Jay-Z verlässt die Met Gala in New York.
Jay-Z bei der Met Gala in New York Bildrechte: imago/ZUMA Press

Zum 50. Geburtstag des Hip-Hop-Stars Wie Jay-Z zum erfolgreichsten schwarzen Rapper wurde

18 Grammys, 60 Millionen verkaufte Alben, eine Milliarde Dollar schwer: Niemand vereint Street-Credibility und knallhartes Unternehmertum auf so unnachahmliche Weise wie der amerikanische Hip-Hop-Künstler Jay-Z, mittlerweile nicht nur mehr Musiker, sondern Kopf eines Business-Imperiums, das ihn zum Superreichen gemacht hat. Heute wird der erfolgreiche wie umstrittene Selfmademan, der von ganz unten kam, 50 Jahre alt.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

Jay-Z verlässt die Met Gala in New York.
Jay-Z bei der Met Gala in New York Bildrechte: imago/ZUMA Press

Herzliche Grüße aus Brooklyn. Von einem, der seiner heutigen Frau, dem Megastar Beyoncé, zur Verlobung einen Ring für schlappe fünf Millionen Dollar schenkte – den teuersten Ring der Welt, gegen den sich das goldene Schaukelpferd seiner Tochter für schlappe 600.000 Dollar wie ein Schnäppchen ausnimmt. Jay-Z ist der erfolgreichste schwarze Entertainer der Welt.

"This guy is the fuckin’ best"

Der Legende nach sollen er und sein Manager Anfang der Neunziger immer wieder dem Hip-Hop-Fürsten LL Cool J aufgelauert haben, um ihn zum Battle-Rap herauszufordern. Der aber kniff, weil es sich bereits herumgesprochen hatte: "This guy is the fuckin’ best." Während Jay-Z, ganz urbaner Psychologe, die Hölle um sich herum so beschrieb: "Viele Schlägereien in unserem Viertel fingen so an: 'Was glotzt ’n so? Willst du was von mir?' Und da wurde mir klar: 'Der fühlt sich ertappt – in seinem Elend, in seinem Schmerz, und da will er nicht gesehen werden", erinnert sich Jay-Z. "Die Leute legen sich einen Panzer zu, sind bereit, einem an die Gurgel zu gehen, einen notfalls zu töten. Und wenn man erst mal begriffen hat, warum, sieht man die Welt mit völlig anderen Augen."

Geldfarbe wichtiger als Hautfarbe

Frühere Wegbegleiter haben kaum Gutes zu sagen über den pausbäckigen Ex-Crackdealer. Auf dem Weg nach oben hat er sie alle abserviert: seinen ehemaligen Mentor Jaz-O ebenso wie seinen Ex-Manager Dame Dash, jeden, dessen Ghetto-Vergangenheit sich nicht mehr mit der Gegenwart vereinbaren ließ. Der Autor Boyce Watkins hat Jay-Z und sein Verhältnis zur schwarzen Community leicht abfällig so zusammengefasst: "Ihm ist scheißegal, ob er es mit weißen Geschäftspartnern zu tun hat; für ihn zählt nur, dass die Dollarscheine grün sind."

Beyonce und Jay Z
Beyonce und Jay Z Bildrechte: IMAGO

Mag sein, dass Jay-Z ein Ultra-Materialist ist, ein Parvenü, der sich in Gesellschaft von Oprah und Obama heute entschieden wohler fühlt als bei den Boys in the Hood – wen wundert’s? Aber Kids kaufen keine Platten oder zahlen für Downloads oder Streams, nur weil ihnen jemand ein Märchen vorlebt. Sie kaufen sie, weil die Zeiten sich geändert haben – und es nicht mehr darum geht, wie viele Straßen ein Mann entlang wandern muss, bis er zum Mann wird, sondern darum, was auf diesen Straßen passiert, auf denen das Stumpfe und Degenerierte regiert, wie in Jay-Zs Song "Where I’m From" – ein melancholisches Poem über die Auflösung der amerikanischen Gesellschaft, in dem sich seine eisige Leck-Arsch-Haltung in eine Beschwörung offener Wunden verwandelt.

Hip-Hop für den sozialen Aufstieg

"I articulate the world", hat Jay-Z in einem Interview anno 2014 konstatiert – "Ich fasse die Welt in Worte". Bei diesem Interview trägt er nicht etwa Hoodie und Sneakers, sondern Anzug und grau-weiß karierte Krawatte, und auch sonst ist es ein Interview aus der Liga der außergewöhnlich kapitalkräftigen Gentlemen. Das Gespräch leitet der Wirtschaftsmagnat Steve Forbes, und links neben Jay-Z sitzt der milliardenschwere Investor Warren Buffett. Man kann den beiden älteren Herren genau ansehen, wie wahnsinnig sie sich für Hip-Hop interessieren. Doch dann erklärt ihnen Jay-Z, was Business ist, und die beiden wiehern wie ein ganzer Pferdestall, weil sie das schon immer wussten: "Das war der größte Trick, den sich je ein Mensch ausgedacht hat – Künstlern einzureden, sie könnten nicht gleichzeitig Künstler sein und Geld verdienen. Während ebendiese Typen selbst Millionen scheffelten", sagt Jay-Z. "Hip-Hop war von Anfang an ein Werkzeug zum sozialen Aufstieg und hat diese Behauptung tausendfach widerlegt. Im Studio ist man Künstler und macht Musik, und wenn man damit fertig ist, versucht man sie der Welt zu verkaufen. Ich wüsste nicht, was daran falsch sein sollte." 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 04:00 Uhr

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