Neues Album "I Shouldn't be Telling You This" Jeff Goldblum überzeugt auch als Jazzer

Als Jeff Goldblum vor einem Jahr im Alter von 66 Jahren sein erstes Album vorlegte, war das eine Überraschung. Nun schiebt er mit "I Shouldn't be Telling You This" ein neues Werk hinterher. Und wieder überzeugt er mit seiner speziellen Mischung aus Humor und fachkundigem Jazz.

Jeff Goldblum
Jeff Goldblum – der Schauspieler gibt auch am Piano eine große Darbietung Bildrechte: imago images/PA Images

Der Hollywood-Star Jeff Goldblum ("Independence Day", "Jurassic Park") hat es noch einmal getan: er hat ein Jazzalbum veröffentlicht. Es trägt den Titel "I Shouldn't be Telling You This" und musikalisch unterstützt wurde er erneut vom The Mildred Snitzer Orchestra.

Erstes Album 2018 mit 66 Jahren

Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra: I Shouldn't Be Telling You This
Cover des Albums von Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra: "I Shouldn't Be Telling You This" Bildrechte: Decca

Goldblums erstes Jazzalbum hat er 2018 veröffentlicht, mit 66 Jahren, darauf Jazzstandards von einem Hobbypianisten, aber erfrischend gut eingespielt. Das Album landete auf Platz eins der US-Jazzcharts. Diesseits und jenseits des Atlantiks war die Überraschung über "The Capitol Studio Sessions" groß.

Dabei berichtete die Namensgeberin seiner Band, Mildred Snitzer, bereits davon, wie der kleine Jeff sich schon mit zwölf Jahren ins Pianospiel vertiefte und wie er darin aufging, bevor er den festen Entschluss fasste, Schauspieler werden zu wollen. Das wussten viele Fans nicht. Daher konnte er eine beachtliche Hörerschaft in Erstaunen versetzen, als er mit dem Mildred Snitzer Orchestra 2018 ein musikalisch ausgewogenes und - nennen wir es "darstellerisch sehr humorvolles" Livealbum auf den Markt warf.

Auf die Musik fokussiert

Womit aber noch weniger Menschen gerechnet haben, ist wohl, dass Goldblum danach noch ein Album veröffentlicht. Auf "I Shouldn’t Be Telling You This" entfallen nun die Liveplaudereien mit Sängerinnen und Spontanapplaus aus dem Publikum. Jetzt kommt es auf die Musik an.

Goldblum hält es live kaum aus, einen Titel zu spielen, ohne dabei Gesichter eines Jazzgenießers zu machen. Jedes Solo feiert er noch während es gespielt wird. Das muss man mögen. Sein Klavierspiel aber profitiert davon. Er hat bei aller Reduktion auf die Begleitung eine gewissen Leichthändigkeit, ja sogar einen Groove, der sich vom schwingenden Spiel ernährt. Der Witz in den Ansagen und in seinem Gesicht, wenn er live spielt scheint seinen Händen inne zu wohnen. Und davon profitiert nun auch sein zweites Album.

Professionelle Unterstützung

Das Mildred Snitzer Orchestra rekrutiert sich aus einer Bagage von L.A.-Musikern, die die dortige Jazzszene aufmischen. Für wirklich hervorragende Soli an den Tasten hat er sich Joe Bagg an der Orgel ins Ensemble geholt. Bagg kommt aus L.A., hat unter anderem bei Kenny Barron gelernt und mal hier und da einen Abstecher ins (na klar) Showbusiness gemacht. UND: An der Orgel brilliert er mit feinen integren Soli.

Jeff Goldblum
Stolz hält Jeff Goldblum sein neues Album in den Händen Bildrechte: TTT/ Das Erste

Bagg und der Bassist Alex Frank sowie Jon Storie haben die Arrangements geschrieben, also auch da hält sich Goldblum heraus: Er ist das Gesicht und der Networker - und eben der Pianist. Solobläser sind James King und Scott Gilman, beide in der Jazzszene von Los Angeles beheimatet und teilweise auch in der Filmmusikproduktion engagiert. So klingt das Mildred Snitzer Orchestra sehr rund, cool und gleichzeitig charmant.

Verstärkung durch Miley Cyrus und andere

Goldblum ist nicht nur Everybody's Darling, er ist auch ein gewiefter Netzwerker. So holt er sich für dieses Album wieder große Namen der Popwelt ins Studio. Den größten Coup landet er mit dem Teenie-Idol Miley Cyrus, einer Art Nachfolge der großen Britney Spears, ebenfalls Kinderstar gewesen und heutzutage überbordend berühmt. In der Tat klingt Cyrus sehr charakteristisch in der Aufnahme von "The Thrill Is Gone" mit Einflüssen aus dem Filmthema "Django" aus "Django Unchained".

Weitere Sängerinnen sind Sharon van Etten, Fiona Apple und Inara George, allesamt aus dem Singer/Songwriter- und Popbereich. Mittenmang die L.A.-Jazzsängerin Gina Saputo sowie Gregory Porter. Allesamt sind gut besetzt mit Songs, die die Kreativen von einer ungewohnten Seite zeigen.

Die Mischung macht's

Auf diesem Album finden sich Standards von Irving Berlin bis Herbie Hancock, jedoch gibt es dieses Mal auch einige interessante Kniffe. Die Arrangeure haben zum Teil Jazzstücke mit Poptiteln gekreuzt. So landet das Lee-Morgan-Stück "The Sidewinder" in einem gemeinsamen Arrangement mit Sonny Bonos "The Beat Goes On" (Sonny und Cher, 1967).

Jeff Goldblum
Jeff Goldblum Bildrechte: TTT/ Das Erste

Goldblums Rezept: Man extrahiere aus den Jazzstücken die Grooves und Hauptmelodien und kombiniere sie mit einem griffigen Refrain aus der Popwelt, et Voilá: Ein tanzbarer, gut verdaulicher Jazz-Pop-Song ist bereitet. Damit wird auch das Album wieder eine spaßbetonte Aufnahme, ein spannendes und gleichzeitig leichtfüßiges Album im 60er-Jahre Sound, das durch brillante moderne Aufnahmetechnik glänzt und auch hervorragende Soli bietet.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2019 | 07:40 Uhr

Abonnieren