Klassik-Album Wer Chopin mag, wird Louise Farrenc lieben

Komponistinnen der Romantik sind noch immer recht unbekannt. Man kennt Clara Schumann, vielleicht noch Fanny Hensel. Die US-Pianistin Joanne Polk stellt nun auf "Etudes & Variations for Solo Piano" Werke der Französin Louise Farrenc (1804-1875) vor, die eine Klangwelt zwischen Chopin und Liszt entfalten. Unser Kritiker befindet: Absolut hörenswert!

Louise Farrenc
Louise Farrenc – Komponistin, Pianistin und Musikwissenschaftlerin Bildrechte: imago/Leemage

Ein Album mit Musik der Komponistin Louise Farrenc (1804-1875) legt die US-amerikanische Pianistin Joanne Polk vor. Deren Klaviermusik erinnert an die von Frédéric Chopin, bisweilen aber auch an die des Extremvirtuosen Franz Liszt.

Komponistinnen der Romantik sind noch immer ein weithin unbekanntes Terrain. Man kennt (seit letztem Jahr umso stärker wieder) Clara Schumann. Und auch Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy ist seit einigen Jahren in den Konzertsälen präsent. Entdeckt wird gerade Ethel Smyth aus London, die übrigens in Leipzig studiert hat – und eben Louise Farrenc aus Paris.

Louise Farrenc lebte in einer musikalisch sehr bewegten Epoche. Sie war Zeitgenossin von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, aber auch von Hector Berlioz, Richard Wagner und Franz Liszt.  Ihr Handwerk gelernt hat sie unter anderem beim zeitweiligen Weimarer Hofkapellmeister Johann Nepomuk Hummel.

Erste Klavier-Professorin am Pariser Conservatoire

Louise Farrenc
Louise Farrenc Bildrechte: imago/Leemage

Ihr künstlerischer Durchbruch kam mit der Klavierkomposition "Air russe varié". Neben diesem, schon länger bekannten Werk finden sich auf dieser neuen CD auch eine Reihe von Kompositionen von Louise Farrenc, die bislang noch nicht eingespielt worden sind, vor allem Etüden, im Wortsinn eigentlich Übungsstücke. Doch wie Frédéric Chopin schafft es auch Louise Farrenc, das Nützliche für den Pianisten mit dem Angenehmen für die Hörer zu verbinden. Entstanden sind diese Stücke aus der Unterrichtspraxis heraus, denn die Farrenc war die erste Professorin für Klavier am Pariser Conservatoire.

Sehr klarer Anschlag

Die US-Amerikanische Pianistin Joanne Polk ist eine Kollegin von Louise Farrenc in unserer Zeit, sie lehrt als Professorin an der Manhattan School of Music in New York. Auf Alben bringt sie ausschließlich Werke von Frauen heraus. So zum Beispiel von der amerikanischen Komponistin Amy Beach oder von Clara Schumann.

Joanne Polk spielt zwar auf einem modernen Steinway, beachtet aber die Rhetorik des Originalklangs. Sie hat einen differenzierten und sehr klaren Anschlag, was der Musik sehr gut bekommt. Wenn man sich hineingehört hat, dann merkt man, dass die Farrenc – auf der Grenze zwischen Chopin und Liszt – einen ganz eigenen pianistischen Stil entwickelt hat. Absolut hörenswert!

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. März 2020 | 07:10 Uhr

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