Die amerikanische Rockmusikerin Joan Jett.
Joan Jett wurde am 22. September 1958 in Wynnewood, Pennsylvania geboren. Bildrechte: dpa

"Queen of Noise" Joan Jett: Die Mutter der Girl-Bands wird 60

Mit "I Love Rock'n'Roll" landete Joan Jett 1981 für sieben Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts. Die amerikanische Gitarristin und Sängerin hat mit ihren Bands, den Runaways und den Blackhearts, weibliche Rockgeschichte geschrieben: Sie ebnete den Weg für Aberdutzende anderer Girl-Bands, die im Boys' Club des Rock die Geschlechterstereotypen mit Lärm und Fuck-You-Attitüde auflösten: Bands wie Girlschool, die Bangles, die Pandoras oder L7, alle stammen sie in direkter Linie von Joan Jett ab. "Ich will da mitmischen, wo die Jungs das Sagen haben", heißt es in einem ihrer Songs, und genau das hat Jett auch verwirklicht. Jetzt wird sie 60.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

Die amerikanische Rockmusikerin Joan Jett.
Joan Jett wurde am 22. September 1958 in Wynnewood, Pennsylvania geboren. Bildrechte: dpa

Als ich 13 war, habe ich mir von meinen Eltern zu Weihnachten eine Gitarre gewünscht. Mein erster Gitarrenlehrer sagte aber immer: 'Mädchen spielen keinen Rock.' Und ich dachte: 'Leck mich doch.'

Joan Jett, Musikerin
Die amerikanische Rockmusikerin Joan Jett.
Joan Jett 2001 in New York. Bildrechte: dpa

So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Die Runaways, eine fünfköpfige All-Girl-Band, deren Frontfrau Cherie Currie Hochhackige, Strumpfhalter, Nylons und ein Reizwäsche-Mieder trug. Links neben ihr stand die Rhythmusgitarristin in Plateauboots und hautengem Leder-Outfit, eine Art kleine Badass-Schwester von Suzi Quatro: Joan Jett, 18 Jahre alt, unverkennbar weiblich und doch one of the boys, eine Mischung aus Miss Flipperautomat und kaugummikauender "Queen of Noise".

Erfunden hatte die wilden Mädchen ein Mann – der Producer Kim Fowley, der Joan Jett und ihre Bandmates so charakterisierte: "Sie waren Amazonen, sie waren Wonder Women. Sie waren nicht Arsch und Titten, sie waren ein Mädels-Team mit Teenager-Attitude. Ich wollte authentischen Scheiß, Trash, der sich in Gold verwandeln lässt." Sein baldiger Rausschmiss bewies, dass er es ganz bestimmt nicht mit ein paar Barbiepuppen zu tun hatte. Tatsächlich waren Joan Jett und die Runaways die erste weibliche Band, die die Bastion des Rock'n'Roll für sich eroberte. Zum Entsetzen des männlichen Establishments; der "Rolling Stone" etwa ließ kein gutes Haar an den fünf Riot Girls, mit ihrer infektiösen Mischung aus Glam, Punk und Stumpfrock eine internationale Sensation.

Vor Madonna gab es Joan Jett. Sie war das original bad girl, eine, mit der man sich besser nicht anlegte.

Dave Mustaine von der Heavy-Metal-Band Megadeth
Bild aus dem Film "The Runaways", zu sehen ist eine vierköpfige Girl Band
Aus dem Film "The Runaways": Die Band The Runaways mit Kristen Stewart als Joan Jett, Stella Maeve als Sandy West, Scout Taylor-Compton als Lita Ford und Alia Shawkat als Robin. Bildrechte: IMAGO/River Road Entertainment

Die Bedeutung von Joan Jett und den Runaways kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. 1977 waren sie nichts anderes als blanke, pöbelhafte Provokation, und Joan Jett ebnete den Weg für Aberdutzende anderer Girl-Bands, die im Boys' Club des Rock die Geschlechterstereotypen mit Lärm und Fuck-You-Attitüde auflösten: Bands wie Girlschool, die Bangles, die Pandoras oder L7, alle stammen sie in direkter Linie von Joan Jett ab. Dave Mustaine von der Heavy-Metal-Band Megadeth hat es so zusammengefasst: "Vor Madonna gab es Joan Jett. Sie war das original bad girl, eine, mit der man sich besser nicht anlegte."

Wir wurden von zeternden Feministinnen heftig attackiert, nur weil wir in einer Rockband spielten. Natürlich setzten wir zu einem gewissen Grad unsere Sexualität ein, nicht anders als die Rolling Stones auch. Aber Rock'n'Roll und Sex gehören nun mal untrennbar zusammen.

Joan Jett, Musikerin
Die amerikanische Rockmusikerin Joan Jett.
Die amerikanische Rockmusikerin Joan Jett. Bildrechte: dpa

In der Wochenzeitung "Die Zeit" beklagte sich vor kurzem eine junge Gastautorin bitter darüber, dass Popmusik immer noch eine uneinnehmbare Jungs-Domäne sei. "All dieses Wissen [über Musik] fehlt mir. Es wird an den Mädchenköpfen vorbeigelenkt", lamentierte die Autorin über ein Pop-Patriarchat, das angeblich immer noch überall den Daumen drauf hat. Abschließend forderte sie: "Wir [Frauen] brauchen Zeit, uns selbst zu erobern, und anschließend den Diskursraum, den wir lieben." Ein Proberaum wäre womöglich die bessere Wahl. Und für den Anfang ein paar Platten von Joan Jett.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. September 2018 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 04:00 Uhr