Neues Album "American Standard" James Taylor: Sanfte Töne gegen seelenlose Algorithmen-Musik

James Taylor spielt auf seinem neuen Album Klassiker aus dem Great American Songbook, die ihn schon in seiner Kindheit geprägt haben. Und das möchte er jetzt an die nächste Generation weitergeben. Taylor ist eine Institution in Sachen Folk-Rock. Seit den späten 60ern hat der Mann aus Boston über 100 Millionen Tonträger verkauft, Welthits wie "Fire and Rain" und "You've Got a Friend" gelandet und fünf Grammys gewonnen. Marcel Anders hat den 71-Jährigen für MDR KULTUR in London getroffen.

Der Singer-Songwriter James Taylor in Hong Kong, 2017
James Taylor hatte schon einen Gastauftritt bei den Simpsons Bildrechte: dpa

Fünf Jahre hat James Taylor für sein neues Album  "American Standard" gebraucht. Dabei handelt es sich um Coverversionen von Henry Mancini, Hammerstein & Rogers, Billie Holiday und weiteren Vertretern des Great American Songbook. Warum er gerade diese ausgewählt hat, erklärt er mit seiner kindheitlichen Prägung:

James Taylor
James Taylor Bildrechte: Norman Seeff; All Rights Reserved

Ich höre diese Songs seit meiner Kindheit. Einfach, weil sie zur Plattensammlung meiner Familie gehörten. Und als ich gelernt habe, Gitarre zu spielen, habe ich mich ebenfalls an den Stücken aus 'Oklahoma', 'My Fair Lady' oder 'Guys And Dolls' versucht. Ich habe eine Menge von ihnen gelernt.

James Taylor

Nostalgie und Qualitätsbewusstsein

Er durchlaufe gerade eine nostalgische Phase, bekennt Taylor. Seine Zwillinge aus dritter Ehe sind aus dem Haus, er hat seine Autobiographie für Audible eingesprochen und schwelgt nur zu gerne in Erinnerungen an seine Jugend. Dazu zählen auch Songs aus Musicals, Cartoons und Cabaret-Shows aus den 40er- und 50er-Jahren.

James Taylor, American Standard, CD-Cover
Das Cover des Albums "American Standard" von James Taylor Bildrechte: CONCORD

Laut Taylor das Beste, was je auf amerikanischem Boden komponiert wurde. Deshalb möchte er sie seiner Generation in Erinnerung bringen – und auch junge Hörer gewinnen: "Ich denke, es ist wichtig, ihnen Zugang zu diesem exquisiten Songwriting zu verschaffen. Einfach, weil ihr Musikgeschmack immer weniger Anspruch aufweist. Das ist jetzt meine Meinung und es gibt bestimmt Leute, die weiter tolle Sachen machen. Aber ganz allgemein ist mir das, was heutzutage angesagt ist, zu simpel, zu durchschaubar. Gerade was Harmonien betrifft. Auch von den Texten her ist es längst nicht so einfallsreich wie diese alten Songs." Sanfte Töne als Bollwerk gegen seelenlose Algorithmen-Musik.

Amerikanische Standards

Taylor ist wie ein Fels in der Brandung – ein Gralshüter, der auf die sozio-politische Relevanz des Great American Songbooks verweist. So sei "You've Got To Be Carefully Taught" von Hammerstein/Rodgers eine schallende Ohrfeige für Rassisten, während Billie Holidays "God Bless The Child" für Frauenrechte kämpfe.

Es sind Themen, die Taylor im modernen Amerika unter Dauerbeschuss sieht. Und weshalb er den Titel "American Standard" ganz bewusst gewählt hat. Dass es eine gleichnamige Firma für Sanitärmöbel gibt, nimmt er mit Humor: "Oh ja, stimmt. Und deshalb war der Titel bis zuletzt offen. Eben bis meine Frau meinte: 'Es ist doch nicht schlimm, wenn Leute den Begriff damit assoziieren.' Schließlich hatten wir selbst mal eine Küchenspüle, auf der 'American Standard' stand. Und die sah verdammt gut aus. Eben blaue Buchstaben auf weißem Porzellan. Einfach toll."

James Taylor
Die Songs des Great Amrican Songbokk haben James Taylor geprägt Bildrechte: Norman Seeff; All Rights Reserved

Wellness für die Ohren

James Taylor ist ein sanfter Riese mit feinsinnigem Humor, viel Idealismus und dem Hang zur Perfektion. "American Standard" hat er auf seiner Farm in den Wäldern von Massachusetts aufgenommen, mit seiner Band, dem Jazz-Gitarristen John Pizzarelli und so viel Ruhe und Harmonie, dass das Ergebnis wie Wellness für die Ohren ist: Entspannende, relaxte Klänge zwischen Jazz, Folk und Latin-Vibes – perfekt zum Abschalten und Seele baumeln lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. März 2020 | 07:40 Uhr

Abonnieren