Der amerikanische Musiker J.J. Cale
Der amerikanische Musiker J. J. Cale Bildrechte: dpa

Posthumes Album "Stay Around" "Stay Around" - Witwe veröffentlicht posthumes Album von J. J. Cale

J. J. Cale war einer der ganz Großen der Rockmusik: Ein kauziges Männchen aus Oklahoma, das eigentlich John Weldon Cale hieß, seinen eigenen Stil hatte und seine bekanntesten Stücke für Kollegen wie Eric Clapton oder Lynyrd Skynyrd schrieb. Vor sechs Jahren erlag "The Breeze" – wie sie ihn nannten - einem Herzleiden. Jetzt hat seine Witwe Christine Lakeland das erste posthume Album des Ausnahmegitarristen kompiliert: "Stay Around". MDR KULTUR-Kritiker Marcel Anders hat mit ihr gesprochen.

von Marcel Anders, MDR KULTUR

Der amerikanische Musiker J.J. Cale
Der amerikanische Musiker J. J. Cale Bildrechte: dpa

Da waren etliche Sachen, die ich durchhören musste. Und ich konnte mich nicht jeden Tag damit befassen – weil es zu heftig war. Weil Musik ziemlich bewegend sein kann. Und einige Songs kannte ich, andere dagegen waren eine Überraschung. Ich habe 2016 angefangen, alles zu archivieren. Daran habe ich fast zwei Jahre gearbeitet – einfach, um zu sehen, was alles da war und wie es klang.

Christine Lakeland, Frau von J. J. Cale
J.J. Cale: Stay Around
Cover von "Stay Around" von J. J. Cale, der Musiker, der nicht mit lauten Gitarren beindrucken musste Bildrechte: Label Because Music

Eine Herkulesaufgabe. Denn wie Christine Lakeland zugibt: Im ganzen Haus, in dem das Paar unweit von San Diego lebte, fand sie CDs und USB-Sticks mit Demos, die Cale aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf einem Album realisieren konnte. Wie viele es sind, will sie nicht verraten. Aber: 15 davon finden sich jetzt auf einer ersten posthumen Veröffentlichung – und zeigen Cale als versierten Grenzgänger zwischen Folk, Blues, Country und Rock. Mit charakteristischem Nuschel-Gesang und tiefentspanntem Vibe, der nach Schaukelstuhl auf der Veranda klingt. Dabei war es die heimische Küche:

"Ein Ort, an dem er sehr gerne gesessen und aufgenommen hat. Er hatte ein kleines Heizgerät, das ihn warmgehalten hat – und einen netten Ausblick auf den Garten. Er saß auf einem Stuhl, den wir zwar repariert hatten, aber jedes Mal, wenn John sich darin bewegte, machte er Geräusche. Ich habe gar nicht erst versucht, sie auf den Aufnahmen zu entfernen. Sie sorgen für ein Gefühl, als ob man da mit ihm am Tisch sitzt und er für einen spielt."

Ein Musiker mit Ecken und Kanten - und Humor

Kleine Fehler, die Cale sympathisch und menschlich machen, weil er nie zu perfekt war. Weil er Ecken und Kanten hatte – genau wie eine gesunde Portion Humor. Die äußert sich in Stücken wie "Go Downtown" oder "Maria", in denen er auf die Pirsch geht. Nach erotischen Abenteuern, die er – so Christine Lakeland – aber nie gehabt hätte. Die einfach frivole Fantasien waren. Und halt zu Cale gepasst hätten.

"Ich weiß nicht, ob das den Leuten klar ist, aber: John war ein attraktiver Mann. Und er liebte Frauen. Als ich ihn getroffen habe, hielt ich ihn für unglaublich süß. Er hatte einen tollen Hintern. Und er hat mich zum Lachen gebracht – genau wie ich ihn. Das hat uns verbunden."

Sich als LKW-Fahrer ausgeben, um seine Privatsphäre zu behalten

Der Künstler als omnipotenter Liebhaber und Lebemann vom Dienst. Eine Koketterie, die ihren Beitrag zum Mythos J. J. Cale leistet wie weltberühmte Songs à la "After Midnight" oder "Cocain", seine Verweigerung gegen Bankkonten, Mobiltelefone oder längere Tourneen. Aber auch Jahre der völligen Zurückgezogenheit, die er unter falschem Namen auf einem Trailerpark in Süd-Kalifornien verbrachte. J. J. Cale war ein Kauz. Ein Unikum, das einfach anders war – und wusste, was es wollte. Christine Lakeland schwärmt bis heute von ihrem John, mit all seinen Macken.

Eine Menge Leute verstehen das nicht. Aber: Wenn man seine Privatsphäre einmal verloren hat, kann man sie nie mehr zurückerlangen. Insofern war er sehr darauf bedacht, nicht zu viel von sich preiszugeben. Er hat sich lieber als LKW-Fahrer ausgegeben, um seine Ruhe zu haben. Und ich habe seine Vorsicht verstanden – er wollte sich seine Lebensqualität bewahren.

Christine Lakeland, Frau von J. J. Cale

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 29. April 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 04:00 Uhr

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