Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Burg Jahresausstellung 2019, Ezra Dilger, Anthropocene Souvenirs
Ezra Dilgers Designprojekt "Anthropocene Souvenirs" sind kleine CO2-Speicher, die je nach CO2-Belastung nachdunkeln Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Jahresausstellung Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle Wie Design die Welt verbessern kann

An diesem Wochenende präsentieren die Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein ihre Arbeiten. Es gibt Kunst und Design, aber auch Mode zu sehen. Besonders interessant sind Design-Ideen, die nicht nur ästhetisch sind, sondern die Welt ein bisschen besser machen wollen, z. B. kleine CO2-Speicher, die sich bei hoher CO2-Belastung verfärben.

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Burg Jahresausstellung 2019, Ezra Dilger, Anthropocene Souvenirs
Ezra Dilgers Designprojekt "Anthropocene Souvenirs" sind kleine CO2-Speicher, die je nach CO2-Belastung nachdunkeln Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Eine Einladung zum Dialog solle die diesjährige Jahresausstellung der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein sein, das betonte deren Rektor Dieter Hofmann am Mittwoch in Halle. Zu sehen gibt es bis zum Sonntag (14. Juli) Werke von Studierenden aus allen Studienrichtungen wie Mode, Design, Kunst oder Textilgestaltung.

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Burg-Rektor Dieter Hofmann Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Ich glaube so, Gestalten und Kunst-Machen aus dem luftleeren Raum, das geht einfach nicht, sondern das ist ja immer auch eine Reflexion der Gegenwart, der eigenen Gegenwart in der Gesellschaft, wenn man Kunst und Design macht.

Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Schon mit den Plakaten und anderen Öffentlichkeitsmitteln zur Jahresausstellung positioniert sich die Burg als Hochschulgemeinschaft und Kulturinstitution. Neben den Daten zur Ausstellung sind darauf Statements wie "Wir schützen die Freiheit und Unabhängigkeit von Kunst und Design" zu lesen. Wichtig ist Rektor Hofmann, dass die öffentliche Darstellung der Kunsthochschule aus einem beständigen Dialog an seinem Haus entstand, der die Meinung aller erfasse und der auch beständig fortgeführt werden soll.

Wir machen uns stark für ein plurales Miteinander und individuelle, eigensinnige Wege.

Plakatspruch zur Jahresausstellung der Burg

Einblick in die Jahresausstellung der Burg

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Die Installation "Der Mond ist ein Loch" der Keramikerin Julia Himmelmann nutzt eine Rampe als Bühne für ihre Inszenierung "einer kleinen Gruppe aus Phallus, Wurst, Teppich und Accessoire" Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Die Installation "Der Mond ist ein Loch" der Keramikerin Julia Himmelmann nutzt eine Rampe als Bühne für ihre Inszenierung "einer kleinen Gruppe aus Phallus, Wurst, Teppich und Accessoire" Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Es sind Skulpturen aus Brot, die an die ältesten menschlichen Kunstwerke erinnern, steinzeitliche weibliche Torsi. Bei ihrer Arbeit "Vulva und Venus" hat die Künstlerin Elisabeth Rudolph aber auch Vulven aus Brot geformt. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Die drei Objekte gehören zusammen: "Sternfahrt. Eine Traumsequenz", "Totenschiff" und "Metallende Wegweiser" nennt sich das Werk der Metallgestalterin Maria Mandalka. Dem Besucher bleibt die Wahl, sich auf die Gesamtheit einzulassen oder die Einzelobjekte zu fokussieren. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Auch in der Namensgebung ihres Werkes "Raum D a z w i s c h e n" verweist Kristina Buketova auf Fragen elementarer Sinnhaftigkeit. Wo beginnt die Leere, wo die Raumformung eines bewusst erkennbaren Objektes? Sie gibt Hinweise aus Metallgewebe. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Pia vom Ende transferiert mit ihrer Reihe "Kannibl_dark_img–unheimliche Heiterkeit" die Geschichten vom Fressen und Gefressenwerden in die heutige Dimension des Konsums und Selbstverzehrs. (Bildausschnitt) Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Ein weitere Bild aus der Reihe "Kannibl_dark_img–unheimliche Heiterkeit" von Pia vom Ende. (Bildausschnitt) Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Max Stalters Projekt "Pigeon Guano Company" ist nicht nur eine Designidee, er hat dazu gleich eine Firma gegründet. Aus dem Anliegen, das schlechte Image der Stadttauben als "Ratten der Lüfte" aufzubessern, kam er darauf, ihren Kot (Guano genannt) für die natürliche landwirtschaftliche Düngung zu nutzen. Motto: Lieber die Taube auf dem Dach als zu wenig Guano beim Urban Gardening! Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
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Die Designerinnen Magdalene Neynaber und Laura Klingele haben eine App entworfen, mit der man sein urbanes Lebensumfeld aktiv mitgestalten kann. Vermisst man an einer Stelle beispielsweise eine Parkbank, hinterlässt man in der App einen Pin. Machen noch 99 andere mit, muss sich die Stadt mit dem Vorschlag beschäftigen. So werden Bedürfnisse spielerisch erkannt. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
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Ezra Dilgers Designprojekt "Anthropocene Souvenirs" sind kleine CO2-Speicher, hergestellt in 3D-Druckern aus Kaliumhydroxid. Da Pflanzen das enorme humane CO2-Aufkommen nicht mehr kompensieren können, sollen diese Objekte das Gas binden. Dabei verfärben sie sich je nach CO2-Belastung von weiß nach violett. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Im Grundlagenstudium konnten sich die Studierenden auch mit natürlichen Designlösungen beschäftigen. So sind Kieselalgen enorm stabile Konstruktionen. Um ihren Aufbau sinnlich zu erfahren, formten die Studierenden die abstrakten Formen der Mikroorganismen selbst nach. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Louis Möckel, marienkäferlarven,ökologie
Louis Möckel betreibt einen ökologischen Ablasshandel – 500 Jahre nach Luthers Anprangerung des religiösen Ablasshandels. Bei Möckels Designaktion "sei frei lass ab" können Konsumenten Maikäferlarven erwerben und so aktiv dem Insektensterben entgegensteuern. Sogar kleine Ablassbriefe gibt es (rechts hinten). Bildrechte: MDR/Olaf Parusel
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Ökologischer Ablasshandel

Vor allem im Bereich Design überrascht die Burg in diesem Jahr wieder mit interessanten Projekten von gesellschaftlicher Relevanz. So hat der Student Louis Möckel einen Ablasshandel für Kaufsünden entwickelt, den er schon auf dem halleschen Marktplatz präsentiert hatte. Von der Mitschuld am Insektensterben können sich Konsumenten bei ihm mit dem Erwerb einer Maikäferlarve freikaufen. Als Beleg gibt es einen Ablassbrief – wie zu Luthers Zeiten.

Für das Weiterleben der Larven übernimmt man dann die Verantwortung und kann so aktiv dem Insektensterben entgegenwirken, beziehungsweise durch die Auseinandersetzung mit dem Thema auf weitere Lösungsansätze kommen. Auch das ist ein Angebot zum Dialog.

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Louis Möckel, marienkäferlarven,ökologie
Louis Möckel bot einen ökologischen Ablasshandel an, um das Insektensterben zu thematisieren Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Imageaufbesserung für Stadttauben

Der Designer Max Stalter will das schlechte Image der Stadttauben aufzubessern. Dazu gestaltete er Tauben-Wohlfühloasen, die einen bestimmten Zweck erfüllen: Man kann in ihnen den Kot (Guano genannt) der Tiere sammeln. Dieser lässt sich traditionell für die natürliche landwirtschaftliche Düngung nutzen. Die vermeintlichen Schadtiere, die mit ihren Abfallprodukten angeblich die Umwelt "verschmutzen", werden so zu nützlichen Helfern. Stalter hat dazu auch eine Firma gegründet: "Pigeon Guano Company". Erste Versuche auf Plattenbaudächern gibt es auch schon. Gerade in städtischen Lebensräumen kann man so effizient für eine naturgemäße Düngung der Pflanzen sorgen – und so beispielsweise beim Urban Gardening ohne gekaufte chemische Düngemittel auskommen.

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Max Stalter will Abfallprodukte von Tauben nutzbar machen Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Design ist mehr als schöner Schein

Der Begriff Design wird von den Kreativen heute viel weiter gefasst, als er in der üblichen Sichtweise als ästhetische Objektgestaltung betrachtet wird. Schon zur Zeit der Gründung der Burg 1915 und des Bauhauses 1919 verstand man Design als etwas Soziales. In jüngerer Zeit wird Design zunehmend auch als Prozess begriffen. Demnach sind die geschaffenen Objekte in ihrer Gesamtheit zu sehen,  beispielsweise aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit durch die Materialauswahl oder in der Betrachtung einer späteren umweltfreundlichen Entsorgung. Auch die soziale Verantwortung im Produktionsprozess, so in der Vermeidung ausbeuterischer Herstellungsmethoden, bildet einen wichtigen Aspekt in der Gesamtheit des Designs. Unter diesen Aspekten verweist Rektor Hofmann auch eindringlich auf die politische Verantwortung von Kunst und Design.

Kunst und Design ist nie unpolitisch.

Dieter Hofmann, Burg-Rektor

Ausstellungsobjekt der Burg Jahresausstellung 2019, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Von Studierenden gestaltete Nachbildungen mikroskopisch kleiner Kieselalgen Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Jahresausstellung 2019 der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Eröffnung und Verleihung des Kunstpreises der Stiftung Sparkasse:
Freitag, 12. Juli 2019, 18:00 Uhr im Volkspark Halle
danach ab 20:00 Uhr Werkschau Mode im Volkspark

Jahresausstellung:
an allen Kunsthochschul-Standorten und weiteren Orten in Halle (Saale)
13. und 14. Juli 2019, 10 bis 18:00 Uhr
Eintritt kostenfrei

Parcour 2019 - Diplome der Kunst:
Eröffnung: Freitag, 12. Juli, 19:00 Uhr
Öffentliche Schau: 13. bis 28. Juli
Öffnungszeiten
13. und 14. Juli 2019, 10 bis 18:00 Uhr
19. bis 21. Juli sowie 26 bis 28. Juli, 14 bis 19:00 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juli 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 18:45 Uhr

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