Jahr der Industriekultur 2020 Sächsische Industriekultur – Lassen Sie sich begeistern!

Im Jahr der Industriekultur 2020 blickt Sachsen auf seine 500-jährige Industrie- und Gewerbetradition zurück. Und die ist vielfältig, vom Autobau über die Eisenbahngeschichte, den Bergbau bis zur Herstellung von Musikinstrumenten. Industriekultur ist allgegenwärtig, man begegnet ihr beim Spaziergang, auf Reisen und sogar in unserer Sprache. Wir haben für sie ein paar sächsische Inspirationen zusammengestellt, die Sie vielleicht zu eigenen Erkundungen anregen könnten.


Sächsische Mobilität

Sächsische Industriekultur zu erleben ist nicht schwer. Manchmal genügt es schon, sich in ein Auto zu setzen, eines der Marke Audi. Denn diese Marke erblickte in Zwickau das Licht der Welt, gegründet 1909 von August Horch, der dem Wagen auch seinen Namen gab: "Audi" ist lateinisch für "Horch!"

August Horch Museum in Zwickau
Blick in das August-Horch-Museum in Zwickau Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Backsteinästhetik

Typisch für die Industriearchitektur um 1920 war der sogenannte Backsteinexpressionismus, bei dem durch das gezielte Setzen der Backsteine Muster in der Fassade entstehen. Hier die Leipziger Konsumzentrale, errichtet im Jahr 1930.

Die Konsumzentrale ist ein Bauwerk des Expressionismus im Leipziger Stadtteil Plagwitz und wurde vom Architekten Fritz Höger erbaut.
Die Konsumzentrale ist ein Bauwerk des Backsteinexpressionismus im Leipziger Stadtteil Plagwitz und wurde vom Architekten Fritz Höger erbaut. Bildrechte: imago images / Peter Endig

Die Unterwelt

Die Montanregion Erzgebirge ist UNESCO-Welterbe. In vielen Bergwerken ist zwar heute "Schicht im Schach", aber die Sprache der Bergmänner lebt weiter – in bekannten Redewendungen. Da wäre zum Beispiel "auf die schiefe Bahn geraten", damit meinte man früher vermutlich einen Stollen, der schräg nach unten verläuft. Wenn der Bergmann nicht aufpasste, rollte der Förderwagen ungebremst hinab.

Symbolbild - Kipplore in einem Bergwerk.
Das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf Bildrechte: imago images / Rainer Weisflog

Freiheit der Bergleute

Auch an Städtenamen lässt sich die einstige Bedeutung des Bergbaus ablesen. So meinte der Name Freiberg tatsächlich einst den "freien Berg", denn hier durften die Bergleute frei schurfen, ohne Zwang und ohne Dienstherrn. In Freiberg waren sie also freie Leute.

Autos stehen vor dem Stadt- und Bergbaumuseum (r) sowie dem Dom zu Freiberg.
Das Stadt- und Bergbaumuseum (r.) und der Dom zu Freiberg. Bildrechte: dpa

Neuseenland

Die Bagger sind weg, ihre Spuren sind geblieben: Etwa 50 Seen sind in Sachsen aus ehemaligen Tagebauen entstanden. Sie ziehen Touristen an und bieten Lebensraum für seltene Arten wie die Rohrdommel. Aber sie stehen auch in der Kritik: Naturschützer fürchten, dass bei der Flutung Schwermetalle freigesetzt werden.

Menschen am Cospudener See
Am Cospudener See lässt es sich gut entspannen. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Sitzenbleiben leicht gemacht

August der Starke soll eins notiert haben: "Rabenau – hier ist merkwürdig, dass fast alle Einwohner Stuhlmacher sind". In dem Städtchen am Rand des Erzgebirges kann man sich auch heute noch individuelle Sitzmöbel anfertigen lassen. Diese sollten natürlich "astrein" sein, also aus Holz gefertigt, das keine Astlöcher hat.

Verschiedene Stühle stehen auf dem Marktplatz von Rabenau
Stühle aus Rabenau Bildrechte: dpa

Die Schönheit der Gasometer

Industrielle Gebäude waren nicht nur funktional, so zu sehen bei den alten Gasometern in Leipzig oder Zwickau. Einst errichtet, um Gas zu speichern – unter einer großen Glocke in der Mitte des Gebäudes – wurde beim Bau auch an die Ästhetik gedacht. Verzierungen an der Fassade hatten keinen praktischen Nutzen, sind aber einfach schön.

Gasometer «Asisi Panometer» in Leipzig
Das Gasometer in Leipzig Bildrechte: dpa

Dresdner Gaslaternen

Das Gas aus den Gasometern landete unter anderem in Laternen für die Straßenbeleuchtung, wie sie heute noch Dresden zu finden sind. Doch das sogenannte Stadtgas war nicht ungefährlich. Das Einatmen konnte zum Erstickungstod führen (heute wird das unbedenkliche Erdgas verwendet). Die Einführung der Elektrizität war also ein Segen.

Eine historische Gaslaterne erhebt sich in Dresden auf der Brühlschen Terrasse vor den Türmen der Kunsthochschule, des Schlosses, des Ständehauses und der Katholischen Hofkirche.
Eine historische Gaslaterne auf der Brühlschen Terrasse in Dresden. Bildrechte: dpa

Wasserkraftwerk Mittweida

"Strom? Brauchen wir nicht!" – so sollen die Bürger von Mittweida um 1900 mehrheitlich geantwortet haben, als sie gefragt wurden, ob die Stadt ein Wasserkraftwerk bauen solle. Vermutlich konnten sie mit der damals noch recht unbekannten Elektrizität wenig anfangen. Ein Kraftwerk wurde dennoch gebaut, zunächst ein kleineres.1923 ging dann auch noch ein großes Wasserkraftwerk in Betrieb, das heute als Veranstaltungsstätte genutzt wird.

Das Wasserkraftwerk Mittweida inmitten von Wasser und Grün.
Das Wasserkraftwerk Mittweida inmitten von Wasser und Grün. Bildrechte: MDR/ enviaM

Eisenbahnbrücken

Wer viel Zug fährt, überquert wohl öfter mal ein Denkmal – ohne es zu merken. Fast alle größeren Eisenbahnbrücken in Sachsen haben mehr als hundert Jahre auf dem Buckel, viele wurden sogar vor 1900 gebaut. Die älteste von ihnen, errichtet 1837/38, steht in Kornhain bei Wurzen. Wesentlich beeindruckender ist jedoch die Göltzschtalbrücke im Vogtland. Nachteil der schönen alten Brücken: Viele von ihnen sind marode.

Göltzschtalbrücke
Die imposante Göltzschtalbrücke Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Orte des Wohlklangs

Machen Sie Musik? Dann hatten Sie vielleicht schon ein Instrument aus Markneukirchen in der Hand. Mit rund hundert Instrumentenbaubetrieben gilt die Stadt im Vogtland als ein Zentrum des deutschen Instrumentenbaus. Von hier stammen so berühmte Marken wie Warwick (E-Gitarren und E-Bässe), B&S (Blechblasinstrumente), die DDR-Marke Musima oder auch Adler-Heinrich mit den beliebten Bockflöten.

Miniaturviolinen auf einer Hand.
Miniaturviolinen aus Markneukirchen Bildrechte: dpa

Der Ursprung der (Industrie-)Kultur

Kultur ist, wenn wir ins Theater, ins Konzert oder ins Museum gehen? Nicht nur! Der Begriff "Kultur" geht zurück auf das lateinische Wort "cultura", was so viel bedeutet wie "Bebauung", "Bearbeitung" oder auch "Pflege". Insofern sind auch verrußte Schlote, stinkende Maschinen und rostige Förderbänder ein Stück Kultur, das wir würdigen sollten.

Maschinen in der historischen Brikettfabrik Knappenrode
Maschinen in der historischen Brikettfabrik Knappenrode in Ostsachsen. Bildrechte: imago images / imagebroker

Industriekultur hören

Eberhard Fiebig alias Fabrikant Richard Hartmann gibt vor der historischen Tenderlokomotive von 1910 aus den Hartmannwerken im Industriemuseum einen Vorgeschmack auf die 4. Sächsische Landesausstellung. 4 min
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Neben der zentralen Ausstellung gibt es sechs weitere Schauplatzausstellungen. Zum Beispiel die im Industriemuseum Chemnitz zur 200jährigen Maschinenbautradition. Jaqueline Hene stellt sie vor.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 10.07.2020 18:00Uhr 03:54 min

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Große Zahnräder im Industriemuseum Chemnitz 7 min
Bildrechte: MDR SACHSEN

500 Jahre Industriekultur in Sachsen Transnational + Regional

Transnational + Regional

Die Industrialisierung ist ein transnationaler Prozeß mit starken regionalen Unterschieden. Wie wurde Sachsen zu einem der reichsten und am weitesten entwickelten Territorium in Deutschland? Dazu Prof. Helmut Albrecht.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 10.07.2020 18:00Uhr 07:13 min

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Eine Videoinstallation zum Annaberger Bergaltar läuft in der fast fertigen Landesausstellung im Audi-Bau. 5 min
Bildrechte: dpa

Eine Medieninstallation von Clemens Wedemeyer bringt den Annaberger Bergaltar, ein Leitobjekt der Ausstellung, und den Bergbau in Lateinamerika zusammen. Grit Krause hat es schon gesehen.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 10.07.2020 18:00Uhr 05:13 min

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Jahr der Industriekultur, 2020, Sachsen 7 min
Bildrechte: Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Mehr zur Sächsischen Landesausstellung "Boom"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juli 2020 | 18:05 Uhr