgültig zu Füßen. Aber auch in anderen Städten, in Berlin, Wien oder London, folgt man dem Maestro bereitwillig, der mit Operetten wie "Die Schöne Helena", "Pariser Leben" oder "Die Insel Tulipatan" ein ums andere Mal im Erfolg baden kann. Gespielte Ohnmachtsanfälle hat er mittlerweile aus seinem Repertoire gestrichen.   

Offenbach-Vorstellungen in Mitteldeutschland "Hoffmanns Erzählungen"
Fantastische Oper in fünf Akten
Deutsches Nationaltheater Weimar.
Musikalische Leitung: Stefan Lano
Inszenierung: Christian Weise
Premiere am 8. September 2019

"Hoffmanns Erzählungen"
Fantastische Oper in fünf Akten
Großes Haus Gera
Musikalische Leitung: Thomas Wicklein
Inszenierung : Kay Kuntze
Nächste Termine: April 2020

"Die Banditen (oder die Mauer muss weg)"
Moritzbastei Leipzig
Sommertheater mit der Inselbühne Leipzig
Regie: Volker Insel
Termine: 6. bis 28. Juli, 20 Uhr

"Die Großherzogin von Gerolstein"
Opera-bouffe in drei Akten
Semperoper Dresden
Musikalische Leitung: Jonathan Darlington
Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Premiere: 29. Februar 2020

"Pariser Leben"
Operette
Landesbühnen Radebeul
Musikalische Leitung: GMD Florian Merz (Bad Elster), Karl Bernewitz
Inszenierung: Christopher Tölle

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juni 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 04:00 Uhr

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