Eine zerknitterte Jamaika-Fahne liegt in einer Mülltonne
Die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition (wie in der Jamaika-Flagge zu sehen) sind gescheitert. Bildrechte: dpa

Sprachauszeichnung "Jamaika-Aus" ist "Wort des Jahres" 2017

Eine zerknitterte Jamaika-Fahne liegt in einer Mülltonne
Die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition (wie in der Jamaika-Flagge zu sehen) sind gescheitert. Bildrechte: dpa

"Jamaika-Aus" ist zum "Wort des Jahres" 2017 gekürt worden. Wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden mitteilte, beschreibe das Wort nicht nur die aktuell schwierige Regierungsbildung in Deutschland, sondern sei auch sprachlich interessant. Auf dem zweiten Platz ist "Ehe für alle" gelandet, den dritten Platz belegt das Internet-Schlagwort "#MeToo".

Komplexer Sachverhalt knapp zusammengefasst

Das Wort "Jamaika-Aus" verweise auf das erfolglose Ende der Sondierungsgespräche zwischen den Parteien CDU, CSU, FDP und Grünen. Außerdem lenke es den Blick auf eine interessante Wortbildung, begründete die GfdS ihre Entscheidung:

Mit der Substantivierung 'das Aus' wird umgangssprachlich auf das Ende, das Scheitern von etwas verwiesen; die Zusammensetzung Jamaika-Aus bringt somit prägnant den komplexen Sachverhalt [...] zum Ausdruck.

Aus der Begründung der Jury

Zudem habe nicht nur der Landesname Jamaika eine neue Bedeutung erhalten, sondern auch die Aussprache sei mittlerweile eingedeutscht, so die GfdS weiter. "Nachdem die englische Lautung 'Dschamäika' bereits seit langem zu 'Dschamaika' geworden war, hört man am Wortanfang anstelle von 'Dsch' heute zunehmend auch ein 'J' wie in 'Jahr'."

"Ehe für alle", das auf den zweiten Platz der "Wörter des Jahres" 2017 gewählt wurde, beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. GfdS-Vorsitzender Peter Schlobinski sagte dazu, dass der Ausdruck auch falsch interpretiert werden könne, da "alle" beispielsweise auch Kinder umfassen würde. Die Bedeutung des Wortes "Ehe" sei mit der neuen Regel erweitert worden.

Das Internet-Schlagwort "#MeToo" entspringt der weltweiten Bewegung, die seit dem Herbst sexuelle Übergriffe anprangert. Ausgelöst wurde die Kampagne mit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Die Opfer wollten damit auf das Ausmaß des Problems aufmerksam machen, erklärte die Jury der GfdS.

Weitere Plätze der insgesamt zehn Begriffe, die es auf die Liste der "Wörter des Jahres" 2017 geschafft haben, belegen: "covfefe" (Diesen Begriff ohne erkennbare Bedeutung benutzte US-Präsident Donald Trump in einem Tweet.), "Echokammer", "Obergrenze", "Diesel-Gipfel", "Videobeweis", "Denkmal der Schande" und "hyggelig".

Wörter und Wendungen der Zeitgeschichte

Aus tausenden Vorschlägen wählte eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Begriffe aus, die ihrer Meinung nach die aktuelle öffentliche Diskussion in Deutschland dominiert und geprägt haben. 2016 schaffte es das Wort "postfaktisch" auf den ersten Platz, dicht gefolgt von "Brexit" und "Silvesternacht".

Seit 1977 wählt die GfdS regelmäßig Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben. Die dafür zuständige Jury setzt sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Die Jury berücksichtigt eine Sammlung von mehreren tausend Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden. Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen Beitrag zur Zeitgeschichte dar. Die ausgewählten Wörter und Wendungen sind jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Kompakt | 08. Dezember 2017 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2017, 10:52 Uhr

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