Ausstellung "Jetzt" Chemnitz zeigt die Zukunft der deutschen Malerei

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Wie malt die junge Künstlergeneration in Deutschland? Mit den Kunstsammlungen Chemnitz und den Kunstmuseen in Bonn und Wiesbaden haben mehrere deutsche Museen eine umfangreiche Bestandsaufnahme vorgenommen. Die Ergebnisse gibt es jetzt zu sehen, in Chemnitz startet die Schau mit "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" im Museum Gunzenhauser.

Monika Michalko: My own shop, 2018, Öl auf Papier, 105 x 157 cm Courtesy of the artist & Produzentengalerie Hamburg
Monika Michalko: My own shop, 2018, Öl auf Papier, 105 x 157 cm
Courtesy of the artist & Produzentengalerie Hamburg
Bildrechte: Jan Michalko

Die Kunstsammlungen Chemnitz haben sich viel vorgenommen: mit einem Mammut-Projekt wollen sie nichts Geringeres als den aktuellen Stand der Malerei in Deutschland erkunden. Gemeinsam mit den Kunstmuseen in Bonn und Wiesbaden wurden zeitgleich drei Ausstellungen auf die Beine gestellt, die 53 Malerinnen und Maler aus ganz Deutschland präsentieren. Der Titel heißt "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland".

Ein Teil dieses Ausstellungs-Projekts ist jetzt im Museum Gunzenhauser in Chemnitz zu sehen. Gezeigt werden rund 170 Werke von 53 Malerinnen und Malern. Das ist schon ziemlich imposant, denn sie bespielen alle Räume des Museum Gunzenhauser. Alle Künstler wurden zwischen den späten 70er- und 80er-Jahren geboren, sie sind  jetzt also zwischen 30 und 40 Jahre alt. In der Regel haben sie an einer deutschen Kunsthochschule studiert.

Umfangreiche Recherche

Für die Schau ausgewählt wurden sie von den  Kuratoren aus Chemnitz, Bonn und Wiesbaden. Diese Museumsleute haben sich wie Trüffelhunde auf die Suche gemacht nach den interessantesten künstlerischen Positionen. Dafür waren erhebliche Recherchen notwendig. Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz erläutert: "Wir haben über 150 Ateliers besucht in Zweiergruppen, haben mit den Künstlerinnen und Künstlern gesprochen, uns die Werke angeguckt, haben diskutiert. Haben natürlich Kollegen gefragt: Kennen die jemanden, wen würden die empfehlen? Haben Professoren gefragt, Künstler gefragt. Ein großes, weites Netzwerk an Personen, haben wir uns beraten lassen, recherchiert. Und über diese Recherchearbeit, oder eine Feldforschungsarbeit eigentlich, sind wir dann letzten Endes zu einer Auswahl von über 50 Positionen gekommen, die wir am Ende für relevant hielten."

Kunsthochschulen sind zentral

Die Ausstellung will also einen gültigen Querschnitt durch die junge Malerei in Deutschland zeigen. Da stellt sich natürlich auch die Frage, wo denn eigentlich diese Malerei produziert wird? Hier spielen natürlich die Kunsthochschulen eine ganz herausragende Rolle, das sind ja traditionell die Kaderschmieden für die Malerei. Das ist besonders bemerkenswert in einer Stadt wie Chemnitz, die ja selbst über keine eigene Kunsthochschule verfügt. Und dennoch hat sie in der Vergangenheit immer wieder wichtige Künstler hervorgebracht, die nicht an einer Kunstakademie studiert haben, wie zum Beispiel Olaf und Carsten Nicolai.

Düsseldorf und Leipzig stechen hervor

Künstler aus 16 Hochschulen sind in der Schau vertreten.  Und wenn man sich die Auswahl der Malerinnen und Maler anschaut, die getroffen wurde von den Kuratoren aus Wiesbaden, Bonn und Chemnitz, dann stechen zwei Kunsthochschulen hervor. Es sind die berühmte Kunstakademie Düsseldorf und die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Diese beiden Akademien stellen rein zahlenmäßig die meisten Künstler, allein aus Leipzig haben es 14 Malerinnen und Maler in diese bundesweite Schau geschafft. Das ist ein Indiz dafür, dass es mit der Malerei in Leipzig weitergeht, trotz aller Anfeindungen in der jüngeren Vergangenheit

Frédéric Bußmann, neuer Generaldirektor, steht vor den Kunstsammlungen Chemnitz.
Frédéric Bußmann Bildrechte: dpa

Nach den großen Diskussionen um die Neue Leipziger Schule, die ja auch viel Häme und Spott ein Stück weit auch gebracht hat in Deutschland, auch viel Skepsis, konnten wir glaube ich zeigen, dass sich in Leipzig eine ganz große Vielfalt, Diversität und unterschiedlichen Haltungen gezeigt hat und die akademische Ausbildung doch einen hohen Stellenwert hat hier.

Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz

Bei den Werken der mehr als 50 Malerinnen und Maler kann man keinen großen Trend ausmachen. Der alte Gegensatz zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei jedoch, der scheint immer mehr zu verschwimmen. Auf alle Fälle gibt es da keinen Kalten Krieg mehr mit den Stilmitteln. Stattdessen bedienen sich die Künstler hemmungslos aus dem Fundus der Kunstgeschichte und betreiben damit ein Spiel der Möglichkeiten.

Wie  zum Beispiel die Leipziger Malerin Kristina Schuldt, die hat ein wunderbar ironisches Bild geschaffen mit dem Titel "Einkaufswagen – eine Treppe herabsteigend". Damit spielt sie auf Schlüsselwerke von Marcel Duchamps oder später auch von Gerhard Richter an – doch diese Großmeister haben ja damals einen weiblichen Akt die Treppe runterlaufen lassen und keinen Einkaufswagen wie Kristina Schuldt.

Sebastian Gögel dagegen beschäftigt sich in seinen fragmentierten Bildern mit Robotern und Menschen und Mischungen aus beiden. Oder es gibt Künstler, die sich ganz deutlich inspirieren lassen von der Popkultur.

Hier geht es immer wieder um die Reflektion: Was kann Malerei heute sein?

Frédéric Bußmann
Im ehemaligen Sparkassen-Gebäude in Chemnitz befindet sich jetzt das Museum Gunzenhauser. Es gehört zu den Kunstsammlungen Chemnitz.
Im ehemaligen Sparkassen-Gebäude in Chemnitz befindet sich jetzt das Museum Gunzenhauser. Bildrechte: MDR/Nadine Jejkal

Die Ausstellung Jetzt! Junge Malerei in Deutschland

Museum Gunzenhauser, Falkeplatz, Chemnitz
21. September 2019 - 19. Januar 2020

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag, Feiertage 11-18 Uhr
Mittwoch 14-21 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. September 2019 | 06:15 Uhr

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